Magdeburg l In Magdeburgs zweitgrößtem Bahnhof gehen die Lichter aus. Grund ist ein Streit zwischen dem Eigentümer des historischen Eingangsgebäudes, Stefan Euer, einem Tochterunternehmen der Bahn und dem Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa). Weil es mit notwendigen Entscheidungen nicht vorangeht, will Eigentümer Euer heute den Stecker ziehen und das Licht ausschalten. „Ich bin sauer. Dann ist es hier halt dunkel“, sagt er.

Ungefähr 2000 Reisende betreten täglich den Bahnhof Neustadt. Die historische Bahnhofshalle ist allerdings in einem beklagenswerten Zustand. Vor knapp zwei Jahren hatte Euer das Gebäude nach eigenen Angaben für 90.000 Euro von einem anderen Investor gekauft. Er will in der Bahnhofsvorhalle eine Taekwondo-Schule eröffnen. Außerdem seien zwei Wohnungen, ein Ticketverkauf und Sanitäranlagen geplant. Mehr als eine Million Euro will Euer dafür nach eigenen Aussagen investieren.

Doch momentan geht es nicht voran. „Bisher liegt dem Eigentümer keine Baugenehmigung vor, es fehlt auch noch eine Stellungnahme des Eisenbahn-Bundesamtes. Die Zukunft des Empfangsgebäudes ist unter anderem abhängig von der künftigen Lage der Bahnsteige und der Zuwegungen zu den Bahnsteigen“, sagt Wolfgang Ball von der Nasa. Beim Knotenumbau Magdeburgs werden sich nämlich auch die Gleislagen und damit auch die Bahnsteiglage am Bahnhof ändern. Derzeit würde hierzu die Vorplanung laufen, so Ball. Erst nach deren Abschluss in etwa einem Jahr könne über die Lage der Zuwegungen entschieden werden. Heißt im Umkehrschluss für Euer, der Zugang zu den Gleisen und zum Fahrkartenautomat in der Empfangshalle gewährleisten muss, dass er nicht anfangen kann mit bauen.

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Derzeit sind drei Varianten in Planung. Denkbar wäre ein Zugang aus dem Parkbereich zwischen der Straßenbahnhaltestelle und dem Empfangsgebäude, der Zugang durch das Empfangsgebäude oder der Neubau einer Zuwegung an der Brücke der Gröperstraße, die nach jetzigem Planungsstand erneuert werden soll, heißt es von der Nasa. Laut der DB Netz AG als Bauherr sei ein Bau in den Jahren 2023 bis 2025 zum heutigen Zeitpunkt realistisch. Für Investor Euer sei das viel zu spät.

Am Mittwoch hatte es nun einen Vor-Ort-Termin gegeben, bei dem auch Oberbürgermeister Lutz Trümper dabei war. Der zeigte sich auf Nachfrage der Volksstimme sichtlich verstimmt. „Ich bin erschüttert. Es war völlig irrsinnig von der Bahn, das Gebäude überhaupt zu verkaufen“, sagte er. Die beste Lösung sei, wenn die Bahn das Gebäude zurückkaufen würde. „Wir als Stadt haben keinerlei Aktie daran, was mit diesem schönen Gebäude passiert“, sagte Trümper.