Magdeburg l Zu eng, zu dunkel, unübersichtlich und teuer – so mancher Kraftfahrer meidet Parkhäuser oder Tiefgaragen noch immer wie der Teufel das Weihwasser. Doch die meisten Großgaragen sind besser als ihr Ruf. Das zeigte sich auch in Magdeburg. Vier nahmen die Tester des Autoclubs unter den Aspekten Sicherheit, Befahrbarkeit, Benutzerfreundlichkeit und Tarif unter die Lupe. Mit einem soliden Ergebnis in Magdeburg. Und der Erkenntnis: Die ganz neuen Parkhäuser sind nicht immer auch die Besten. Das 18 Jahre alte Parkhaus im Allee-Center war mit einem „gut“ Testsieger vor seinen Pendants in der Bärstraße („gut“/ Baujahr 2008), am Ulrichshaus („durchschnittlich“/Baujahr 1998) und im Marietta-Quartier („durchschnittlich“/BJ 2007).

Tarifgestaltung bemängelt

Bemängelt haben die Tester beim Allee-Center und in der Bärstraße vor allem die Tarifgestaltung: Hier wird nur im Stundentakt abgerechnet. Eine bargeldlose Bezahlung ist nicht möglich. Andererseits ist der Preis für die erste Stunde mit 30 bzw. 50 Cent im Vergleich sehr günstig. Für gut befunden wurden bei beiden der bauliche Zustand, die deutliche Beschilderung und Bodenmarkierung, breite Rampen, fehlende Pfeiler und die insgesamt gute Übersicht. Während das Allee-Center zusätzlich über ein dynamisches Parkleitsystem und eine Videokontrolle sensibler Bereiche verfügt, sind die Parkplätze in der Bärstraße mit 2,50 Meter besonders breit. Vorgeschrieben sind nur 2,30 Meter und so auch in vielen älteren Parkhäusern zu finden. Bei den immer größeren Autos inzwischen ein wachsendes Problem.

Nachteil in der Bärstraße: Fahrgassen und Stellplätze seien dort schlecht beleuchtet und keine Fußwege markiert.

Wie von Geisterhand

Mit der Note „durchschnittlich“ etwas schlechter bewertet wurden die Parkhäuser im Marietta-Quartier und Ulrichshaus. Ein Grund war nach Ansicht der Tester der mit 2 Euro recht hohe Preis für die erste Stunde. Auch bargeldloses Zahlen war nicht möglich. Bei beiden Testkandidaten sind die Behinderten-Parkplätze nicht barrierefrei zu erreichen. Viele Pfeiler erschweren das Ein- oder Ausparken. Das Marietta- Quartier ist zum Teil schlecht beleuchtet und es sind keine Fußwege markiert. Positiv fiel u. a. die Übersichtlichkeit, deutliche Beschilderung und Bodenmarkierung auf. Beim Ulrichshaus wurden bauliche Mängel und die teilweise viel zu schmalen Rampen mit noch dazu scharfen Kanten beanstandet. „Glänzen konnte das Parkhaus mit einem dynamischen Parkleitsystem, besonders breiten Parkplätzen und einer Videokontrolle der sensiblen Bereiche“, heißt es im ADAC-Bericht.

Nachbesserungsbedarf

Testsieger Allee-Center freut sich über das gute Abschneiden, zumal ein „sehr gut“ an keinen einzigen Kandidaten vergeben wurde. „Wir sind stolz auf unser Ergebnis“, so Centermanagerin Margaret Stange-Gläsener. Und die Mängel? Abrechnung im Stundentakt sowie fehlendes bargeldloses Zahlen? Nachbesserungsbedarf sieht Stange-Gläsener durchaus. Eine Umrüstung sei allerdings äußerst aufwändig. „Unser Unternehmen ist aber extrem an mehr Benutzerfreundlichkeit interessiert“, sagte sie gestern. So laufen an anderen Standorten schon Tests mit der RFID-Technologie, die ein automatisches und berührungsloses Identifizieren der Autos ermöglicht. „Die Schranke öffnet sich wie von Geisterhand, auch die Abrechnung läuft automatisch“, so die Centermanagerin. Für Magdeburg allerdings im Moment (noch) Zukunftsmusik.

Ärger um Test

Für Verärgerung sorgte der ADAC-Test derweil bei Parkhäusern, die sich nicht beteiligen wollten. Der Club hatte vorab bei Betreibern von 50 weiteren Parkhäusern um Einverständnis gefragt, sie hatten jedoch abgelehnt und tauchen jetzt auf einer Verweigerer-Liste im Internet auf. Die Teilnahme sei freiwillig, argumentiert Detlef Dahms, Geschäftsführer des Ratwaage-Hotels Magdeburg, das abgelehnt hatte. „Wir haben bei den sich wiederholenden ADAC-Parkhaustests dieses Mal auf eine Teilnahme verzichtet“, so Dahms. Ähnlich sah es das Maritim-Hotel, lehnte gleichfalls ab. Maritim-Direktorin Andrea Imwalle, wie auch Ratswaagechef Dahms wehrten sich gegen den Vorwurf, man habe dem ADAC mit Strafanzeige oder Verboten gedroht. Das stimme nicht.

Die Tiefgarage City-Carré blieb beim ADAC-Test ebenfalls außen vor. Betreiber Conti hatte für alle seine Standorte abgelehnt. Begründung: Der ADAC-Test sei fragwürdig. So könne man nicht alte mit neuen Parkhäusern vergleichen.