Magdeburg l Zugegeben, Magdeburgs Handballer mit Engeln zu vergleichen, scheint ein bisschen weit hergeholt. Und doch hatte die Geschichte vom Engel, der nicht fliegen konnte, die SCM-Spieler Andreas Rojewski am Dienstag im Rahmen der Weihnachtslesungen der Investitionsbank las, Symbolcharakter.

Die Kurzgeschichte nach Christa Spilling-Nöker erzählt von einem Engel, der seine Flügel nicht zu gebrauchen weiß – gehemmt von der Angst zu versagen. Und erst, als der Engelschor nach der Geburt Jesus Christus verkündet, dass das Wunder der Weihnacht bedeute, dass niemand nach seinen Leistungen bewertet werden dürfe, sondern sich jeder in aller Freiheit zu dem entfalten könnte, der er ist, gelang es dem Engel zu fliegen.

Zweifelsohne eine Geschichte, die Interpretationsspielraum lässt. Ob der Engel ein SCM-Trikot trug oder nicht, sei an der Stelle jedem selbst überlassen.

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Ob Marc-Henrik Schmedt dies vor Augen hatte, als er die Geschichte für Andreas Rojewski aussuchte, ist unklar. Eigentlich sollte der SCM-Geschäftsführer selbst auch an der Lesung teilnehmen. Doch die aktuellen Geschehnisse um die Trennung von SCM-Trainer Geir Sveinsson standen dem im Wege.

Umso aufmerksamer folgten die rund 50 Zuhörer den Worten Rojewskis, der um ein Statement zum Trainer-Aus und dem Einsetzen Bennet Wiegerts als neuen Trainer nicht herum kam. „Bennet als Trainer? Wie ist es da mit der Autorität“, wollte Manfred Maas, Geschäftsleiter der IB, wissen. Schließlich habe Rojewski lange mit ihm zusammen gespielt. „Autorität bedeutet nicht, sich hinzustellen und den großen Mann zu mimen“, erklärte Rojewski. „Autorität definiert sich über Qualität.“ Und die habe Bennet Wiegert mit seiner Arbeit in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt. Aller Zuversicht zum Trotz konnte Rojewski nicht verbergen, dass die aktuelle Situation um Trainer Geir und die Teamleistung der vergangenen Wochen an den Spielern nicht spurlos vorbeigehen. „Der Druck ist enorm groß“, gestand er.

Und das wird sich auch zur Weihnachtszeit nicht ändern. Während in den meisten Familien über die Feiertage Ruhe einkehrt, geht es für die Spieler nach wie vor zur Sache. Am 23. Dezember steht ein Heimspiel gegen Wetzlar auf dem Plan. Und da am zweiten Weihnachtsfeiertag auswärts gegen die Rhein-Neckar-Löwen gespielt wird, steht sowohl an Heiligabend, als auch am ersten Weihnachtsfeiertag Training an. „Weihnachtsstimmung kommt da nicht auf. Die Weihnachtszeit fliegt nur so an uns vorbei“, erzählte er.

Ob Weihnachten für ihn auf dem Spielfeld stattfindet, ist jedoch unklar. Nach langer Verletzungspause sei sein Einsatz noch fraglich.

Sollte er nicht zum Zuge kommen, werde er wohl zu seiner Familie, die in der Nähe von Hamburg lebt, fahren. „Das Schönste ist für mich, wenn Weihnachten alle zusammenkommen“, sagte er. Seine Familie sei weit verstreut. Er würde sich freuen wieder spielen zu können, aber ebenso seine Familie zu sehen. Seinen Bruder und seine Schwester, die vor drei Wochen Mutter wurde. Daheim, bei seinen Eltern erwarte ihn zu Weihnachten ein kleines Festmahl mit vielen polnischen Gerichten wie Bigos (Krauteintopf), Teigtaschen mit Pilzfüllung, Rote-Beete-Suppe, Salate und Fisch.

Bleibt keine Zeit gen Norden zur Familie zu fahren, wird er bei seiner Freundin Julia Krause und deren Familie feiern. Einen Weihnachtsbaum hat er übrigens auch schon – nur geschmückt ist er noch nicht.

Und die Geschenke? Hat er die auch schon beisammen? „Naja, der Plan ist im Kopf. Wir müssen sie nur noch besorgen.“

Auch am Mittwoch wird eine Weihnachtsgeschichte gelesen. Zu Gast ist ab 12 Uhr Marcel Lejeune, IB-Repräsentant in Brüssel. Am Donnerstag lesen zu gleicher Zeit FCM-Vorstand, Mario Kallnik und Kapitän Marius Sowislo.