Magdeburg l Ein kleiner Schritt ist es mit Blick auf das gesamte Projekt, doch für die Initiatoren ist es ein großer, gewichtiger: Erstmals konnten die Mitglieder des Fördervereins „Projekt Silberschlag“ in Magdeburg einen virtuellen Rundgang durch ihr geplantes neues Astrophysikalisches Zentrum am nördlichen Ende des Kleinen Cracauer Angers unternehmen. „Film ab!“ hieß es für die Visualisierung des über Spenden finanzierten 3-D-Videos am Freitag im Elbedome des Fraunhofer IFF im Wissenschaftshafen.

Zweieinhalb Minuten animierter Rundgang, der neugierig macht auf mehr: kurzer „Anflug“ über den Elbauenpark auf den Neubau. Das Hauptgebäude trägt eine Kugel in sich, die über das Dach hinaus lugt; hier bekommt das Auditorium seinen Platz – mit Projektionsflächen über den Köpfen für faszinierende Bilder vom Sternenhimmel oder zu Fachthemen. Doch zunächst erreicht der Besucher das großzügig gestaltete Foyer und ist sogleich mittendrin in der neuen Erlebnislandschaft. Ähnlich dem Wolfsburger „Phaeno“ sind kleine und große Besucher zum Entdecken und Experimentieren eingeladen; etwa zu den Themen Licht oder zur Verformung des Raums durch Gravitation.

Drei Teleskope für Himmelsbeobachtungen

Eine barrierefreie Rampe führt hinauf in zwei weitere Ebenen mit dem Auditorium, Konferenz- und Laborräumen (etwa für Schulklassen) sowie auf die Dachterrasse. Hier werden drei Teleskope für spezielle Himmelsbeobachtungen, unter anderem der Sonne, aufgebaut. Ein zweites Gebäude, der Kuppelturm, wird schließlich zur „Himmelsleiter“ des neuen Zentrums. Hier bekommt das internetfähige 100 Zentimeter-Hochleistungs-Spiegelteleskop seinen Platz. Das Superauge erlaubt sogar einen Blick auf Milliarden Lichtjahre entfernte Objekte. Weltall, Raumfahrt und generell die Wissenschaften: „Wir wollen Besucher aller Altersgruppen begeistern, sie vom Staunen zum Forschen bringen“, sagt Vereinschef Berndt Döring zum Gesamtprojekt.

Bilder

Die klassische 3-D-Animation in hochauflösendem 4 K hat der Magdeburger Stefan Haberkorn von „Visualimpression“ nach den Entwürfen von Duong + Schrader angefertigt. Zweieinhalb Minuten, die aber schon mal Lust machen sollen auf den letzten, großen Schritt - die praktische Realisierung des Projekts, das rund 15 Millionen Euro beansprucht. Das 3-D-Video und eine qualifizierte Broschüre liegen nun neben den Entwürfen vor. Beides ist für die Suche nach Investoren und Sponsoren gedacht.

Deutschlandweit, denn klar ist, dass Interessenten für ein solches Projekt nicht unbedingt vor der Haustür warten. „Wir sind aber guter Dinge, dass unser Konzept überzeugt“, sagt Vereinschef Berndt Döring. Und es vor allem zahlungswillige Investoren begeistert. So wie die Vereinsmitglieder von Anfang an. „Der Neubau wird für die mitteldeutsche Region einzigartig und ein Aushängeschild für Magdeburg“, verspricht Vereinsvorstand René Neumann.

Baustart könnte 2022 sein

Die Suche nach Sponsoren, die Akquise von Fördermitteln und die Gründung einer Betreibergesellschaft stehen für nächstes Jahr an. Wenn alles klappt, könnte Ende 2022 Baustart und 2025 (wenn Magdeburg vielleicht Kulturhauptstadt ist) Eröffnung sein.

Das Areal auf dem Kleinen Anger ist jedenfalls erst mal für den Verein und sein großes Ziel reserviert – den Griff nach den Sternen.