Volksstimme testet, auf welcher Baustellen wirklich gebaut wird

Auf Tangente und Westring stehen Bagger und Schaufeln still

Von Robert Richter

Magdeburg. Die Straße ist dicht, doch weit und breit kein Bauarbeiter zu sehen. Autofahrer ärgerten sich in den vergangenen Tagen arg über solche Szenen, weil zahlreiche Straßensperrungen ohnehin vielerorts für Staus und Zuckeltempo sorgen. Die Volksstimme machte am Freitag den Test: Wo wird wirklich gebaut - und wo nicht?

Freitag um eins macht jeder seins. Doch auch gestern Morgen gegen 9.30 Uhr ist auf der zur Hälfte gesperrten Westringbrücke außer den Sperrbaken nichts vom großen Brückenbau zu sehen. So war es allerdings schon die ganze Woche, berichteten Volksstimme-Leser.

Tiefbauamtschef Thorsten Gebhardt räumte auf Volksstimme-Nachfrage ein: "Ein Schweißerbetrieb als Nachauftragnehmer ist abgesprungen. Die Neufindung ist etwas problematisch." Die notwendigen Bauteile seien schon vor Ort, könnten aber noch nicht eingebaut werden, "weil der neue Schweißerfachbetrieb zusätzliche, nicht eingeplante Vorbereitungsarbeiten vornehmen" müsse. Am Fertigstellungstermin Mitte Juni halte das Tiefbauamt weiter fest.

Bauarbeiten am Ring ruhen

Auch auf der Großbaustelle Magdeburger Ring in Höhe Halberstädter Straße standen gestern Vormittag alle Maschinen still. Den Vorsitzenden der Magdeburger Taxigenossenschaft Wolfgang Bahls brachte das regelrecht in Rage: "Da tut sich rein gar nichts, ich bin stinksauer", schimpfte er.

Bahls hatte in dieser Woche in der Volksstimme bereits über den geballten Straßenbau geklagt: "Wir sind nur noch genervt, stehenstständig im Stau. Man weiß kaum noch, wo man langfahren soll." Schwester Andrea Bublitz, Leiterin des Mobilen Pflegedienstes des DRK, hatte von Zusatzschichten berichtet: "Wir müssen pro Schicht eine zusätzliche Kraft einsetzen, um alle Patienten pünktlich versorgen zu können."

Kritik am Tiefbauamt

Verlassene Baustellen wie am Westring sorgen für die Extraportion Autofahrerfrust. "Das Verkehrschaos wird von Tag zu Tag prekärer und führt zu Umsatzausfällen. Statt eine Baustelle nach der anderen abzuarbeiten, erscheint die Ausweisung immer neuer Umleitungen völlig unkoordiniert zu erfolgen", kritisierte Arno Frommhagen, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt. Er spricht von "Chaos im Tiefbauamt": "Wir haben zu allem Übel den Eindruck, dass auf den Baustellen nur im Schneckentempo gearbeitet wird: Spät- oder gar Nachtschichten auf dem Ring scheinen ja aus der Mode gekommen zu sein. Selbst am Tage sieht man eher sporadisch Menschen mit einem Spaten."

Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt zu der massiven Kritik: "Wöchentlich findet im Baudezernat eine Sperrkommissionssitzung mit Vertretern der MVB, der Polizei, des Tiefbauamtes und der Straßenverkehrsbehörde statt. Leider ist es nicht immer möglich, alle Baustellen vollumfänglich aufeinander abzustimmen, zum Beispiel wegen Havarien oder aus finanziellen Gründen. Auch Schichtarbeiten können nicht generell angeordnet werden. Wir sind bemüht, die laufenden Baumaßnahmen schnellstmöglich zu beenden und die Verkehrsbeeinträchtigungen zu verringern."

Dennoch zieht vor allem die Ringbaustelle in Höhe Halberstädter Straße den Ärger der Autofahrer auf sich, weil dort seit Tagen keine Bauleute zu sehen waren. Das Bauunternehmen äußerte sich auf Volksstimme-Anfrage nicht.

Der Tiefbauamtsleiter erklärte sich dazu: "Seit Ende März wird hier sukzessive die Sanierungsleistung erbracht. Derzeit werden die Lager der Brückenpfeiler gewechselt, so dass die Arbeiten auf der Brücke technologisch bedingt ruhen. Nur erschütterungsfreie Arbeiten, wie die Betoninstandsetzung, können derzeit bei trockenem Wetter ausgeführt werden. So wurden unter anderem die Brückenkappen saniert und in den Widerlager-Baugruben gearbeitet." Ab kommender Woche sollen wieder "intensive und sichtbare Arbeiten auf der Brücke" anlaufen und Ende August alles erledigt sein.

Havarie an Albert-Vater-Straße

An der zweiten Ringbaustelle zwischen Mittag- und Albert-Vater-Straße/B1 gab es eine Panne. Eine Havarie sei hier schuld an zusätzlichen Behinderungen in dieser Woche auf dem Magdeburger Ring/Höhe Albert-Vater-Straße gewesen, so der Amtsleiter: "Grund war ein defekter Straßeneinlauf in der Lastspur der Umleitungsstrecke in Fahrtrichtung Nord. Hier konnten bislang nur notdürftige Sicherungen erfolgen, weil der Verkehr in Nordrichtung über diese Stelle rollt. Zwischenzeitlich war eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h notwendig."

Die gute Nachricht: Zwischen Mittag- und Albert-Vater-Straße ging es mit der Fahrbahnerneuerung auf dem Ring sichtbar voran. Auch auf den anderen größeren Baustellen wurde fleißig gebaut.