Obdachlosenhilfe

Aus Magdeburgs Straßen direkt in eine Wohnung

Mit neuen Modellprojekten will die Landeshauptstadt Obdachlosen den Weg aus der Wohnungslosigkeit ebnen.

Magdeburg

Es stammt aus den USA und wurde von Ländern wie Finnland, Großbritannien und Dänemark längst übernommen. Auch in Deutschland setzen immer mehr Städte auf das sogenannte Housing-First-Prinzip.

Housing First bedeutet so viel wie „zuerst eine Wohnung“ und soll den Weg aus der Obdachlosigkeit ebnen. Betroffene müssen sich demnach nicht zuerst für eine Wohnung qualifizieren, sondern können direkt einziehen – erst dann beginnt der Rest der Resozialisierung.

In Berlin wird das Prinzip bereits seit 2018 realisiert, aktuell arbeiten zudem Städte wie Stuttgart, Leipzig und Hannover an der Umsetzung eines derartigen Projektes. Auch Magdeburg springt auf den Zug mit auf und beschloss bereits im vergangenen Jahr das Entwickeln eines Konzeptes für die Durchführung eines derartigen Modellversuchs.

Selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden

Hierfür seien bereits im Juni 2020 erste Kontakte zur Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH aufgenommen worden, um das Unternehmen als Partner zu gewinnen. Das Wohnungsunternehmen habe seine Bereitschaft erklärt. Dies zumindest, sofern dem Unternehmen durch die Unterstützung kein finanzieller Schaden entsteht.

Gegenwärtig werden die vertraglichen Rahmenbedingungen besprochen, die dieser Bedingung Rechnung tragen, heißt es in einem Beschlussvorschlag, der den Ausschüssen in den kommenden Wochen zur Beratung und Anfang Mai dem Stadtrat zur Entscheidung vorliegt.

Für wohnungslose Menschen hält die Landeshauptstadt zwar Hilfsangebote wie die Obdachloseneinrichtung in der Basedowstraße (Buckau) vor, doch Heime sind für viele Menschen auf der Straße keine Alternative. Eine eigene Wohnung und damit Privatsphäre und ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden aber schon.

Zur eigenen Wohnung sollen die Betroffenen zudem eine individuell zugeschnittene Hilfe durch Sozialarbeiter erhalten.

Zehn Wohnungen für begleitetes Wohnen

Neben dem Housing-First-Modell will die Stadt einen weiteren Weg aus der Obdachlosigkeit aufzeigen. Betroffene mit langjährigen komplexen Problemlagen soll das Angebot des begleiteten Wohnens offeriert werden.

Unter einer engmaschigen Begleitung können Obdachlose das Wohnen, das Einhalten von Terminen und Verpflichtungen, Tagesstrukturen, Sauberkeit und Selbstvertrauen erlernen. Zehn städtisch angemietete Wohnungen in der Bahnikstraße 1 a nahe dem Strubepark im Stadtteil Leipziger Straße sollen hierfür genutzt werden. Vertraglich seien sie zwar noch gebunden, werden mit dem Projekt jedoch lediglich einer anderen Nutzung zugeführt, heißt es in dem Beschlussvorschlag.

Die Unterhaltungskosten hierfür seien kostenneutral auf eine für das Projekt eingerichtete Kostenstelle im Sozial- und Wohnungsamt umverteilt worden, es müsse jedoch ein weiterer Sozialmitarbeiter eingestellt und auch ein zusätzlicher Verwaltungsmitarbeiter mit der Arbeit betraut werden, gibt die Stadt zu bedenken.

Modellversuch wird wissenschaftlich betreut

Letzterer insbesondere um eine Zusammenarbeit mit allen Vertragspartnern zu gewährleisten. Denn neben der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH gehört auch die Otto-von-Guericke-Universität dazu. Deren Fakultät für Humanwissenschaften soll die Modellprojekte wissenschaftlich betreuen und evaluieren, was mit 50.000 Euro zu Buche schlägt.

Die Umsetzung des gesamten dreijährigen Modellprojektes „begleitetes Wohnen unter Berücksichtigung des Housing-First-Ansatzes“, wie es in der Beschlussvorlage heißt, gilt als zusätzliches Angebot zu bereits bestehenden. Das Aufnahmeangebot in der städtisch geführten sozialen Wohneinrichtung in der Basedowstraße 15/17, die beispielsweise bis zu 250 Personen jährlich aufnimmt, bleibt erhalten.

Die soziale Wohneinrichtung ist an 365 Tagen und rund um die Uhr mit Betreuern besetzt und steht Betroffenen auf Wunsch beratend zur Seite. Im Rahmen der Betreuung werden dort durch neun Betreuer und eine Sozialarbeiterin persönliche Problemlagen, Hilfebedarf und Aktivitäten erörtert.