Magdeburg l Wie sollen die Dächer Magdeburgs aussehen? In Zeiten immer heißer werdender Sommer und von immer mehr regenerativen Energien will die Stadtratsfraktion Grüne/Future Zeichen setzen: Mit einem Grundsatzbeschluss wollen sie unter anderem, dass in neuen Bebauungsplänen oder bei der Veränderung bestehender Bebauungspläne grundsätzlich Solaranlagen oder Dachbegrünung eingeplant werden. Es gehe nicht allein darum, in Magdeburg Zeichen zu setzen, sondern aktiv die Probleme der Zukunft zu lösen, so Grünen-Stadträtin Madeleine Linke.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Pflanzen sorgen für Schatten. Und dadurch, dass sie Wasser verdunsten, kühlen sie die Umgebung ab. Zudem sind sie inmitten von Beton und Stein der Stadt ein Lebensraum für Insekten, Vögel und weitere Tiere. Und was die Energiegewinnung angeht: Wenn Wärme und Strom dort gewonnen werden, wo sie verbraucht werden, lässt sich ein aufwendiger Transport der Energie sparen.

Es gibt aber auch Gegenargumente. So sind viele Magdeburger Genossenschaften keine Anhänger von neuen Regelungen. Sie verweisen zwar darauf, dass begrünte Dächer heute bei allen Neubauten ernsthaft erwogen würden. Doch dies sei auch ohne Zwang der Fall.

Sorge um Bestandsbauten

Vor allem sorgen sie sich aber um die Bestandsbauten – und diese wären betroffen, wenn für ihre Sanierung Bebauungspläne geändert werden müssen. Sylke Lamontain, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“, nannte als Beispiel eines der jüngsten Projekte ihrer Genossenschaft: „Das Gebäude an der Turmschanzenstraße haben wir vor der Sanierung statisch untersuchen lassen.“ Das Ergebnis: Die Statiker hatten selbst eine Dachbegrünung mit einer Dicke von nur 30 Zentimetern ausgeschlossen.

Ein völlig neuer Dachaufbau wäre fällig gewesen - verbunden mit enormen Kosten. Karin Grasse, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Otto von Guericke“, sieht das ebenso: Die Mehrkosten würden Mieten in die Höhe treiben. Und Thomas Fischbeck, Vorstand der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft, sieht die hohen Investitionen als soziales Problem: „Wir haben es ja in vielen Wohnungen mit Menschen zu tun, die jeden Euro umdrehen müssen.“ Der Eigentümerverband Haus und Grund lehnt neue Vorschriften ebenfalls ab: Investitionen würden verteuert und verkompliziert.

CDU-Stadtrat Frank Schuster wies im Bauausschuss auf einen Aspekt hin, der aus seiner Sicht nicht ausreichend beachtet werde: „Ökologisches Bauen bedeutet übrigens auch, auf die Langlebigkeit von Produkten zu achten.“ Als Mann vom Bau wisse er genau, dass ein klassisches Dach, das mit Dachziegeln gedeckt ist, mehr als 100 Jahre halten könne – Flachdächer müssten hingegen sehr viel früher erneuert werden.

Kostbare Flächen auf den Häusern

Magdeburgs Stadtplanungsamtschef Matthias Lerm zeigt auch Verständnis für Gründächer und Energiegewinnung auf dem Dach: „Damit würden wir dem Klimawandel entgegenwirken. Einen solchen Vorschlag sollte man daher nicht einfach zur Seite schieben.“ Es bestünde die Chance, kostbare Flächen auf den Häusern nicht mehr nur zum Ableiten von Regenwasser zu nutzen.

Was also tun? Auf Vorschlag von SPD-Stadtrat Falko Grube hat der Bauausschuss einen Alternativvorschlag auf den Tisch gebracht: Bei privaten Bauvorhaben solle verstärkt auf die Chancen von Dachbegrünung und Strom vom Dach hingewiesen werden – und auch auf die Fördermöglichkeiten. Auf der anderen Seite solle die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen – was bisher bei Schul- und Kitaneubauten nämlich nicht der Fall war.

Ob eine der beiden Varianten in Magdeburg Gesetz wird, obliegt nun der Entscheidung des Stadtrats.