Magdeburg l 40.000 bis 50.000 Fahrzeuge, dazu noch die Straßenbahnen, schieben sich täglich stadtauswärts über die südliche Jerusalembrücke. Sie gehört zum alten Teil des Nordbrückenzugs, wurde Anfang der 1950er Jahre gebaut und 1952 als Wilhelm-Pieck-Brücke eingeweiht. Wie sehr das alte Bauwerk unter der wachsenden Last des modernen Verkehrs ächzt, zeigte die Havarie an einem Fahrbahnübergang Mitte der vorigen Woche. An der Stelle auf der Ostseite hatte es einen schwerwiegenden Defekt gegeben. Bei einer Kontrolle wurden lockere und abgerissene Schrauben entdeckt. Fachleute machten schlagende Geräusche beim Passieren von Pkw aus.

Die Stadt zog die Notbremse, ließ die rechte der zwei auswärts führenden Spuren sperren. Inzwischen sind sie wieder freigegeben.

Auf der Suche nach Rissen

Die Brücke kommt in die Jahre, wie das Problem mit dem Fahrbahnübergang zeigt. Doch auch unterhalb der Fahrbahnkonstruktion ist einiges zu tun. Die planmäßige Sanierung der Widerlager an den Pfeilern auf der Ostseite (Gartenstraße) und Westseite (Askanischer Platz) steht an. Es sind – wenn man so will – die „Hüftgelenke“ der Brücke, die aufgrund ihres Verschleißes instand gesetzt werden müssen. Das Gerüst am Brückenpfeiler auf der Ostseite war gestern schon startklar, Mitarbeiter der beauftragten Firma aus Nordhausen luden zudem Material ab. Es handelt sich um Strahlkies. Damit soll zunächst auf der Wasserseite des Pfeilers die Oberfläche freigelegt werden. So werden Risse und Löcher entdeckt, die ausgebessert werden müssen.

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„Vorher gab es schon eine Klopfprobe, so dass man bereits weiß, wo größere Hohlstellen oder Teile locker sind“, berichtet Vorarbeiter Horst Kindt. Oberfläche abstrahlen, Risse und Betonschäden verspachteln und schließlich eine Neuversiegelung mit Spritzbeton auf die Pfeiler aufbringen: Das sind die weiteren Arbeiten. Die neue Versiegelung soll vor Witterung und vor allem auch vor Tausalzflüssigkeiten (Chloride) schützen, die durch die Fahrbahnübergänge von der Straße auf die Widerlager laufen. Bis zum 27. September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Alle Brücken im Blick

Allein die Bauleistung kostet rund 185.000 Euro. Die Stadt Magdeburg trägt sie. Aktuell sei nur die Instandsetzung der Widerlager und Pfeiler an der südlichen Jerusalembrücke notwendig, heißt es. Es laufen aber Untersuchungen zur Rissbildung und zum Korrosionsschutz an den Stahlkonstruktionen aller vier Brücken (zweimal Friedensbrücke, zweimal Jerusalembrücke) des Nordbrückenzugs. Perspektivisch seien Korrosionsschutzarbeiten mit der Instandsetzung von einzelnen Stahlbauteilen notwendig – das allerdings nach der Strombrückenverlängerung. Bauliche, „kleinere“ Unterhaltungsarbeiten würden kontinuierlich bei Erfordernis von der Brückenmeisterei ausgeführt, berichtet Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra. Bei solchen Kontrollen waren letzte Woche auch die Schäden am Fahrbahnübergang festgestellt worden. Doch zumindest die Arbeiten unterhalb der Brücke an den Pfeilern und Widerlagern haben keine Auswirkungen auf den laufenden Verkehr.