Magdeburg l Der Magdeburger Albinmüllerturm gilt im wahrsten Sinne des Wortes als ein Höhepunkt des Neuen Bauens der 1920er Jahre. Doch von dem Café, das Architekt Albin Müller hier vorgesehen hatte, ist nichts zu sehen. Nach der Wende geschlossen steht der Raum in der Konstruktion aus Glas und Stahl nach wie vor leer.

Mitglieder des Kulturausschusses haben in ihrer Septembersitzung dem Raum einen Besuch abgestattet – und zeigten kein Verständnis dafür, dass der historische Raum ungenutzt ist. Ausschussvorsitzender Oliver Müller (Die Linke) sagt: „Nach einem Arbeitsbesuch an dieser Stelle hatte unser Ausschuss vor zwei Jahren einen Antrag an den Stadtrat auf den Weg gebracht, dass hier wieder Leben einziehen soll.“ Der Stadtrat Magdeburg hatte dieses Ansinnen unterstützt.

Magdeburger wollen Raum nutzen

Sicher: Es ging in dem Antrag nur um eine Prüfung, wie der Raum wieder nutzbar gemacht werden könnte. Und eine Prüfung ist von der Konsequenz her zunächst ein zahnloser Tiger. „Doch dass seitdem gar nichts in dem Sinne passiert ist, ist doch ein deutliches Zeichen dafür, dass das Thema nicht ernst genommen wird“, sagt Bündnisgrünen-Stadtrat Sören Herbst während des Besuchs. Ratskollegin Carola Schumann von der FDP bringt diese Kritik auf den Punkt: „Wo kein Wille ist, ist kein Weg. Und wo ein Wille ist, da gibt es eine Lösung.“

Besuch im Magdeburger Albinmüllerturm

Magdeburg (ri) l Der Magdeburger Albinmüller-Turm wurde in den Jahren 1926 und 1927 nach einem Entwurf des Architekten Albin Müller auf dem Gelände der Deutschen Theaterausstellung Magdeburg im Jahr 1927 gebaut. Das Gebäude ist 60 Meter hoch und gilt als bedeutendes Wahrzeichen des Neuen Bauens. Von Beginn an war in dem Aufbau des Turms ein Café untergebracht, das aber seit Jahren geschlossen ist.

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Hier ein Blick auf den Aufbau des Turms, in dem sich das Café befindet. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Hier ein Blick auf den Aufb...

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Blick durch einen Glasbaustein auf den Magdeburger Dom. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Blick durch einen Glasbaust...

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Blick durch einen Glasbaustein auf die Johanniskirche. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Blick durch einen Glasbaust...

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. als Engestelle gilt nicht zuletzt dieser Aufgang. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. als Engestelle gilt nicht z...

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Das Turmrestaurant im Aussichtsturm im Stadtpark. Die hier abgedruckte Ausstellungspostkarte von der Theaterausstellung 1927 zeigt das Turmrestaurant in seiner einstigen Schönheit. Es soll aber vorerst nicht restauriert werden.     Foto: Archiv Schmietendorf

    Das Turmrestaurant im Aussichtsturm im Stadtpark. Die hier abgedruckte Ausstellungspostkarte von ...

  • Im Katalog der Maramm-Ausstellung in Magdeburg befindet sich ein Foto von Hans-Wulf Kunze, auf dem ein von Albinmüllerturm für das Café angefertigtes Seektservice abgebildet ist. Foto: Hans-Wulf Kunze/Martin Rieß

    Im Katalog der Maramm-Ausstellung in Magdeburg befindet sich ein Foto von Hans-Wulf Kunze, auf de...

  • Ins rechte Licht gerückt: Zum Ensemble aus von Albinmüllerturm, Pferdetor und Stadthalle gehören zwei Lichtstelen auf der Fläche zwischen diesen Bauwerken der Bauhausepoche. Hier ein Bild vom Abend, als die Lichtstelen wieder in Betrieb genommen wurden. Foto: Martin Rieß

    Ins rechte Licht gerückt: Zum Ensemble aus von Albinmüllerturm, Pferdetor und Stadthall...

  • Eingangsbereich des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Eingangsbereich des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Magdeburger Jungfrau am Albinmüllerturm. Foto: Martin Rieß

    Magdeburger Jungfrau am Albinmüllerturm. Foto: Martin Rieß

  • Treppenhaus des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Treppenhaus des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

  • Blick vom Magdeburger Albinmüllerturm über die Stadthalle zum Dom. Foto: Martin Rieß

    Blick vom Magdeburger Albinmüllerturm über die Stadthalle zum Dom. Foto: Martin Rieß

  • Blick vom Albinmüllerturm über den Adolf-Mittag-See und den Stadtpark. Foto: Martin Rieß

    Blick vom Albinmüllerturm über den Adolf-Mittag-See und den Stadtpark. Foto: Martin Rie...

  • Mitglieder des Kulturausschusses beim Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmüllerturms. Foto: Martin Rieß

    Mitglieder des Kulturausschusses beim Besuch im ehemaligen Café des Magdeburger Albinmü...

Als symptomatisch für das Desinteresse der Verwaltung und des Betreibers machen die Stadträte auch die für Besucher nutzbaren Bereiche aus: Es gibt keine Erläuterungen zu dem Turm, zu seinem Architekten und der Deutschen Theaterausstellung 1927, zu der das Gebäude errichtet wurde. Die Stadträte finden nicht einmal einen kleinen Hinweis auf Albinmüller. Dafür eine Hausordnung – nicht mehr als 50 Personen dürfen gleichzeitig auf den Turm – und ein Plakat mit Werbung für den Elbauenpark.

Gastronomie nicht wirtschaftlich

Klar ist sicher, dass ein Café, wie es in den 1920er Jahren nach den Plänen des Architekten und Gestalters Albinmüller geschaffen worden war, ist heute kaum noch denkbar. Eine Gastronomie auf der kleinen Fläche zu betreiben, wäre kaum wirtschaftlich machbar.

Und auch in Sachen Brandschutz, der für Gaststätten und Restaurants gilt, ist der Raum auf der Spitze des Turms schlecht ausgestattet. Es gibt beispielsweise nur eine enge Treppe und keinen zweiten Fluchtweg. Und um einen solchen oder Barrierefreiheit zu schaffen, wären Veränderungen an dem Bauwerk erforderlich, die mit den Vorgaben des Denkmalschutzes kaum zu vereinbaren wären.

Blick auf Magdeburger Kultur legen

Auf der anderen Seite sieht beispielsweise Sören Herbst das noch längst nicht als ausreichenden Grund, den Raum für die Magdeburger und ihre Gäste nicht wieder zugänglich zu machen. „Zum Beispiel sollten doch für private Feiern andere Voraussetzungen gelten als für den Betrieb einer Gaststätte. Wir sollten in diese Richtung und auch mit dem Blick auf Kultur überlegen, was aus dem Raum gemacht werden kann.“

Ohne Zweifel darf man davon ausgehen, dass auch an einer solchen Nutzung abseits des klassischen Turmcafés viele Menschen interessiert wären. Immerhin bietet sich von dem Turm aus ein unvergleichlicher Blick auf die Elbseite der Magdeburger Altstadt und auch über den Rotehornpark als grüne Lunge der Landeshauptstadt.

Politisches Statement setzen

Kann man diesen Arbeitsausflug als politisches Statement betrachten? „Aber sicher“, sagt der Kulturausschussvorsitzende Oliver Müller. „Gemeinsam haben wir uns im Kulturausschuss bei unserem Besuch im ehemaligen Turmcafé darauf geeinigt, gemeinsam einen Antrag für die Stadtverwaltung vorzubereiten.“ Inhalt: Die Wiedernutzbarmachung der Räume für die Öffentlichkeit.