Magdeburg l Wie alt genau der bislang unbekannte Raum ist, könne bisher niemand sagen, sagt Pater Clemens vom Prämonstratenserorden. Auf eines hätten sich die Archäologen aber dennoch bereits festgelegt. „Es ist das älteste erhaltene romanische Stadtmauerbauwerk“, sagt er.

Aus dem 12. Jahrhundert soll der historische Raum mit seiner Gewölbedecke stammen. Entdeckt worden war er bereits 2019 bei den Arbeiten für das neue Kloster in Magdeburg, das zwischen Petri- und Wallonerkirche gebaut werden soll. Dass das noch längst nicht soweit ist wie geplant, liegt an der „romanischen Stube“, so der Arbeitstitel der Entdeckung.

Magdeburgisch denken

Denn im Gespräch mit dem Landesdenkmalamt habe man entschieden, dass sie erhalten werden soll. Deshalb waren umfangreiche Umplanungen notwendig. „Wenn man schon so etwas findet, sollte man doch auch ein bisschen magdeburgisch denken“, sagt der Pater. Das honoriert das Land auch, indem es die Maßnahmen zum Erhalt des Bauwerks mit 60 Prozent der Kosten unterstützt. „Da hat aber noch keiner geahnt, wie kompliziert es wird“, ergänzt er.

Bilder

Im Raum selbst habe es kaum etwas zu entdecken gegeben. Er war vermutlich im 17. Jahrhundert überbaut worden und seitdem war niemand mehr darin gewesen, sagt der Ordensleiter. Bis das Baufahrzeug durch die Decke bohrte. Erst im Inneren wurde dann die Tür entdeckt, die von außen vom Mauerwerk verdeckt war.

Der Raum war unmittelbar an die damalige Stadtmauer gebaut worden. „Vielleicht war er Teil eines Turms“, meint Pater Clemens. Weil es keine Karten oder Abbildungen aus dieser Zeit gibt, ist das alles Spekulation. Aufgrund der Bauart der Mauern sei der Raum aber nicht nur ein Stall gewesen, sind sich die Archäologen zumindest sicher.

Raum in Klosterneubau integrieren

Er soll nun in den Klosterneubau integriert werden. In Höhe der künftigen Tiefgarage wird er zu finden sein. Weil sein Eingang unmittelbar an den ehemaligen Lutherturm angrenzt, kann er auch wieder zugänglich gemacht werden. Dazu wird derzeit die barocke Stadtmauer abgetragen, die den Turmfuß umgibt. „Es war eine Abwägung. Aber weil die Mauer jünger und somit weniger bedeutsam ist, wurde entschieden, sie für die ‚romanische Stube‘ zu opfern“, erklärt der Pater.

Vier Personen dürfen später offiziell rein, acht hätten durchaus Platz, sagt er. Für Führungen oder ähnliches könnte er dann hin und wieder genutzt werden. Eine dauerhafte Nutzung sei aber nicht geplant.

Dass die Entdeckung bislang noch nicht größer bekannt gemacht wurde, sei auch ein Corona-Problem. Der archäologische Bericht werde dadurch erst demnächst fertig, sagt Pater Clemens. Dann werden die Ergebnisse auch öffentlich vorgestellt.