Magdeburg l Shani und Zahra warten schon. Die beiden Giraffendamen wissen: Wenn Tierpfleger Danny Wolff morgens in ihr Haus kommt, gibt es gleich ein paar leckere Pellets. Für jeden einen halben Eimer. Direkt in die Futterbox, die am Zaun hängt.

Es ist kurz nach 7 Uhr als der 28-Jährige nach den beiden Langhälsen schaut. Draußen ist es noch dunkel. Doch das stört die Giraffen nicht. Sie schlafen stets nur wenige Minuten am Stück. Und so waren sie auch heute wieder, an einem typischen Arbeitstag des Tierpflegers, - natürlich – noch vor dem Anschalten des Lichts längst wach.

Doch auch Danny Wolff ist schon eine Weile aktiv. Seit 6.20 Uhr ist er an diesem Tag im Zoo Magdeburg. Längst hat er in der Futterküche alles vorbereitet. Tiere warten nicht. Da gibt es kein Ausschlafen an Feiertagen oder gar Liegenbleiben an Sonntagen. Gearbeitet wird jeden Tag in der Woche und das bei jedem Wetter, wenn auch in Schichten und abwechselnd mit den Kollegen.

Sicherheit hat oberste Priorität

Gleich geht es zu den Warzenschweinen. Für die hat Danny Wolff schon Kohlrabi und Möhren gestückelt. Mit ihrem Lieblingsfutter lassen sich alle Tiere ganz einfach entweder locken oder ablenken. Das ist wichtig. Denn beim Säubern der Ställe dürfen sich Pfleger und Tiere nicht in die Quere kommen. Nirgendwo. Streicheleinheiten gibt es nicht. Zu gefährlich. Die Giraffen könnten sich erschrecken und mit ihren Beinen ausschlagen und sich oder den Pfleger verletzen. Und die Begegnung mit einem wuchtigen Warzenschwein sucht wohl niemand freiwillig. Doch ausgemistet wird jeden Tag.

Die Warzenschweine sind nach Futterküche und Giraffenhaus erst Station drei an diesem Tag für Danny Wolff. Es ist sein Traumberuf, wenngleich dieser bei Weitem absolut nichts mit Romantik oder Streichelzoo gemein hat. „Im Gegenteil, es ist ein ziemlich anstrengender Job, der von jungen Menschen oft falsch eingeschätzt wird“, berichtet er. „Du musst körperlich absolut fit und hoch konzentriert sein, darfst dir beispielsweise beim Öffnen und Schließen der Tore keinen Fehler erlauben, sonst kann es gefährlich werden. Sicherheit hat oberste Priorität.“ Schiebern nennt sich diese Aufgabe, die am Tag mehrere Dutzend Mal gemacht werden muss.

Ein körperlich anstrengender Job

Kaum hat Danny Wolff die Warzenschweine nach draußen gelockt, schließt er die Klappe und beginnt drinnen den Stall auszumisten. Das nasse Stroh und Heu müssen raus, der Kot ebenso. Alles andere kann bleiben. Schaufel um Schaufel füllt er die Schubkarre. Spätestens jetzt kommt der Tierpfleger das erste Mal am Tag so richtig ins Schwitzen. Zum Schluss noch frisches Heu vor der einen Wand und neues Stroh zum Liegen auf die andere Seite des Raums ablegen. Dazu die gestückelten Möhren, Kohlrabi und Äpfel verteilen. Dann geht es für Danny Wolff wieder raus aus dem Stall, Tür zu, Tür zum Außengehe auf, Warzenschweine rein und Tür zum Außengehege zu. Durch einen Spion beobachtet er, wie die kleine Familie mit drei Jungtieren den sauberen Bereich zurückerobert. Jetzt kann er den Außenbereich säubern, bevor es zurück zu den Giraffen geht.

Langsam geht die Sonne auf. Es wird spürbar wärmer, und bleibt doch winterlich kalt. Shani und Zahra können, nein müssen jetzt raus. Danny Wolff will ihre Körbe mit Heu auffüllen. „Sie bekommen Luzerne. Da ist mehr Eiweiß drin als im Wiesenheu“, erzählt er und lässt die Körbe schon wieder elektrisch drei Meter hoch fahren – Giraffenhöhe eben. Und ruckzuck putzt er schon wieder einen Boden. Mit einem Besen fegt er Meter um Meter in dem großen Haus. Überall liegen die Köteln der Giraffen. Wirklich stubenrein sind diese Tiere nicht. Das war bei den Warzenschweinen etwas anders. Die haben die Angewohnheit, möglichst an den gleichen Stellen ihre Losungen zu hinterlassen.Bei Giraffen passiert das auch im Laufen. Manchmal ist der Kot auch schon festgetreten. Dann muss Danny Wolff mit einem Schaber ran. Nichts für feine Herrschaften. Es geht hin und her. Auf diese Weise legt er Tausende Schritte am Tag zurück. Da kommen schon ein paar Kilometer zusammen.

Nashörner sind die Lieblingstiere

Seine Lieblingstiere sind die Nashörner. Die leben auch in seinem Revier, gehören aber heute nicht zu seinem Arbeitsbereich. Sie haben ihren ganz eigenen Kopf. „Kumi ist die Ruhige, Madiba der Schmusige und Maleika die Zickige“, erzählt der passionierte Tierpfleger. Manchmal muss er aber auch zu den Zebras. Das stinkt ihm gewaltig – im wahrsten Sinn. „Wenn ich bei denen im Stall war, riecht das abends sogar noch meine Frau“, berichtet Danny Wolff lachend. Und das, obwohl die Arbeitskleidung stets im Zoo bleibt und der Tierpfleger duscht, bevor er wieder nach Hause geht.

Bei den Zebras war es auch, als Danny Wolff das erste Mal überlegen musste, ob er sich mit seiner Berufswahl richtig entschieden hat. An jenem Tag war eines der Tiere gestorben. Ein Moment, der ihn gedanklich beschäftigte. Immerhin grübele man als Tierpfleger immer darüber, ob man alles richtig gemacht hat. Nicht auszudenken, wenn der Mensch schuld an dem Tod des Tieres wäre.

Traumberuf zwischen Mensch und Tier

Doch Danny Wolff lässt sich nicht abschrecken. „Es ist und bleibt mein Traumberuf“, betont er. Egal, wie viel Mist er noch auf dem dampfenden Haufen im Wirtschaftshof abladen, wie oft er noch schwere Äste für die Giraffen zusammenbinden und an einer Kette aufhängen („Weide mögen sie am liebsten“) und wie viele Kilo Möhren und Rüben er schnippeln muss. Und egal, wie sehr der Geruch von Zebras in seinen Haaren klebt – „am Ende des Tages zu sehen, den Tieren geht es gut, ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen“.