Eilmeldung

Die Amateurfunker der Landeshauptstadt pflegen die Kommunikationstechnik von früher

Bis nach Neuseeland: Magdeburger funken durch die Welt und Otto ist mit dabei

Von Christoph Kragenings 09.07.2012, 03:35

Funktechnik ist bereits über 100 Jahre alt, kann aber noch heute in Notsituationen Leben retten. Deutschlandweit gehen 80 000 Menschen diesem Hobby nach - mit voller Leidenschaft dabei sind auch 70 Magdeburger.

Magdeburg l Ein Rauschen ertönt aus den kleinen schwarzen Boxen, Ronald Reichelt dreht an einem großen runden Regler und blickt auf einen Computerbildschirm. Dann erscheinen langsam Buchstaben auf dem Monitor. "Wir haben einen Russen am anderen Ende", sagt Reichelt, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Amateurradio Clubs Magdeburg-Süd ist.

Er ist leidenschaftlicher Funkamateur und nutzt gerade den sogenannten Digitalfunk, um mit einem Gleichgesinnten im etwa 900 Kilometer entfernten Russland zu kommunizieren. Per Tastatur tippt der 54-Jährige Codes ein, die der russische Funkamateur bestätigt. "Wir unterhalten uns mit Abkürzungen, so bedeutet zum Beispiel der Code ,QSL\', dass der andere Funker meine Nachricht erhalten hat", so Reichelt. Die Nachrichten bauen sich nacheinander auf, "eigentlich genauso wie beim modernen Chatten im Internet", ergänzt der Magdeburger.

Die Lizenz zum Funken

So frei zugänglich wie das schnelle Schreiben im Internet ist ein Funkgerät jedoch nicht. Zuerst muss der Amateurfunker eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen. Der angehende Funker muss beweisen, dass er die Technik beherrscht und sich unter anderem mit dem Funkalphabet auskennt.

Nach erfolgreicher Prüfung erhält er ein Zeugnis und ein sogenanntes Rufzeichen. DL6MRA ist beispielsweise das Erkennungsmerkmal von Ronald Reichelt. Mit diesem einmaligen Code identifiziert sich der Funker weltweit.

"Seit Kurzem ist auch Otto unter die Funker gegangen", erklärt Reichelt mit einem Grinsen im Gesicht. Er deutet auf eine Art Postkarte im Design der Ottostadtkampagne und ergänzt: "Das ist keine Post-, sondern eine QSL-Karte." Wer erfolgreich eine Verbindung zu einem anderen Funkamateur hergestellt hat, verschickt diese Karten als Bestätigung.

Vielen Funkern ist es zur Leidenschaft geworden, diese Karten von verschiedensten Ecken der Welt wie zum Beispiel Aruba, Japan oder Neuseeland zu sammeln.

Bis Dezember dieses Jahres versenden die Magdeburger Funkamateure auch im Zeichen von Otto und in Zusammenarbeit mit dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg die Karten.

Funken ist überall möglich

Reichelts Clubkamerad Michael Jörke aus Stadtfeld erzählt: "Eines meiner schönsten Erlebnisse beim Funken war, als mir die Verbindung nach Neuseeland geglückt ist. Das ist für Funker die am weitesten entfernte Verbindung auf der Welt." Er funkt seit 1981 und das gerne auch mal unterwegs auf Reisen. Viele Funkamateure nehmen ihre meist sperrige Ausrüstung mit in den Urlaub. Jörke hat sich deshalb selbst in einer handlichen Aluminiumschatulle ein Telegrafiefunkgerät gebaut. Über einen Taster werden Morsesignale eingegeben und per Antenne ausgesendet. Neben der ursprünglichen Funkbetriebsart Telegrafie und dem moderneren Digitalfunk gibt es außerdem den Sprechfunk, was heutzutage die üblichste Übertragungsart ist.

Ein Hobby zur Nostalgiepflege

Der Amateurfunk ist ein breitgefächertes Hobby und in Deutschland mit etwa 80 000 Aktiven vergleichsweise weit verbreitet, aber die Anzahl der Funker sinkt.

"Uns fehlt der Nachwuchs. Man kann unser Hobby auch als Nostalgiepflege bezeichnen. Wir arbeiten teilweise mit Methoden, die über 100 Jahre alt sind und auch auf der Titanic genutzt wurden", sagt der Funkamateur Karl Schmidt aus Neustädter See.

Aber auch noch heute kommt der Amateurfunk zu zweckmäßigem Einsatz. Und zwar, wenn moderne Kommunikationsmittel versagen - wie beispielsweise bei Tsunami-Katastrophen.