Magdeburg l Die Wiedereröffnung einer Rockerkneipe hat am Sonnabend zu einem Großeinsatz der Polizei geführt. Die Bar „Other Place“ am Breiten Weg heißt jetzt „Devils Place“. Zur Eröffnung am Sonnabend reisten etwa 70 Hells Angels - hauptsächlich aus der Altmark und Niedersachsen – nach Magdeburg. Die Polizei war mit verstärkter Präsenz vor Ort. Rund um den Hasselbachplatz waren etwa 50 Beamte im Einsatz. Laut Polizeisprecher Frank Küssner sei es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. Der Abend sei friedlich verlaufen. Gegen Mitternacht habe sich die Veranstaltung aufgelöst.

Szene-Kenner haben die Neueröffnung der Bar mit Interesse verfolgt. Denn man kann die Feier auch als Machtdemonstration der Hells Angels in Richtung der verfeindeten Bandidos verstehen. Denn die hatten Anfang Juli in Ottersleben erst ein europaweites Treffen abgehalten. Rund 300 Teilnehmer zählte die Polizei damals - und das, obwohl es offiziell gar kein Chapter mehr der Bandidos in Magdeburg gibt.

Erst im März hatten auch die Hells Angels die Auflösung ihres Magdeburger Charters bekanntgegeben und sich aus der Stadt zurückgezogen. Die Auflösung wurde kurz vor einem Prozess gegen den damaligen Magdeburger Präsidenten bekanntgegeben.

Dass die Hells Angels nun zur Eröffnung der Bar so zahlreich und sichtbar mit Kutten in Magdeburg auffahren, kann man als Zeichen in Richtung Bandidos werten, sagen Szene-Kenner.

Bei der Razzia im November vergangenen Jahres (damals noch "Other Place") wurden drei führende Hells Angel festgenommen (Volksstimme berichtete). Vor einem Monat wurden sie vom Magdeburger Landgericht zu Bewährungsstrafen wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung verurteilt. Die Strafkammer sah es als erwiesen an, dass die drei Angeklagten – sie sollen Präsident, Schatzmeister und Roadcaptain des Magdeburger Charter sein – auf zwei Sicherheitsleute des Oktoberfestes in Magdeburg eingeschlagen haben. Der Vorwurf einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung war aber auf einen weniger schweren Fall zusammengeschrumpft, weil eine lebensgefährdende Verletzung des Opfers nicht festgestellt werden konnte. Kritik gab es von Seiten der Staatsanwaltschaft damals an den Ermittlungen. So seien zum Beispiel die Opfer nicht sofort untersucht und Fotos von den Verletzungen gemacht worden.