Magdeburg l Die Parallelität der Ereignisse verwirrt. Im Dezember 2015 beschließt der Stadtrat auf Antrag der SPD die erneue Investorensuche für die Hyparschale per Ausschreibung. Zeitgleich findet ein Linke-Antrag Zustimmung, der den Oberbürgermeister beauftragt, umgehend Sicherungsarbeiten am Bauwerk vornehmen zu lassen. Lutz Trümper legt im Januar sein Veto gegen letzteren Beschluss ein und will das Ausschreibungsergebnis abwarten, bevor Geld aus der Stadtkasse ins baufällige Denkmal fließt. Der Stadtrat folgt dem Stadtoberhaupt und kassiert den Beschluss zum Linke-Antrag wieder ein.

In der vergangenen Woche legt die Fraktion CDU/FDP/BfM einen Antrag unter dem Titel „Sicherungsarbeiten Hyparschale Magdeburg“ vor und beantragt quasi die Aufhebung der Aufhebung des Votums zum Dezember-Antrag der Linken. Obendrein solle die Verwaltung „eine Nutzung des Objektes durch die Stadt Magdeburg oder deren Eigenbetriebe“ prüfen. Der Stadtrat vertagt die Debatte in die Ausschüsse; ein Entscheid steht aus. Parallel erscheint zuletzt am gestrigen Montag das Ausschreibungsinserat in der Volksstimme: Landeshauptstadt bietet Grundstück Hyparschale zum Verkauf.

OB Trümper: "Kaspertheater"

„Dieses Kaspertheater begreife ich selbst nicht mehr“, kommentiert Trümper auf Nachfrage den Antrag der Christdemokraten, verspricht eine saftige schriftliche Stellungnahme zur Sache und nimmt deren Inhalt voraus: „Das tun wir nicht!“ Heißt: Aktuell setzt die Verwaltung wieder alle Hoffnungen in privates Interesse an der Hallenrettung und -nutzung. Die Räte freilich haben auch das nicht öffentliche Gutachten vor Augen, das den baldigen Zusammenbruch der Halle prophezeit, wenn nicht umgehend gesichert wird und für die Sanierung rund vier Millionen Euro veranschlagt.

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Ein Magdeburger Immobilienbüro zeigt sich davon relativ unbeeindruckt. Die AOC Immonilien AG plant die Übernahme der Hyparschale und will Würfel zur Büronutzung ins Innere einbauen. Wie AOC-Vorstandsfrau Babette Schmidt gestern auf Nachfrage bestätigte, hat ihr Büro fristgemäß einen Förderantrag für sein Projekt eingereicht und will bei der Ausschreibung bieten. Um viel Geld wird es beim Hallenerwerb selbst kaum gehen; da ist die Stadt sogar zum Zuzahlen bereit. 1,7 Millionen Euro schießt die Stadt jenem für die Tragswerks- und Fassadensanierung bei, der ein schlüssiges Konzept zur Gesamtfinanzierung seines Vorhabens mit der Halle vorlegt. Am Nachweis über die Bezahlbarkeit ihrer Projekte scheiterten in den vergangenen Jahren alle Interessenten zum Beispiel für den Umbau zur Rollschuh- und Eislaufhalle. Banken verwehrten Kredite zumindest für die von der Stadt beauflagte Nutzung als öffentliche Veranstaltungshalle. Die vorgeschriebene Nutzung ist in der aktuellen Ausschreibung allerdings entfallen und nur noch die „denkmalgerechte Sanierung“ Bedingung.

Bis 21. März können Interessenten ihre Gebote nebst Nutzungs-, Betreiber- und Finanzierungskonzept beim Liegenschaftsservice der Stadtverwaltung einreichen. Scheitert auch diese Ausschreibungsrunde, verschlechtern sich die Chancen darauf, dass das Denkmal erhalten bleibt weiter. Gutachter befürchten Einsturz. Trümper bleibt gelassen: „Das hieß es schon vor zehn Jahren und die Halle steht noch.“