Schönebeck/Staßfurt l Immer wieder gelingt es Kriminellen, mit verschiedenen Betrugsmaschen Bürger um ihr Erspartes zu bringen. Teilweise erbeuten sie zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Geld, das die Opfer in den meisten Fällen nie wieder sehen. Doch nicht immer haben die Betrüger leichtes Spiel. So sind beispielsweise Bankangestellte über diverse Abzock-Maschen aufgeklärt und können diese mitunter vereiteln.

Dies ist beispielsweise Anfang Februar bei Amesdorf geglückt (Volksstimme berichtete). Eine 81-jährige Rentnerin wollte rund 20.000 Euro von ihrem Konto bei der Sparkasse abheben. Sie glaubte ihren Enkel in Not, der sich telefonisch bei ihr gemeldet hatte und ihr sagte, dass er einen Unfall gebaut habe. Am Telefon war natürlich nicht wirklich ihr Enkel, sondern ein Betrüger. Er überzeugte die Frau, dass er das Geld brauche, um einen Sachschaden zu bezahlen, sonst würde er seinen Job verlieren.

Als die Seniorin die große Summe in der Bank abholen wollte, schrillten bei der Bankangestellten die Alarmglocken. „Wenn ein Kunde plötzlich eine große Summe abheben will, das Konto leerräumen möchte, dann müssen unsere Mitarbeiter da sensibel sein, das hinterfragen“, erläutert Stefan König, Sprecher der Salzlandsparkasse. Daher werden alle Sparkassenmitarbeiter, so wie in anderen Banken auch, regelmäßig geschult und über verschiedene Betrugsmaschen informiert. In der Sparkasse findet so eine Sensibilisierung mindestens einmal im Jahr statt, so König. „Letztlich bleibt es aber immer ein Wettlauf wie zwischen Hase und Igel: Die Betrüger lassen sich neue Tricks und Methoden einfallen, und wir müssen das mitbekommen, um Betrugsfälle verhindern zu können.“ Stete Wiederholung und regelmäßigen Schulungen seien daher unerlässlich, um das Bewusstsein der Angestellten für Betrugsfälle zu schärfen. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch der Merksatz „Know your customers“ (Kenne deine Kunden). „Wenn wir wissen, dass Kunde XY gerade eine große Renovierung am Haus durchführt, dann ist es mitunter ja gar nicht ungewöhnlich, dass auch mal mehr Geld abgehoben werden muss. Oder zu wissen, ob jemand überhaupt Enkel hat. Am wichtigsten ist aber, dass wir bei großen Summen generell nachfragen, wofür das Geld ist und wie plausibel die Antwort des Kunden ist“, erläutert König.

Wenn es dann beispielsweise heißt, dass ein Enkel in Geldnot ist, so wie kürzlich in Amesdorf, dann dürfte bei den meisten Bankangestellten sofort eine gewisse Skepsis einsetzen. „Dann ist es nicht unüblich, dass man einfach sagt: Okay, wollen wir Ihren Enkel vielleicht mal zusammen anrufen? Oder dass man den Kunden bittet, vorher mit anderen Vertrauenspersonen, wie nahen Verwandten, sich zu beratschlagen“, sagt der Sprecher der Salzlandsparkasse. So könne schon viel Unglück abgewendet werden.

König sagt aber auch: „Wenn der Kunde sein Geld will, dann kriegt er es auch. Wir können das natürlich nicht einfach einbehalten. Mehr als kritisch nachzufragen, Hilfe anzubieten und Empfehlungen auszusprechen, können wir nicht tun.“

Weiterhin weist auch die Polizei des Salzlandkreises, in Anbetracht sich häufender Betrugsfälle, eindringlich darauf hin, dass vor allem ältere Menschen im Fokus der Betrüger sind, so Polizeisprecher Marco Kopitz. Dabei sind die Betrüger sehr redegewandt und versuchen im Telefonat bereits alle Zweifel auszuräumen und bringen die späteren Opfer dazu, an die jeweilige Geschichte zu glauben. Neben Bankmitarbeitern und Kassierern sei daher auch die Familie gefordert, sich mit der Aufklärung der Eltern und Großeltern zu befassen.

Dem Enkeltrick nicht unähnlich ist auch der sogenannte Schockanruf. Bei dieser Betrugsmasche versetzen die Kriminellen die Opfer in Panik, indem sie sich am Telefon als Kind oder Enkelkind der Person ausgeben und nur kurz und aufgeregt von einem Unfall oder ähnlichem Unglück berichten. In der Regel wird dann das Telefon an falsche Polizisten oder vermeintliche Staatsanwälte weitergegeben, die Geld fordern.

Eine Frau in Welsleben wurde im Januar Ziel so eines Schockanrufes (Volksstimme berichtete). Nachvollziehbarerweise war sie sofort in Sorge, um ihre Tochter und wollte ihr helfen – und dafür Geld besorgen. Glücklicherweise wurde der Sohn der Frau misstrauisch und rief kurzerhand seine angeblich in einen üblen Unfall verwickelte Schwester an. Diese war in Wahrheit natürlich wohl auf und hatte auch keinen Unfall. Dadurch konnte der Betrug glücklicherweise vereitelt werden.

Vor allem am Telefon ist daher ein gewisses Misstrauen angebracht, besonders dann, wenn man das jeweilige Problem sofort mit Geld lösen könne. Polizei und Sparkasse unterstreichen: Bevor große Summen aufgrund eines vermeintlichen Notfalls abgehoben werden, sollte mit Familie oder Freunden darüber gesprochen werden.