Magdeburg l „Ich wusste nichts von dieser Anordnung und habe sofort eine Änderung veranlasst“, sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Die Volksstimme hatte im Magdeburger Rathaus nachgefragt, warum der schon 1959 eingeweihte Brunnen in zentraler Citylage bereits ausgeplätschert hat, wenn auf den Gaststätten-Terrassen im Umfeld eben erst Leben einzieht.

Die Rathauspressestelle gab Beschwerden von Anwohnern zu Protokoll, die sich „massiv gestört“ fühlten vom Plätschern nach 20 Uhr.

Magdeburger empört

Die Reaktionen von Volksstimme-Lesern, Kommunalpolitikern, Geschäftsleuten der Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt fielen gleichlautend empört bis fassungslos aus. „Wenn die Stadtverwaltung ohne Not einer handvoll Nörglern nachgibt, so zeugt das weder von Souveränität noch von Fingerspitzengefühl“, sagt IG-Innenstadt-Sprecher Arno Frommhagen und fordert namens der Interessengemeinschaft einen Sommer-Brunnenbetrieb bis mindestens 22 Uhr in der Innenstadt, am Domplatz sogar bis 23 Uhr. „Oder wohnen da auch zwei, drei Anwohner, denen das fröhliche Plätschern auf die Nerven geht?“

FDP-Stadträtin Carola Schumann („fassungslos“) kündigte umgehend eine Ratsanfrage zur Sache an, Grünen-Politiker Jürgen Canehl die Befassung des Gartenbetriebsausschusses. Ziel: Brunnenbetrieb bis 22 Uhr. Den Initiativen kam das Stadtoberhaupt mit seiner Ansage zuvor. „Ich habe den Gartenbetrieb angewiesen, den Brunnen am Ulrichplatz umgehend bis 22 Uhr zu betreiben“, sagt Trümper und schüttelt selbst energisch den Kopf über die Abschaltung aus Lärmschutzgründen.

Panne am Domplatz Magdeburg

Auch am Domplatz in Magdeburg soll der Brunnen mit Trümpers Segen bis 22 Uhr plätschern – am Wochenende und auch am Montagvormittag plätscherte dort allerdings gar nichts. Auf Nachfrage erklärt Rathaussprecher Michael Reif dann am Nachmittag: „Die Wasser-Licht-Skulptur sprudelt wieder! Sie wurde am Mittag repariert, hatte einen technischen Defekt und konnte deshalb am Wochenende nicht in Betrieb gehen.“

Der zuständige Stadtgartenbetrieb habe umgehend Kontakt mit dem Hersteller der Anlage aufgenommen. Noch fehle ein wichtiges Ersatzteil für den dauerhaften Weiterbetrieb. Dennoch sei der Brunnen vorerst wieder in Betrieb. „Wir bedauern, dass ein Defekt auftrat“, so Reif.

Hoher Wasserverlust am Brunnen

Ebenfalls abgeschaltet hat sich am Wochenende das Wasserspiel rund ums Fahnenmonument am Elbufer. Reif erklärt dies erneut mit dem enormen Wasserverlust (bis zu 10.000 Liter pro Wochenende) durch planschende Kinder. Die Notabschaltung solle verhindern, dass nachlaufendes Wasser den Platz überschwemmt. Die Folgen einer „zweckentfremdeten Nutzung des Brunnens als Schwimmbecken“ sollen abgemildert werden. Ein stetes Nachpumpen erhöhe zudem den Wasserverbrauch und damit die Betriebskosten.