Magdeburg l Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) sollen sechs neue Staßenbahnzüge bekommen. Das ist beschlossene Sache. Doch nach wie vor sind die entsprechenden Aufträge nicht ausgeschrieben. MVB-Sprecher Tim Stein erläuterte dazu auf Nachfrage der Volksstimme: „Wir haben in intensiver Arbeitszeit das Lastenheft für die neue Straßenbahngeneration und die Ausschreibungsunterlagen erarbeitet und fertiggestellt.“ 2018 war noch die Rede davon gewesen, zum Jahresende in die Ausschreibung gehen zu können.

Bevor die Daten zu den neuen Bahnen allerdings veröffentlicht werden könnten, müssten die Verkehrsbetriebe die Finanzierung dieser umfangreichen Investition klären. So laufen u. a. mit dem Landesverkehrsministerium Gespräche zur Nutzung von Fördermitteln. „Wir hoffen, im ersten Halbjahr 2019 die Ausschreibung zu veröffentlichen“, so Tim Stein.

Tatra-Bahnen werden ausgemustert

Mit der Erweiterung des Fuhrparks sollen zum Ersten die als Reserve dienenden Tatra-Fahrzeuge dauerhaft aufs Abstellgleis geschickt werden. Zum Zweiten werden mehr Straßenbahnen benötigt, da mit der laufenden Erweiterung des Gleisnetzes in Magdeburg auch mehr Fahrzeuge benötigt werden, um den auf den meisten Strecken in den Hauptverkehrszeiten ausgewiesenen Zehn-Minuten-Takt technisch absichern zu können. Und Unternehmenssprecher Tim Stein nennt einen dritten Grund: „Gleichzeitig erreichen in den nächsten Jahren auch die ersten modernen Niederflurstraßenbahnen aus den 1990er Jahren ihr Lebensende.“

Die Niederflurbahnen waren seinerzeit als Nachfolger für die Tatra-Bahnen angeschafft worden, die seit den 1960er Jahren und ergänzt durch ein neues Modell kurz vor der Wende in Magdeburg zum Einsatz kamen. Die Bahnen der Nachwendezeit sind nicht allein sparsamer im Stromverbrauch als die Fahrzeuge aus tschechischer Produktion – dank der Gestaltung als Niederflurbahnen war mit diesen Fahrzeugen ein großer Schritt in Sachen Barrierefreiheit getan.

Niederflurbahnen barrierefrei

Zusammen mit entsprechend gestalteten Haltestellen war dank ihnen für eine Reihe von Menschen mit einer Gehbehinderung erst eine Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs möglich geworden. Und auch für jene, die mit Kinderwagen und Gepäck unterwegs sind, ist die Fahrt mit den Straßenbahnen seitdem deutlich komfortabler geworden.

Dass sich die Bedürfnisse der Menschen weiterentwickelt haben, zeigen nicht zuletzt die Lesebriefe an die Volksstimme. Andiskutiert wurde so eine Ausstattung von Fahrzeugen mit Klimaanlagen, mit W-Lan oder als Zwei-Richtungs-Fahrzeuge. Dazu, welche Ausstattung letztendlich in der Ausschreibung stehen werde, wollten die Magdeburger Verkehrsbetriebe angesichts der laufenden Gespräche keine Aussagen treffen.