Magdeburg l Seit Jahren wird über die Gestaltung des Nicolaiplatzes in Magdeburg an der Lübecker Straße diskutiert. Nachdem das Thema in mehreren Ausschüssen beraten worden war und eine Reihe von Änderungsanträgen formuliert worden waren, hat der Magdeburger Stadtrat in seiner Novembersitzung 2018 jetzt den Weg für die Investition freigemacht.

Bis ins Jahr 2020 sollen entsprechend den Vorschlägen aus der Magdeburger Stadtverwaltung verschiedene Bereiche gestaltet werden. Unter anderem soll Wasser wieder eine Rolle spielen. Vor der Nicolaikirche soll eine Wasserkunst ins Pflaster gebracht werden. Zwar hatte CDU-Stadtrat Reinhard Stern bereits während der Sitzung des Bauausschusses angeregt, wieder einen klassischen Springbrunnen einzurichten, der womöglich pflegeleichter ist. Doch im Beschlusstext blieb es bei den Wasserspielen, die ähnlich wie die auf dem Domplatz ebenerdig im Boden eingebracht werden sollen.

Stellplätze für Autos geplant

Auf beiden Seiten des Platzes werden die Grünflächen zur Lübecker Straße hin erhalten. Und auch Stellplätze für Autos wird es weiterhin geben. Hier soll Großpflaster aus grauem Granit zum Einsatz kommen. Rund um den Platz möchte die Stadt Magdeburg eine Doppelreihe von Bäumen anlegen. Außerdem wird es eine Umfahrung um den Platz geben, die auch eine Verbindung zur Lübecker Straße schafft.

Angesichts mehrerer Änderungsanträge gab es im Magdeburger Stadtrat eine ausführliche Diskussion. Und eine Reihe von diesen bekam auch eine Mehrheit.

Alte Bäume müssen weichen

Grundsätzlich keine Zustimmung gab es für den Antrag der Bündnisgrünen. Sie wollten alle vorhandenen Bäume auf dem Platz erhalten wissen. Der bündnisgrüne Timo Gedlich sagte: „Wenn wir dieser Drucksache zustimmen, wird eine blühende Lindenallee vernichtet, die unter Schutz steht. Hier geht es um die Lebensgrundlage für Insekten. Gerade nach dem heißen Sommer Grün erhalten, wo es geht.“

Dem stand die Aussage der Magdeburger Verwaltung gegenüber, dass zum einen eine denkmalgerechte Gestaltung des Platzes ohne Wegnahme der Bäume an den Parkplätzen nicht machbar sei. Zum Anderen besagt ein im Auftrag der Stadt gefertigtes Gutachten auf 53 Seiten, dass die Bäume keine guten Lebensbedingungen hätten, dies zeige unter anderem der Umstand, dass immer wieder Bäume an den gleichen Stellen nachgepflanzt wurden. Dem folgte auch die Mehrheit der Stadträte.

Bäume auch auf dem Rasen

Ein Teilerfolg für Timo Gedlich immerhin in Sachen Änderungsantrag des Umweltausschusses, dem er vorsteht: Dessen Vorschlag, eine Nachpflanzung von Bäumen auf den auch künftig vorhandenen Rasenflächen festzuschreiben, fand eine Mehrheit.

Keine Mehrheit fand der Wunsch des Umweltausschusses, auf eine Öffnung zur Lübecker Straße hin zu verzichten. Die Befürworter dieser Veränderung hoffen auf eine Entlastung der Bremer Straße für den Autoverkehr. Roland Zander von der Gartenpartei hatte so darauf hingewiesen, dass Sparkassenkunden aus dem Neustädter Feld und dem Kannenstieg die Filiale am Nicolaiplatz inzwischen nutzen – und dass inzwischen entsprechend viel Verkehr zu verzeichnen sei.

Statt Eichen werden Linden nachgepflanzt

Der Bauausschuss hatte seine ablehnende Haltung gegen eine Doppelbaumreihe aus Eichen derweil in einen Änderungsantrag gegossen. Stattdessen sollen im Sinne der Bienen und möglicherweise zum Missfallen von Autofahrern und Fußgängern, die mit klebenden Flüssigkeiten unter den Bäumen auf Fahrzeugen und Fußwegen klarkommen müssen, Linden gepflanzt werden. Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann sagte, dass dies kein Problem sei: Man habe inzwischen eine Lindensorte gefunden, die in der Wuchsform der der ursprünglich geplanten Säuleneichen entspreche.

Zudem, so SPD-Stadtrat Falko Grube als Vorsitzender des Bauausschusses, müsse die Barrierefreiheit auf dem Platz sichergestellt werden. Explizit darauf hatte auch Grubes Ratskollege Christian Hausmann während der Sitzung des Bauausschusses hingewiesen. Grube bei seiner Begründung: „Dabei geht es nicht allein um Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer.“ Dies müsse bei den ebenfalls im Umweltausschuss befürworteten Pflanzungen von Büschen beachtet werden. Auf Vorschlag des Bauausschusses wurde festgehalten, dass „Sitzmöbel als gesprächsfördernde Sitzlandschaft angeordnet werden“ sollen.

Finanzierung der Wasserspiele wichtig

Die CDU/ FDP/ BfM-Fraktion fand eine Mehrheit für den Wunsch, dass die Finanzierung der Wasserspiele sichergestellt werden müsse. Reinhard Stern hatte darauf verwiesen, dass es auch 2018 nicht gelungen war, Sponsoren für alle Springbrunnenanlagen in Magdeburg zu finden.

Auch die SPD fand eine Mehrheit für einen Änderungswunsch: Wie Stadtrat Marko Ehlebe erinnerte, verläuft über den Platz der Neustadt-Radweg. Daher solle für den Radverkehr auf der Süd- und der Nordseite des Platzes Raum freigehalten werden.

Nicolaiplatz Teil der Magdeburger Geschichte

Dass der Nicolaiplatz an eine besondere Zeit Magdeburgs erinnert, machte die Antwort von Dieter Scheidemann an Alfred Westphal von den Bündnisgrünen deutlich. Dieser wollte wissen, ob das Raster der napoleonischen Bebauung wieder aufgenommen werden soll, obwohl es an einigen Stellen inzwischen beschädigt ist.

Dieter Scheidemann: „Ja, wollen wir wieder herstellen. Gerade die Kirche ist mit der Sanierung ein Kleinod geworden. Es gehört sich, das Umfeld zu schaffen, das ihr einmal zu eigen war.“ Dabei seien, so die Antwort des Baubeigeordneten auf eine weitere Frage, die Bürger im Rahmen von Treffen der Arbeitsgruppe Gemeinwesenarbeit eingebunden gewesen wie an anderer Stelle.

Wochenmarkt rückt in die Mitte

„Für die Bürger ist die Nutzbarkeit des Platzes wichtig“, so Dieter Scheidemann. Daher soll laut Stadtverwaltung der Platz so gestaltet werden, dass er ohne große Probleme für Veranstaltungen genutzt werden kann, und auch der Wochenmarkt soll mehr in die Mitte gerückt und aufgewertet werden.

Derzeit gehen die Planer von Kosten für die Umgestaltung des Platzes in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus. Etwas mehr als ein Drittel muss die Stadt Magdeburg als Eigenbeitrag leisten – der Rest soll aus Fördermitteln fließen.