Magdeburg l Es ist später Nachmittag und damit „Fresschenzeit“ für die Katzenminis im Garten von Hans-Eberhard Gille in der Kleingartenanlage Flora Stadtfeld am Lorenzweg in Magdeburg. Kaum schließt der 69-Jährige die Laube auf und es rascheln Tüten, sind die bunten, schwarz-weißen und grau getigerten Vierbeiner zur Stelle. Gille füttert sie jeden Tag, fühlt sich verantwortlich für die Streuner.

2017 waren es erst zwei herrenlose Streuner gewesen, die sich regelmäßig bei ihm blicken ließen. Er habe zweimal im Tierheim Bescheid gegeben, doch Hilfe sei nicht gekommen, erinnert er sich. „Da hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht“, sagt er.

Katzen nicht verhungern lassen

Erst nachdem sich das Magdeburger „Bündnis für Tiere“ dahinterklemmte, bewegte sich etwas. Doch da hatte es schon Katzennachwuchs gegeben. Neun Fellnasen tummeln sich inzwischen auf der Parzelle und kommen regelmäßig zum Fressen. „Man kann sie doch nicht einfach wegjagen und hungern lassen“, sagt der Tierfreund.

Er ist froh, dass sich der Verein und speziell auch dessen Mitglied Karin Stasch darum kümmert, dass die Katzen und Kater nach und nach kastriert werden. Denn das ist das Ziel. „Nur so lässt sich die unkontrollierte Vermehrung der Freigänger wirklich verhindern“, betont Karin Stasch.

Kastration kostet viel Geld

Es ist eine Geldfrage. Zwischen 80 und 140 Euro werden je nach Tier für den Eingriff fällig. Das Geld liegt mal nicht eben auf der Straße, weiß Rentner Hans-Eberhard Gille. Auch dem Verein fällt es nicht leicht, die Mittel aufzubringen.

Und doch konnten inzwischen acht Tiere aus der Gruppe kastriert werden, berichtet die Mitstreiterin des Tierschutzvereins. Drei davon wurden bezahlt über das Bündnis für Tiere und von Spenden aus dem Gartenverein, wo Rentner Gille gesammelt hatte; die anderen Eingriffe übernahm das Tierheim, also letztlich die Stadt. Das sei ein wichtiger Erfolg, betont Karin Stasch.

30 Katzen in Magdeburger Garten

Denn nur ein paar Gärten weiter gibt es schon das nächste Katzenproblem. Bei einer weiteren Familie aus der Sparte kommen inzwischen 30 Streunerkatzen zum Fressen. „Die Familie kümmert sich rührend, hat sogar eine Katzenklappe in der Tür zum Vorbau eingesetzt und Kissen ausgelegt, damit die Tiere im Winter ein warmes Plätzchen haben“, berichtet Karin Stasch.

Sie selbst engagiert sich schon seit 17 Jahren für herrenlose Katzen, seit mehreren Jahren ist sie im Verein aktiv. Gerade sei noch ein Anruf aus einer Gartenanlage in Ottersleben eingegangen; dort wurde eine wilde Mutterkatze mit vier Jungen gefunden. Der nächste Einsatz für Karin Stasch und ihre Mitstreiter. Immerhin konnte von den 30 Katzen aus der Sparte Flora Stadtfeld mit Hilfe des Vereins und über das Tierheim die Hälfte inzwischen auch kastriert werden.

Verein fängt scheue Tiere ein

Möglichst viele Samtpfoten unfruchtbar zu machen, sei das Ziel auch an den vereinseigenen Futterstellen. „Wir könnten noch viel mehr Kastrationen durchführen, wenn die Stadt uns dafür Geld geben würde. Dann könnten wir viel schneller reagieren“, erklärt die 70-Jährige. Der Verein nimmt sich die Zeit und verfügt über spezielle Fallen, um die scheuen Tiere einfangen zu können.

Doch zu direkten Finanzspritzen ist die Stadt Magdeburg nicht bereit. Sie verweist darauf, dass sie im Rahmen der tierärztlichen Betreuung des Tierheims jedes Jahr schon rund 300 Eingriffe bei den herrenlosen Katzen vornehmen lässt.

Ministerium stellt Geld bereit

Zudem sei das Bündnis für Tiere bei einem Pilotprojekt des Landes Sachsen-Anhalt beteiligt, bei dem überprüft wird, inwieweit sich die Kastration herrenloser Katzen auf deren Population auswirkt. Hierfür erhält das Bündnis für Tiere e. V. auch direkte finanzielle Unterstützung vom Ministerium. Allerdings ist das Projekt zeitlich begrenzt, zunächst bis Ende 2018.

Karin Stasch und ihren ehrenamtlichen Mitstreitern vom Verein geht es um langfristige Lösungen. „Hier würde allein eine flächendeckende Kastrationspflicht rechtliche Sicherheit bringen und ein Signal sein an Katzenbesitzer, die ihre Tiere vordie Tür lassen“, betont sie. Rund 400 Kommunen in Deutschland machen dabei schon mit. In Sachsen-Anhalt hat Bad Dürrenberg als erste Kommune 2010 eine solche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht eingeführt. Gegenüber der Volksstimme hieß es, man habe positive Effekte festgestellt. Es gebe seither weniger Meldungen über Funde von Katzenjungen.

Magdeburg lehnt Kastrationspflicht ab

Doch die Magdeburger Stadtverwaltung will von einer Kastrationspflicht für Freigänger weiterhin nichts wissen. „Wir Tierschutzvereine bleiben dabei, dass wir in Magdeburg ein Katzenproblem haben und die Kastrationspflicht brauchen“, betont Karin Stasch. An Tierfreunde appelliert sie, sich bei Welpenfunden Hilfe zu holen, damit die Tiere kastriert werden können. „Melden Sie sich beim Tierheim oder bei uns im Verein, damit wir uns kümmern können“, betont Karin Stasch.