Magdeburg l Freigelegte Keller auf dem Fürstenwall in Magdeburg zwischen den früheren Wehrtürmen "Kiek in de Köken" und "Hinter der Ausfahrt zur Möllenvogtei" sollen wieder bebaut werden. Entsprechende Pläne liegen der Stadt vor. Gebaut werden soll im Rahmen eines Vertrags über eine Erbbaupacht. Angesichts der Höhe des geplanten Gebäudes, in dem Hotellerie und Gastronomie einziehen sollen, gab es Kritik.

Auch CDU-Stadtrat Reinhard Stern wollte während der Sitzung des Magdeburger Bauausschusses wissen, wie es um die Problematik steht: "Bekommen wir das Thema noch einmal auf den Tisch?", so seine Frage in die Richtung Stadtverwaltung. Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann hatte sich auf das Thema vorbereitet.

Wünsche des Investors passen zum Beschluss

Nein, es werde keine neuerliche Vorlage für den Magdeburger Stadtrat und damit auch nicht für den Bauausschuss als dessen Fachgremium geben. Dieter Scheidemann erläuterte seine Einschätzung: "Ich habe extra noch einmal in die Unterlagen Einsicht genommen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Wünsche des Investoren mit dem übereinstimmen, was im Bauaussschuss und auch im Finanzausschuss beschlossen wurde."

Diese hatten sich damit beschäftigt, in welchem Rahmen die Stadt eine Ausschreibung vornehmen könne: Festgelegt worden war seinerzeit, dass keine zu hohe Bebauung entstehen dürfe, um den Charakter des Umfelds nicht zu schädigen. Während Dieter Scheidemann die entsprechenden Vorgaben für eingehalten hält, hatte Michael Sußmann, Denkmalschützer und Eigentümer des Turms "Hinter der Einfahrt zur Möllenvogtei", erhebliche Bedenken zur Höhe des Gebäudes und zur Sicherheit der alten Gemäuer, deren Räume mitgenutzt werden sollen, angemeldet.

Festungsfreunde sehen Pläne kritisch

Für keine gute Idee halten die Festungsfreunde Magdeburg unter Vorsitz von Bernhard Mai eine Bebauung. Dem Verein geht es darum, die Spuren der Magdeburger Festungsanlagen für die Zukunft zu erhalten. Bernhard Mai sagt: "In Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine Stadtmauer, sondern um eine Zwingeranlage."

Diese war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffen und zu Beginn des 18. Jahrhunderts modernisiert worden. In diese waren mittelalterliche Wehrtürme einbezogen worden. Eine militärische Zwingeranlage musste mindestens so breit sein, dass auf ihr Geschütze aufgestellt werden konnten und eine Längsbewegung möglich war. Die zunehmende Schussweite der Kanonen in jener Zeit hatte die Festungen dazu gezwungen, mit einer entsprechenden Bewaffnung Angreifer auch in größerer Distanz zurückschlagen zu können.

Fürstenwall als Schutz vor Artillerie

Im Fall des Fürstenwalls ging es darum, den möglichen Artilleriebeschuss eines Angreifers aus dem Raum Cracau-Prester beantworten zu können. Der Fürstenwall spannte sich einst von der Strombrücke bis zur Bastion Cleve.

Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, Gouverneur des brandenburg-preußischen Herzogtums Magdeburg, hatte 1722 den Fürstenwall modernisieren und zugleich als Promenade für die von Festungswällen eingeschlossenen Bürgern der Stadt gestalten lassen. Erst später hatte es eine Bebauung gegeben. Bernhard Mai: "Wir hielten den Erhalt der unbebauten Zwingeranlage im Sinne des Denkmalschutzes für eine richtige Entscheidung."

Investor für das Vorhaben zum Hotelbau auf der Anlage ist ein Magdeburger Gastronom.