Magdeburg l Bekannt ist sie vor allem durch ihre Arbeit als Gästeführerin in der Staatskanzlei. „Arbeit kann man das eigentlich nicht nennen, ich bin ja Rentnerin – und es macht unheimlich viel Spaß“, sagt Magda Manns und zeigt ihre beiden Lieblingsräume in der Staatskanzlei: den prunkvollen Festsaal und den Kabinettssaal. Zum Plaudern geht’s dann aber in ihre Wohnung. Dort ist es gemütlicher – und der Blick auf den Dom einmalig. Doch da ist noch etwas. Es tickt. Magda Manns erklärt: „Ich liebe Uhren, an der Wand und am Handgelenk – ich habe über 100 Modelle.“

Nach dem Abitur hat die Magdeburgerin in Halle an der Martin-Luther-Universität Landwirtschaft studiert. „Als ich mein Diplom in der Tasche hatte, habe ich eine Stelle in der Tierzucht und Tierinspektion in Stendal angetreten.“ 1974 ist sie zur Milchvereinigung des Bezirks Magdeburg in den Bereich Landwirtschaft gewechselt.

„Mein damaliges Aufgabenspektrum? Alles vom Kuheuter bis zur Molkerei“, schmunzelt Magda Manns. „Aber im Ernst. Zu DDR-Zeiten war die Arbeit in der Milchwirtschaft ein hartes Brot. Auf Essen und Trinken wurde immer großer Wert gelegt. Fehlte etwas, wurde das Volk unruhig. Wir hatten ja kaum Kraftfutter, und wenn dann mal ein trockener Sommer kam ... Bei dem Job habe ich meine ersten grauen Haare bekommen.“

Nach der Wende ohne Job

Und dann kam die Wende. „Da war ich 47. Dass die Grenzen offen sind, habe ich erst am Morgen darauf erfahren, als ich um sechs aufgestanden bin. Mir sind die Tränen gekommen“, erinnert sich die Magdeburgerin, „ich dachte, dass ich die Nordsee und die Alpen nie sehen werde.“

Kurz nach dem Mauerfall hat sie ihre Sachen gepackt und ist gereist. Erst in die westdeutschen Städte, dann in die USA, nach Japan, Island, Kanada. Um nachzuholen, was vorher undenkbar war. 1990 verlor Magda Manns ihren Job. Weil, wie sie sagt, Milch in Tetrapaks aus dem Westen kam.

Ein Talent, Konflikte zu lösen

1991 eine glückliche Fügung: Im Referat Landwirtschaft und Umwelt in der Staatskanzlei wurde eine Landwirtin gesucht. Manns hat nicht nur den Job bekommen, sondern auch den Posten der Personalratsvorsitzenden. „Darauf bin ich besonders stolz. Ich wurde nämlich nicht bestellt, sondern von den Bediensteten gewählt – und zwar von Ossis und Wessis.“ Sie habe wohl einfach die richtige Tonart getroffen – und ein Talent, Konflikte zu lösen. „Das habe ich meinem Vater zu verdanken.“

Den richtigen Ton, den findet sie auch bei ihren Führungen durch die Staatskanzlei. Die Überlegung, das Haus für Führungen zu öffnen, kam von Rainer Robra, dem Dienststellenleiter und Europaminister. „Er hat mich gefragt, ob ich die Führungen übernehmen würde, schließlich hätte ich mein halbes Leben in der Staatskanzlei verbracht“, so die Rentnerin.

Im November 2008 dann die erste Führung. „Wir dachten, nach einem halben Jahr lässt das Interesse nach.“ Fehlanzeige. In diesem Monat führte sie zum 302. Mal durch das Palais am Fürstenwall. Die Führungen finden einmal im Monat statt – immer sonnabends und dann gleich zwei hintereinander.

Führung mit Magdeburger Dialekt

Das Publikum sei gemischt, es kämen auch zunehmend junge Menschen. Das freut die 73-Jährige besonders. „Ich erzähle frei von der Leber. Auch gerne mal mit Magdeburger Dialekt – den muss man ja nicht verstecken“, sagt Magda Manns mit ausgebreiteten Händen. Sie gestikuliert stark. Und oft. „Ich passe mich dem Publikum an, bringe mein persönliches Empfinden mit ein. So wird’s interessant. Bei mir schläft niemand ein.“

Ist die Gästeführerin nicht in der Staatskanzlei, dann geht sie gern ins Theater oder ins Kino, besucht Ausstellungen oder reist. Das macht sie allein, „da quatscht wenigstens keiner rein“, oder mit Freunden. „Ich bin alleinstehend, habe aber einen tollen Freundeskreis. Das ist so wichtig.“ Und dann muss Magda Manns auch schon weiter. Termine, Termine ...