Magdeburg (epd) l Schon der Beginn macht deutlich, dass die Mehrzahl des Publikums in Magdeburg kaum an einer sachlicher Diskussion zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Magdeburg interessiert ist. Buhrufe und Geschrei am Freitagabend, als die Redner auf dem Podium zunächst nur schwer zu verstehen sind, weil die Techniker die Mikrofone schlecht eingestellt haben. Die Zwischenrufe setzen sich bei der Vorstellung der Vertreter von Polizei und Stadt fort, nicht zuletzt bei der Vorstellung von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU).

Eingeladen in die katholische Petrikirche hatten Innenministerium und die Stadt. Rund 700 Menschen kamen, davon standen etliche aus Platzmangel draußen an einem geöffneten Seiteneingang der Kirche. Und auch die fremdenfeindliche Initiative "Magida" soll zur Teilnahme aufgerufen haben.

Rückbau geplant

"Wenn Flüchtlinge hierherkommen, müssen wir sie menschenwürdig unterbringen. Was wir nicht haben, ist Zeit", sagt Stahlknecht. So sei eine andere Liegenschaft des Landes in Magdeburg so schnell nicht herzurichten. Die als Unterkunft vorgesehene Herrenkrug-Anlage sei die erste in Sachsen-Anhalt, "die wir zurückbauen werden, wenn sich die Lage wieder normalisiert", verspricht der Minister wohl eher zur Beschwichtigung. Das mindert dennoch die Buhrufe nicht.

Bilder

Die zentrale Unterkunft ist für bis zu 1500 Menschen im Stadtteil Herrenkrug auf einem ehemaligen Militärgelände geplant. Dazu sollen vorgefertigte Häuser errichtet werden, in diesem Jahr könnten die ersten 300 bis 350 Flüchtlinge einziehen. Ein Unterbringungs- und Finanzierungskonzept der Landesregierung sieht vor, neben der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt weitere Schwerpunkt-Erstaufnahmeeinrichtungen zu schaffen, darunter in Magdeburg.

Von dort sollen die Flüchtlinge nach wenigen Wochen auf Landkreise und Städte weiterverteilt werden. Stahlknecht rechnet für dieses Jahr mit bis zu 30.000 Flüchtlingen. Im vergangenen Jahr waren es 6618 Asylbewerber.

Stahlknecht fehlen die Worte

Dem Podium werden Wörter wie etwa "Heuchler!", "Lügner", "Träumer!" oder "Alles nur Geschwafel" und "Schnapsidee" entgegengeschleudert. Und die meisten Besucher johlen zustimmend bei einer Frage, wieso die politisch Verantwortlichen einschließlich Bundeskanzlerin "uns die Flüchtlingskrise aufzwingen". Andere sprechen von einem zu befürchtenden Preisverfall bei den Eigenheimen in der Gegend oder fordern eine Volksabstimmung über die Magdeburger Unterkunft.

Behauptet wird auch, bei der vorgesehenen Fläche handele es sich um ein Biotop oder aber das Areal stehe unter Denkmalschutz. Ein Mann spricht gar von einer gewissen "Notdurft", die männliche Flüchtlinge hätten, weil der Anteil der Frauen in den Unterkünften sehr gering sei. Wer dann seine Ehefrau und seine elfjährige Tochter schütze, will er wissen. Stahlknecht murmelt nur: "Manchmal fehlen mir die Worte".

Redebeiträge, wonach die Flüchtlinge mit offenem Herzen und tolerant empfangen werden sollten, lassen sich an einer Hand abzählen. Und zuletzt sagt dann noch ein Mann, aber ganz leise: Angesichts der Fragen und der aggressiven Stimmung schäme er sich zum ersten Mal in seinem Leben, Magdeburger zu sein.