Magdeburg l Die Sanierung des Barleber Sees liegt Oskar Kreutzer aus Magdeburg sehr am Herzen. Als er jüngst bei seinen Großeltern am Barleber See zu Besuch war, wollte er eigentlich baden gehen. Doch als er mit seiner Oma Birgit am Strand angekommen war, war an ein Badevergnügen nicht zu denken.

„Da war alles voll mit diesen Algen“, erzählt der Siebenjährige. Ins Wasser ist er an diesem heißen Tag nicht gegangen. Seine Oma hat ihm aber erzählt, was da am Barleber See los ist. Das ging dem aufgeweckten Jungen nicht mehr aus dem Kopf. Zurück zu Hause angekommen, setzte er sich an seinen Schreibtisch, schnappte sich Papier und Bleistift und schrieb einen Brief – an die „Libe Frau Merkel“.

"Frau Merkel ist die Chefin"

„Ich habe das gemacht, weil der Barleber See so krank ist von den Blaualgen“, erzählt der Siebenjährige später. Und warum schreibt er dann an die Bundeskanzlerin? „Ich habe die schon mal im Fernsehen gesehen, in den Nachrichten. Da haben sie gesagt, dass sie was regeln soll. Und Frau Merkel ist die Chefin, auf die hören alle“, erzählt Oskar. Und weil die, die verantwortlich sind, aber kaum was tun, wie er in seinem Brief an Frau Merkel schreibt, soll es nun die Chefin richten.

Den Brief hat seine Oma mitgenommen. Sie soll ihn abschicken, wie Oskar erzählt. Mal sehen, ob Oskar auch eine Antwort von der „liben Frau Merkel“ bekommt und sie hilft, den Barleber See von den Blaualgen zu befreien. Die Chance, dass er vielleicht tatsächlich eine Antwort bekommt, steht gar nicht so schlecht. Sicherlich wird die „Chefin“ ihm nicht persönlich antworten, aber Mitarbeiter des Kanzlerbüros beantworten durchaus Briefe, die an die Kanzlerin geschickt werden, sagte eine Regierungssprecherin.

Kanzlerbüro sichtet die Briefe

Zehntausende Briefe erreichen die Kanzlerin jährlich. Allein im vergangenen Jahr waren es 54 469 Briefe und Mails. „Bei der Vielzahl der Zuschriften kann die Bundeskanzlerin diese nicht alle selbst lesen und beantworten. Daher werden die zahlreichen Briefe, Eingaben und Petitionen von besonders beauftragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kanzlerbüros sorgfältig geprüft und nach den Regeln der gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien so schnell wie möglich bearbeitet und in der Regel beantwortet“, so die Regierungssprecherin.

Über die aus den Inhalten der Briefe und Mails hervorgehenden Meinungen, Anregungen und Nöte der Menschen werde die Kanzlerin regelmäßig unterrichtet. „Dadurch ist sie in der Lage, unmittelbar zu erfahren, wie bestimmte Maßnahmen der Bundesregierung beurteilt werden“, hieß es.

Eine Bundesangelegenheit ist die Sanierung des Barleber Sees zwar nicht, aber dennoch soll es am heutigen Dienstag (9. JUli 2019) nun richtig losgehen können. Mit „Rettungsbooten“ sollen 1000 Tonnen Aluminiumsalz ausgebracht werden. Pro Tag dürfen maximal 15 Tonnen des Mittels in den See gegeben werden. Es soll den Phosphor binden, der seit gut drei Jahren verstärkt im Barleber See auftritt und den Blaualgen als Nährstoff dient. Blaualgen können Hautreizung, allergische Reaktionen, Atembeschwerden und Muskelkrämpfe auslösen.