Beschilderung am Zaun der ehemaligen Deponie am Elbauenpark sorgt für Diskussionen

Angst vor Metalldieben: Solarpark warnt vor Schusswaffen-Gebrauch

Von Matthias Fricke

Die Angst vor Buntmetalldieben lässt Investoren zu immer drastischeren Schutzmaßnahmen greifen. Aktuelles Beispiel ist die Baustelle für den Solarpark auf der Deponie am Elbauenpark. Hier lagert Material mit Millionenwerten und wird deshalb fast so bewacht wie das "Fort Knox" - das Golddepot der USA: Der Sicherheitsdienst trägt scharfe Waffen. Um das Gelände herum sind Schilder angebracht: "Vorsicht, Schusswaffengebrauch!" Das gibt es so an keiner anderen Baustelle der Stadt.

Herrenkrug. Gerhard Enderling überkommt ein ungutes Gefühl, wenn er an der Zufahrt zum Wertstoffhandel direkt am ehemaligen Deponieberg Cracauer Anger vorbeikommt. "Anscheinend wird es ab der Toreinfahrt lebensgefährlich", meint der Volksstimme-Leser. An zahlreichen Schildern am Zaun steht "Vorsicht Schusswaffengebrauch!" und das auch in englischer Sprache. Gerhard Enderling: "Mitten in unserer Stadt wird offiziell mit Waffeneinsatz gedroht. Das finde ich total überzogen imageschädigend in Verbindung mit alternativen Energien und für Magdeburg."

"Mitarbeiter speziell geschult"

Auch die Polizei zeigte sich aufgrund der "Beschilderung" zunächst etwas irritiert und schickte einen Funkstreifenwagen zur Kontrolle in den künftigen Solarpark an der Berliner Chaussee. Am Ende der Überprüfungen stellte sich aber heraus, dass alles rechtmäßig sei.

Polizeisprecher Andreas von Koß erklärt: "Wir haben bereits in den vergangenen Tagen aufgrund von Bürgerhinweisen uns mit unserer Waffenbehörde in Verbindung gesetzt. Dort stellte sich heraus, dass die Betreibergesellschaft des Solarparks einen speziellen Wachdienst eingestellt hat, der auch mit Schusswaffen ausgerüstet ist. Die Mitarbeiter haben eine entsprechende Waffenbesitzkarte und auch einen Waffenschein. Sie sind deshalb auch speziell geschult und kontrolliert."

Sicherheitsunternehmen, die über solche Mitarbeiter verfügen, werden im Regelfall für Geldtransporte eingesetzt. Aus Kostengründen ist dies für den herkömmlichen privaten Wachschutz unüblich. Selbst der Wachdienst, der seit Jahren die Polizeidirektion in der Sternstraße überwacht, verfügt über keine Waffen.

Allerdings, so schränkt Polizeisprecher Andreas von Koß ein, dürfen die Mitarbeiter des Wachdienstes ihre Schusswaffen nur auf dem umzäunten Gelände des Solarparks tragen. Keineswegs darf freilich auf Personen geschossen werden, auch wenn sie sich möglicherweise zu Unrecht auf dem Gelände bewegen.

Unternehmen will "Diebstähle" verhindern

Der "Schusswaffengebrauch", wie er auf dem Schild angekündigt wird, darf nämlich nur im Fall der Notwehr erfolgen. Und auch nur dann, wenn der Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens keine andere Möglichkeit hat, sich dem Angriff auf seine Person zu entziehen. Für den Wachdienst gelte, wie in allen anderen Fällen auch, das sogenannte Jedermannsrecht. Wenn eine Straftat vorliegt, können Bürger einen Täter bis zum Eintreffen der Polizei auch mit körperlicher Gewalt (aber auch nicht überzogen) festhalten und gegebenenfalls auch von der "Notwehr" Gebrauch machen.

Was die Schilder selbst betreffe, seien diese nicht als rechtswidrig anzusehen, so von Koß. Etwas anderes sei es, wenn auf dem Schild zum Beispiel stehen würde "Wer das Gelände betritt, wird erschossen." Dann würde eine Bedrohung vorliegen, was in diesem Fall aber nicht so ist.

Die Schilder sollen in erster Linie potenzielle Diebe abschrecken, meint Katja Popp, Pressebeauftragte von der WSB Neue Energien GmbH aus Dresden. Sie erklärt weiter: "Wir errichten gegenwärtig den Solarpark in Magdeburg. Als Bestandteil der Absicherung dieser Baustelle und zur Sicherung des Eigentums haben wir ein professionelles Sicherheitsunternehmen beauftragt. Zum eigenen Schutz verfügt der Wachschutz auch über Mittel zur Selbstverteidigung. Die Wachschutzmaßnahmen sind aber mit den örtlichen Polizeibehörden abgestimmt." Der Umstand, dass es in der Vergangenheit auf der Baustelle bereits vereinzelt zu Diebstählen und Einbrüchen gekommen sei, veranlasste das Unternehmen zu den "aktuellen Maßnahmen".

Erst am vergangenen Wochenende war ein 27-jähriger Buntmetalldieb vom Wachschutz überrascht worden, der sich bereits Kabel zum Abtransport bereitgelegt hatte. Der Mann konnte zwar flüchten, überschlug sich dann aber mit seinem Auto in der Jerichower Straße. Er wurde unverletzt von der Polizei festgenommen.