Magdeburg l Der interne Machtkampf im Verband der Gartenfreunde steuert auf einen Höhepunkt zu. Gegen den Schatzmeister liegt ein Abwahlantrag vor – obwohl ihn unabhängige Wirtschaftsprüfer in einem wesentlichen Punkt stützen.

Schatzmeister soll gehen

Monatelang hatte der Schatzmeister des Verbandes, Hans-Otto Schlehf, auf die prekäre finanzielle Lage des Verbandes der Gartenfreunde hingewiesen. Nun soll Schlehf den Hut nehmen. Gegen den Schatzmeister liegt ein Abwahlantrag vor, über den der erweiterte Vorstand des Gartenverbandes kommende Woche entscheiden wird. Stimmen zwei Drittel für den Antrag, muss Schlehf seinen Hut nehmen. Der Schatzmeister hatte seinerseits in den vergangenen Wochen mehrere Versuche gestartet, Verbands­chefin Ute Simon zu entthronen. Alle Versuche waren gescheitert. Beide wollen sich öffentlich nicht äußern.

Bereits heute trifft sich der kleine Vorstand des Gartenverbandes. Wie in den vergangenen Wochen dürfte es wieder um die finanzielle Situation des Dachverbandes der 14 000 Magdeburger Kleingärtner gehen und die bevorstehende Abstimmung des Haushaltsplanes für 2015. Wochenlang hatten unabhängige Wirtschaftsprüfer die Unterlagen des Verbandes nach den Vorwürfen des Schatzmeisters geprüft. Der Prüfbericht ist streng geheime Verschlusssache (Volksstimme berichtete). Alle Vorstandsmitglieder unterzeichneten eine Abmachung, dass von dem Prüfbericht nichts an die Öffentlichkeit gelangen darf.

Gartenverband droht Insolvenz

Dabei kommen die Mitarbeiter der ETL Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in ihrem Fazit zu einem Schluss, der alle 14 000 Magdeburger Kleingärtner interessieren dürfte. Zur finanziellen Lage des Verbandes schreiben die Prüfer, dass dem Verband bei gleichbleibender negativer Entwicklung der Kapitalrücklagen zeitnah die Insolvenz droht. Die Wirtschaftsprüfer empfehlen dem Verband auch, sich Rechtsbeistand einzuholen und eine Kapitalüberwachung durchzuführen, um eine Insolvenzverschleppung zu vermeiden. Laut den Prüfern haben sich die Finanzmittel des Verbandes allein von 2011 bis 2014 von mehr als 700 000 Euro auf 230 000 Euro verringert. Diese Entwicklung sei „bestandsgefährdend“, heißt es in dem Bericht. Die Prüfer geben Schlehf damit recht, dass es um die finanzielle Situation des Verbandes nicht gut bestellt ist. Auch der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernhard Ruth sagte auf Nachfrage, dass gehandelt werden müsse, die Zeit knapp werde, um eine Insolvenz vom Verband abzuwenden. Im Raum stehen unter anderem die Veräußerung von Verbandseigentum, die Aufnahme eines Kredites oder die Erhöhung der Beiträge für die Mitglieder. Den Abwahlantrag von Schlehf will Ruth nicht kommentieren. Das müsse der Gesamtvorstand entscheiden.

In einem wichtigen Punkt entlasten die Prüfer den Verband auch. Sie kommen für die untersuchten Jahre (2011 - 2014) nicht zu dem Schluss, dass Gelder veruntreut worden sind. Die negative Entwicklung wird darauf zurückgeführt, dass die Ausgaben- beständig die Einnahmenseite überschritten hat. Die Prüfer empfehlen daher, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen und eine Regelung mit den Vereinen für leerstehende Parzellen und den Pachtzinserlös zu finden.