Magdeburg l Kinder spielen im flachen Wasser, weiter draußen sind drei Schwimmer unterwegs, eine Familie baut ihr Zelt auf und auf dem Volleyballplatz spielen sich Papa und Sohn die Bälle zu. Es herrscht am Montagnachmittag Betrieb am Barleber See in Magdeburg. Zwar kein Hochbetrieb, aber die Stimmung unter den Badegästen ist gut. Noch. „Sollten wieder Blaualgen auftauchen, fahren wir woanders hin“, sagt Wolfgang Baake.

Im Sommer 2017 herrschte aufgrund der Blaualgenplage zeitweilig Badeverbot am Barleber See. Aus dem von der Stadt Magdeburg in Auftrag gegebenen aktuellen Gutachten geht hervor: Der See sei umgekippt, auch in diesem Hochsommer müsse man mit Blaualgen rechnen. Aktuell ist das Wasser klar. Wolfgang Baake geht bedenkenlos im derzeit 17 Grad kalten See schwimmen.

Gesundheitsgefahr schreckt ab

Aufgrund der möglichen Gesundheitsgefahren würden sie mit den Enkeln nicht mehr an den Barleber fahren, macht seine Lebensgefährtin Margot Huit deutlich. Bereits in den 1950er-Jahren sei Wolfgang Baake erstmals in dem Strandbad in Magdeburgs Norden gewesen. Da habe alles noch ganz anders ausgesehen. „Es müsste sich besser um den Barleber See gekümmert werden.“ Er meint damit den harten Kies am Strand, der den kleineren Badegästen die Stimmung vermiest, die geschlossene Gastronomie sowie die Anzahl und Entfernung der Sanitäranlagen.

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Was den schlechten Zustand des Wassers betrifft, ist Wolfgang Baake, der heute in Langenweddingen wohnt und die fast 30 Kilometer Anreise zum Barleber See regelmäßig auf sich nimmt, der Überzeugung: „Die Stadt hätte früher reagieren müssen.“ So sieht man es auch auf dem Campingplatz. „Alle sind unsicher und wissen nicht, ob Baden jetzt gefährlich ist oder nicht“, erklärt ein Dauercamper auf Nachfrage der Volksstimme, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Auf Bakterien untersucht

Seit Ende der 1950er-Jahre sei er Camper am Barleber See. „Eigentlich war die Entwicklung seitdem immer positiv, aber jetzt sieht es so aus, als würde es den Bach runtergehen.“ Der Camper ist der Überzeugung: Sobald sich die Probleme mit den Blaualgen herum sprächen, werde der Barleber See seine Campinggäste verlieren.

Jüngst hat Oberbürgermeister Lutz Trümper angekündigt, dass im Frühjahr 2019 mit der Restaurierung des Sees begonnen werden soll. Wie bereits vor rund 30 Jahren sollen Aluminiumsalze im See verteilt werden, um den Phosphor zu binden. Der enorm hohe Phosphorgehalt macht die Bildung der Blaualgen überhaupt erst möglich.

Notfallsystem bei Blaualgenplage

Sollten die sogenannten Cyanobakterien, die gefährlich für die Gesundheit sein können, in diesem Sommer wiederkommen, gibt es bei der Stadt ein Notfallsystem. Dazu gehören Extra-Duschen, Flyer und ein mögliches Badeverbot. Der Zustand des Sees wird täglich überwacht.

Sobald vor den Algen gewarnt wird, wird Charleen Reichel auf keinen Fall mehr ins Wasser gehen. Die Zwölfjährige hat am 14. Mai angebadet. Ihr Urteil: „Noch ist alles spitze.“ Der Barleber bleibt ihr Lieblingssee. Im Sommer 2017 bekam sie nach dem Baden jedoch einen Ausschlag auf der Haut. Ihr Arzt erklärte, es könne mit den Algen im See zusammenhängen. Jetzt ist Charleen vorsichtiger.

Badewasserqualität ausgezeichnet

Trotzdem gab es gerade vom Sozialministerium die Mitteilung, dass der Barleber See eine „ausgezeichnete Badegewässerqualität“ aufweise. Woran das liegt: Kriterien wie beispielsweise Sichttiefe, Nährstoffsituation oder Anfälligkeit gegenüber Algenmassenentwicklungen würden bei der Untersuchung der Seen nicht berücksichtigt, heißt es vom Ministerium.

Bei den mikrobiologischen Untersuchungen nach der Badegewässer-Verordnung des Landes und der entsprechenden EU-Richtlinie wird vor allem auf Bakterien geprüft, die auf fäkale Verunreinigungen hindeuten könnten. Und damit hat der Barleber See offenbar kein Problem.