Magdeburg l Mit der Fällung einer Ulme und einer Platane an der Danzstraße, Ecke Breiter Weg, ist gestern begonnen worden. Damit wird nun wahr, was der Stadtrat im Juni 2015 beschlossen hatte: Die Bäume müssen neuen Bebauungsplänen im Domviertel weichen. Gegen die Fällung hatten nach dem Bekanntwerden der Pläne der Verwaltung Aktivisten aus der Domgemeinde protestiert und sich für den Erhalt der beiden gut 120 Jahre alten Bäume eingesetzt. Schon 1987 hatten sie die beiden „hölzernen Zeitzeugen“, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, vor der Fällung bewahrt. Fast 30 Jahre danach hatten sie keinen Erfolg.

Nachdem zunächst die Plattenbauten abgerissen worden waren, hat nun die Fällung der Bäume begonnen. Von der Ulme war gestern Abend nur noch ein Stumpf übrig. Der dicke Stamm lag auf der Seite daneben. Die Platane hingegen steht noch, doch auch ihre Tage sind gezählt.

Sämlinge sollen wachsen

Als Kompromiss hat die Stadtverwaltung aus den Samen der Ulme Sämlinge ziehen lassen, die als Nachkommen wieder das Stadtbild verschönern sollen. Aus dem Holz der gefällten Bäume sollen Kunstwerke geschaffen werden. Für Domprediger Giselher Quast ein schwacher Trost: „Es ist, als ob man die Männer in den Krieg schickt, weil man ja neue Kinder zeugen kann, während man den Gefallenen Denkmäler setzt. So wie jeder Mensch ist auch jeder Baum einmalig und unersetzbar.“

In einem offenen Brief beschreibt Quast den gestrigen Tag als Trauertag. „Wir werfen den Stadtplanern Magdeburgs vor, dass sie nicht in der Lage sind, Altes mit Neuem sinnvoll zu verbinden“, so Quast weiter. Magdeburg habe im Zweiten Weltkrieg das Gesicht einer geschlossenen Innenstadt verloren. Sowohl die sozialistische Magistralenbebauung als auch die Investorenarchitektur nach der Wende hätten der Innenstadt kein urbanes Flair zurückgegeben. Und: „Der Stolz Magdeburgs, drittgrünste Stadt Deutschlands zu sein, ist in der Innenstadt nicht mehr nachvollziehbar“, moniert er weiter.

Neben der Ulme und der Platane wird auch eine Reihe Kastanienbäume gefällt. Die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau), die Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke und die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft wollen in dem Bereich neue Wohnhäuser schaffen. Die Nachfrage nach Wohnraum im Domviertel sei groß.

Die Menschen, die sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt haben, hätten sich gewünscht, dass die Ulme und die Platane in diese Baupläne einbezogen worden wären.