Magdeburg l Seine Mutter sammelt Puppenstuben, Boxpromoter Ulf Steinforth Münzautomaten. Schon als Kind war er von den Geräten fasziniert – auf der Messe auf dem Magdeburger Domplatz. „Ich komme selten an einem Automaten vorbei“, gesteht er im Volksstimme-Gespräch. Das ist auch heute noch so. „Es gibt eigentlich nichts, was es nicht auch aus einem Automaten gibt“, hat Steinforth bei seinen Reisen in aller Welt erfahren.

Etwa 100  Automaten besitzt er selbst. Ein Großteil davon ist seit dem 13. April 2018 im Technikmuseum Magdeburg zu sehen. Erst die entsprechende Entwicklung der Feinmechanik machte es möglich, dass Bonbons, Schokolade, Zigarren und Zigaretten, Parfüm, Kondome, Strümpfe, Musik und vieles mehr gegen eine Münze aus den Automaten geholt werden konnten. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Der Groschen, der die Welt bewegt – Industriekultur im Kleinen“.

Magdeburger lernt David Copperfield kennen

Und die Automaten verbinden. Steinforth hat auf diese Weise einen prominenten Sammler kennengelernt: David Copperfield, mit dem er auch schon einen Automaten getauscht habe. Das gemeinsame Hobby führte dazu, dass Steinforth und seine Familie schon in so mancher Show mitwirkten und durch Zauberei verschwanden. Ein bisschen artverwandt sind die beiden Branchen ja auch. Schließlich verschwinden in den Automaten Münzen, die einen von außen undurchschaubaren Mechanismus auslösen, der einem dann, wie von Zauberhand, die Gegenleistung herausgibt.

Selbst in Magdeburg haben die Automaten eine Geschichte, die vor etwa 130 Jahren begann, als die ersten Patente angemeldet wurden. An Waagen, die früher zum Beispiel bei der Post standen, erinnert sich mancher vielleicht noch. Aber es gab auch schon damals Automaten-Restaurants, in denen sich der Magdeburger selbst Bier zapfen konnte, wie in der Ausstellung Bilder und Postkarten des Breiten Weges in Magdeburg belegen.

Magdeburger erfinden Automaten

Die Geräte wurden auch in Magdeburg erfunden. In der Ausstellung ist als Leihgabe von Norbert Mohr zum Beispiel die Nuss-Glocke zu sehen, entwickelt von der Firma „Gebr. Paetz/Harras“ in den 1930er Jahren, außerdem ein „Altes Kegelspiel“, das 1903 vermutlich von der Nähmaschinenfabrik Mundlos entwickelt wurde. „Und wer weiß, was noch alles in Kellern und auf Dachböden schlummert“, sagte Sascha Wömperer als Leiter des Deutschen Automatenmuseums zur Eröffnung.

Neben dem Unterhaltungscharakter durch Glücks- oder Geschicklichkeitsspiele hatten die Automaten aber auch einen ganz praktischen Nutzen, berichtete Wömperer, der einen kurzen Überblick über die Geschichte der Automatie gab und auch von Mitteldeutschen Errungenschaften berichtete. Demnach nutzten Unternehmer die „Stummen Diener“, wie die Münzautomaten auch genannt wurden, um ihre Produkte in der Öffentlichkeit zu testen und zu erfahren, welche besonders beliebt waren.

Exponate in nachempfundenem Ambiente

Das Technikmuseum Magdeburg hat das Areal für die Ausstellung bereitgestellt. Die Exponate werden wie in ihrer Ursprungsfunktion in einem öffentlichen Räumen nachempfundenen Ambiente gezeigt.

Wie Ulf Steinforth zu den Automaten kam? „Heute läuft das alles über das Internet“, sagt er. Früher habe er aber auch in Zeitungen inseriert, um an die Geräte zu kommen. Viel Erfolg habe er damit allerdings nicht gehabt. Denn das Hobby sei ein absolutes Spartenprogramm gewesen. Heute hat Steinforth einfach nicht mehr die Zeit, nach Raritäten zu suchen. Sein Traum wäre, irgendwann einmal einen Schokoladenautomaten in Form eines Elefanten von der sächsischen Türschliesser AG Dresden zu bekommen.

Ausstellung bis 8. Juli zu sehen

Wer sich die Automaten anschauen möchte, hat noch bis zum 8.  Juli 2018 die Gelegenheit. Bis dahin werden sie im Technikmuseum gezeigt. Die Ausstellung der Automaten wurde um viele Bilder, Beschreibungen und andere interessante Dokumente ergänzt. Steinforth bedankte sich bei allen, die bei der Vorbereitung geholfen hatten und ihn mit Leihgaben unterstützten.