Magdeburg l Sie klingt wie ein Weckruf, die Begründung einer Stadtratsvorlage, die in der jüngsten Dienstberatung des Oberbürgermeisters auf dem Tisch lag: Es sei die älteste Kultureinrichtung der Stadt (1525 gegründet), für die Stadtkultur ein bedeutender Lern- und Veranstaltungsort, das Herzstück des Gesamtsystems Stadtbibliothek und gehöre mit jährlich rund 300 000 Besuchern mit zu den am besten frequentierten Kultureinrichtungen der Stadt. Genau darum wiege der bauliche Zustand des Gebäudes im Breiten Weg und vor allem der Brandschutz schwer.

Gravierende Mängel

Und gerade dieser ist in einem desolaten Zustand. Der zuständige Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement hatte ein Ingenieurbüro mit der Analyse des Brandschutzes in der Stadtbibliothek beauftragt. Dabei sind dann gravierende Mängel entdeckt worden. Im Ergebnis der durchgeführten Bestandserfassung „stellen sich der Betriebssicherheit zuwiderlaufende bauliche und anlagentechnische Mängel als deutlich schwerwiegender dar, als im TÜV-Bericht ausgewiesen“, schreiben das Gebäudemanagement und Bibliotheksleiterin Cornelia Poenicke.

Und das sind die wesentlichen sicherheitsrelevanten Mängel:

● Die vorhandene Sprinkleranlage ist nicht betriebssicher, da die Wasserbevorratung und auch die bauliche Ausführung nicht die derzeit gültigen Anforderungen erfüllen.

● Eine Entrauchung des Gebäudes mittels der Lüftungsanlage ist nicht sicher möglich. Dies liegt an konzeptionellen Unzulänglichkeiten der Lüftungs- und Entrauchungsanlage sowie an unzulässigen Materialien und Komponenten (Aufhängungen, Brandschutzklappen, Rohrmaterialien).

● Eine altersbedingte Erneuerung der Brandmeldeanlage ist notwendig.

● Erforderliche Brandabschnitte sind baulich unzureichend ausgebildet, d. h. Wände reichen teils nicht bis zur Geschossdecke. Türen erfüllen zum Teil nicht die Anforderungen an die jeweilige Feuerhemmung.

● Brandabschnittswände und Schächte erfüllen nicht die Brandschutzanforderungen.

● Diverse Brandschotten (zum Beispiel massive Brandschutztüren) sind nicht vorhanden bzw. erfüllen in ihrer Ausbildung nicht die Anforderungen.

30 Jahre alte Technik

Dazu kommen noch erhebliche Mängel an der rund 30 Jahre alten Anlagentechnik des Gebäudes, etwa an der Lüftung, Klimatisierung, Heizung und an den Aufzügen. So ist die für eine Bibliothek wichtige Klimaanlage ausgefallen, und die Fahrstühle funktionieren nur noch teilweise.

Das Brandschutzgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass in der Zentralbibliothek zwingend eine Vielzahl von baulichen Maßnahmen notwendig sind, um den gesetzlichen Vorschriften, dem Unfall- und Gesundheitsschutz sowie den Anforderungen zur Betriebssicherheit des Gebäudes zu entsprechen. Und noch schlimmer: „Mit der ansteigenden Häufung des Ausfalls technischer Anlagen aufgrund des Alters besteht aktuell das Ausfallrisiko zur Nutzung des gesamten Gebäudes, da die Schutzziele der Bauordnung LSA (inkl. Arbeitsstättenrecht) bzw. die Maßgaben aus ursprünglich erteilten Baugenehmigungen nicht mehr vollumfänglich eingehalten werden“, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Im Klartext: Fallen mehrere Anlagen des Öfteren aus, muss die Stadtbibliothek im Breiten Weg geschlossen werden.

Das Gutachten geht auch davon aus, dass einzelne Reparaturen von Anlagen oder punktuelle Sanierungsmaßnahmen nicht mehr ausreichen die Stadtbibliothek muss komplett saniert und modernisiert werden und ein neues Brandschutzkonzept ist dringend notwendig. Die entsprechenden Planungen würden rund 300 000 Euro kosten, wie teuer die Finanzierung der Komplettsanierung wird, ist noch offen. Wichtig: Die Baumaßnahmen sollten in den Jahren 2021/22 umgesetzt werden.

Das ist dann die zweite „Großbaustelle“ Brandschutz, die der Stadt „im Nacken“ sitzt. Auch im Kulturhistorischen Museum gibt es bedeutende Mängel, speziell an der Rauchabzugsanlage. Dort muss die Stadt rund 1,3 Millionen Euro investieren.