Magdeburg l Nein, die Geduld der Bewohner ist aufgebraucht. Seit Monaten schon kämpfen sie mit den Nagern, die beispielsweise im Kroatenweg 29 in Magdeburg gesichtet wurden. „Auf der Rasenfläche vor unserem Block haben die Tiere metertiefe Löcher gegraben, die mittlerweile gefährliche Stolperfallen sind. Die Löcher werden von Zeit zu Zeit von uns Bewohnern verfüllt, doch das stört die Ratten nicht – sie bahnen sich ihren Weg“, macht sich eine Anwohnerin gegenüber der Volksstimme Luft.

Vermieter des Wohnblocks ist die Wohnungsbaugenossenschaft Magdeburg-Stadtfeld. „Das Problem ist bekannt, doch es ist hartnäckig und ein wenig kompliziert“, so Vorstand Jens Schneider. In den Jahren 2015 seien 1600 Euro und 2016 1800 Euro allein für die Rattenbekämpfung am Standort etwa für das Auslegen von Köderboxen ausgegeben worden. Ungewöhnlich hoch für nur einen einzelnen Wohnblock.

Köderboxen helfen nicht

Gebracht hat es allerdings nichts. „Denn dadurch ist die Ursache nicht behoben worden“, verweist Stadtfelder-Vorstand Frank Rückriem. Die scheint eine Leitung zu sein, die unterhalb eines Grünstreifens verläuft, der sich in städtischem Eigentum befindet. Nun liegt die Vermutung nahe, dass diese Abwasserleitung beschädigt ist und sich die Ratten von dort aus den Weg bahnen. Schäden könnten beispielsweise durch Wurzelwerk der Baumreihe entstanden sein, die sich auf der Rasenfläche befindet.

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Bei der Beantwortung der Frage, wem die Leitung zuzuordnen ist, um weitergehenden Schritte einzuleiten, wird es kompliziert: Die Stadtfelder verweisen auf die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) – und die wiederum auf die Stadtfelder. „Auf dem städtischen Grundstück verläuft ein Abwasserkanal, der zur Entwässerung des Wohnkomplexes Kroatenweg 24-27 dient“, so SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg auf Nachfrage.

Zuständigkeit für Kanal unklar

Dieser Kanal befinde sich nicht in Zuständigkeit der Abwassergesellschaft Magdeburg mbH und somit auch nicht in der Betriebsführung der Städtischen Werke. Man habe bereits vor einem Jahr in Bezug auf den Rattenbefall darauf hingewiesen, dass diese Abwasserleitung durch den Grundstückseigentümer zu betreiben sei „und Rattenbekämpfungsmaßnahmen zeitgleich zu den SWM-Maßnahmen parallel durch die WBG Stadtfeld durchgeführt werden sollten“.

Ein gemeinsamer Termin der WBG, von Vertretern der Abwasserversorgung der SWM und des Gesundheitsamtes brachte keinen Durchbruch. Die Aktionsbereitschaft der SWM halte sich in Grenzen, so Jens Schneider. „Obwohl auch wir nicht einfach und automatisch Eigentümer einer Leitung im öffentlichen Bereich werden können, wollen wir die Sache im Interesse unserer Bewohner weiter anschieben.“ Mit Zustimmung der Städtischen Werke veranlasst die Genossenschaft „auf unsere Kosten in den nächsten zwei Wochen eine Kamerabefahrung und damit verbunden eine Analyse der Abwasserleitung“. Sobald die Ergebnisse vorliegen, wolle man sich mit den SWM und der Stadt in Verbindung setzen.

Die gute Nachricht für die Bewohner: Eine neue Verfüllung der Löcher hält bislang stand.