Magdeburg l Rund 750 Teilnehmer sind am Mittwoch zu einer von Schülern und Studenten organisierten Demonstration für eine Zukunft ohne Rassismus um 17 Uhr in die Innenstadt gekommen. Die Initiatoren hatten bereits vor dem Bekanntwerden des Termins der für zwei Stunden später angekündigten AfD-Demonstration ihre Veranstaltung angemeldet. Anlass zur Kundgebung für die Gruppe war der Angriff von 30 Schlägern auf drei Syrer vor einigen Wochen. Bestätigt sehen sich die Organisatoren durch weitere Vorfälle: Der gewalttätige Angriff auf Schüler nach einer Veranstaltung im Stadtteil Neustädter See, die Schmierereien und verbalen Angriffe auf Politiker wie Sören Herbst und Robert Fietzke.

Zahl der Anschläge vervierzigfacht

Dass Magdeburg dabei aus der Masse anderer Gegenden in Deutschland nicht heraussticht, machte eine Rednerin noch vor dem Start des Demonstrationszugs deutlich: Das Bundeskriminalamt hatte für 2011 zwanzig Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte registriert – im Jahr 2015 hat sich die Zahl auf bislang 800 vervierzigfacht. „In so einer Welt wollen wir nicht leben“, hieß es dazu im Aufruf zu der Demonstration.

Sorgen bereitet den Initiatoren der Demonstration nicht zuletzt der Umstand, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen oft als Vorwand diene, um fremdenfeindliche Hetze und Ausschreitungen zu legitimieren. Das widerspreche den Interessen und den Wünschen der Jugendlichen für ihre eigene Zukunft.

Quast lobt Mut der Schüler

Unterstützt wurden die Jugendlichen unter anderem von Studierendenräten aus Universität und aus der Hochschule, vom Arbeitskreis Antirassismus, von der Hochschulgruppe Offene Linke Liste, der Verdi- und von der BUND Jugend. Für die evangelische Kirche war Domprediger Giselher Quast zur Kundgebung gekommen. In seinen Worten an die Demonstranten sagte er: „Als Pfarrer des Domes möchte ich heute euren Aufruf ,Für eine Zukunft ohne Rassismus‘ unterstützen. Ich möchte nicht nur, ich muss. Denn das Christentum ist seinem Anspruch nach eine Religion ohne Rassismus.“ Beim Blick auf den Wunsch der Demonstranten, nicht in einer Welt voller Rassismus leben zu wollen, mochte der Domprediger den Jugendlichen nur wenig Hoffnung machen: „Liebe Schülerinnen und Schüler, in so einer Welt müsst ihr leben, ob ihr wollt oder nicht!“

Jeder, der wie die Demonstranten ein starkes Zeichen gegen die Ausgrenzung setze, riskiere, darauf festgenagelt zu werden. „Mit unserem Bekenntnis gegen Rassismus machen wir uns in dieser Stadt angreifbar“, sagte Giselher Quast. Mit dem Bekenntnis gegen die Fremdenfeindlichkeit gingen die Menschen eine Verpflichtung ein. „Ich beglückwünsche euch zu diesem Mut! Ihr seid die Hoffnung dieser Stadt“, so der Domprediger während der Kundgebung auf dem Dom­platz.

Demonstration zum Uniplatz

Neben den Organisatoren, die aus unterschiedlichen Schulen stammen, und dem Domprediger gab es Beiträge eines Flüchtlings, vom Arbeitskreis Antirassismus und vom Studierendenrat. Die Demonstrationsroute führte vom Domplatz über den Hasselbachplatz, die Otto-von-Guericke-Straße zur Johanniskirche und von dort weiter zur Abschlusskundgebung am Universitätsplatz.

Konkrete Planungen für eine weitere Demonstration haben die Schüler für eine Zukunft ohne Rassismus noch nicht. Es laufen aber Vorbereitungen für weitere Aktivitäten.

Als sich übrigens die Demonstranten auf den Weg durch die Innenstadt machten, bauten die nächsten Demonstranten bereits auf: Für 18 Uhr hatten Organisationen und Gruppen wie Block#MD, der Jugendverband SJD – Die Falken, das Landesjugendwerk der Awo und die SPD zum Protest gegen die eine Stunde später beginnende Demonstration der AfD aufgerufen.