Magdeburg l Joachim Fanger kann sich noch gut erinnern, wie er vor fast zwei Jahren am Morgen nach dem Feuer auf dem Gelände seines Autohauses am August-Bebel-Damm in Magdeburg stand. Die Werkstatthalle mit ihren 22 Hebebühnen war vollständig niedergebrannt. 20 Kundenfahrzeuge, die dort zur Reparatur abgestellt waren, wurden ebenfalls ein Opfer der Flammen. Auch in den Verkaufsräumen gab es zahlreiche Schäden, Neuwagen waren mit einer Rußschicht bedeckt. Und dennoch sagte er im ersten Instinkt: „Wir machen weiter.“

Und der Geschäftsführer des Autohauses für Volkswagen, Audi und Skoda behielt recht. Fast zwei Jahre lang wurde der Werkstattservice als Provisorium angeboten. „Wenn wir gesagt hätten, wir schließen bis alles wieder aufgebaut ist, wären danach alle Kunden weg gewesen“, gibt sich Fanger realistisch. „Das kann man sich in unserem Geschäft nicht erlauben“, sagt er. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entwickelte er deshalb innerhalb kurzer Zeit eine „Riesenlogistik“, wie er es nennt.

Ausweichstandort in Magdeburg-Stadtfeld

Über eine Whatsapp-Gruppe namens „„Wir stehen wieder auf“ tauschten sich die Kollegen aus, ein Schichtsystem wurde eingeführt, Schreibtische wurden geteilt. Wegen des Verlustes der Werkstatt wurde ein „Shuttle-Service“ zum zweiten Autohaus des Unternehmens in Burg eingerichtet, wohin die Fahrzeuge zur Reparatur oder Durchsicht gebracht wurden. Außerdem wurde als zweiter Ausweichstandort in der Spielhagenstraße in Stadtfeld eine Behelfswerkstatt angemietet und übergangsweise eingerichtet.

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Beides ist mittlerweile Geschichte, seitdem im November 2019 die neue Werkstatthalle in Betrieb genommen wurde, die als Ersatz für den zerstörten Vorgängerbau errichtet worden war. „Auf 1600 Quadratmetern können wir jetzt mit modernster Technik Autos reparieren“, sagt Joachim Fanger. 18 Hebebühnen und 24 Arbeitsplätze, darunter welche für E-Mobile, gibt es jetzt.

Kurz vor Weihnachten gab es die Prüfung durch den Hersteller aus Wolfsburg, so dass wieder nach dessen Standards gearbeitet werden kann. „Das Bestehen der Prüfung war ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk“, sagt der Autohaus-Chef.

98 Mitarbeiter im Autohaus

Trotz der schwierigen Zeit und der Abgänge einiger Kollegen gibt es heute wieder einen festen Stamm von 98 Mitarbeitern. „Das ist die gleiche Zahl wie vor dem Brand“, erklärt Joachim Fanger.

Finanziell war der Schaden immens. Mit Leistungsausfall, zerstörten Kundenfahrzeugen, Verlust der Werkstatthalle und den Kosten für den Wiederaufbau rechnet Fanger mit einer Gesamtsumme zwischen 6 und 10 Millionen Euro.

Zusätzlicher Wermutstropfen für ihn: Obwohl die Polizei zwei Verdächtige ermittelt hatte, die mit dem Brand in Verbindung gebracht werden konnten, ist es zu keiner Anklage gekommen. „Mangels ausreichender Beweise konnte keiner von ihnen als Täter sicher überführt werden“, hatte die Staatsanwaltschaft diese Entscheidung begründet.