Magdeburg l Einige hielten Willi Polte in den frühen 1990er Jahren für ein bisschen verrückt. Das Werben um die Bundesgartenschau (Buga) in Magdeburg gehörte zu den ersten Amtshandlungen des ersten Nachwende-Stadtoberhauptes. Die dazu nötigen Millionensummen in Erwartung von Millionen Besuchern, machten manchen Magdeburger schier schwindelig.

Am Ende sollte sich die 1999 auf altem russichen Militäracker ausgerichtete Schau mehr als lohnen. Nicht nur wegen der 2,4 Millionen Gäste, welche zur Buga nach Magdeburg reisten, sondern vor allem, weil nebst der umgerechnet 80 Millionen Euro teuren Verwandlung der Militärbrache in einen Riesengarten öffentliche und private Investoren noch einmal etwa 350 weitere Euro-Millionen in Hotels und neue Straßen, ein Spaßbad, zwei neue Brücken, ein neues Messezentrum und den grünen Campus der Fachhochschule investieren.

Stadt Magdeburg steuert Millionen bei

Beachtlich wurden allerdings auch die Folgekosten bei der Unterhaltung. 2,2 Millionen Euro pro Jahr steuert die Stadt Magdeburg bis heute für den Parkbetrieb bei. Statt 2,4 Millionen kommen aktuell rund 300.000 Besucher pro Jahr; 2019 zählte der Elbauenpark neuzeitlich schon recht stattliche 324.908 Gäste.

In die Debatte um die Weiterentwicklung des Parks stößt die Linksfraktion im Stadtrat mit der Idee zur Buga-Neuauflage. 20 Jahre nach der ersten Schau sei ein Investitionsstau unübersehbar, heißt es im Antrag der Fraktion zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie für eine Buga Nummer zwei. „Einiges wurde zurückgebaut, Nachpflanzungen fehlen, die Spielbereiche sind in die Jahre gekommen, Kunstobjekte verfallen, die Ausstellung im Jahrtausendturm muss ergänzt und modernisiert werden“, zählen Fraktionschefin Jenny Schulz und Oliver Müller, kulturpolitischer Sprecher, auf und verweisen auf Erfurt. Die Iga-Stadt, die ab 1961 als Dauerausrichterin der größten Internationalen Gartenbauausstellung des Ostblocks Geschichte schrieb, richtet zur Aufwertung ihres heutigen Egaparks die Buga 2021 aus.

Eine Mehrfachvergabe der Buga an eine Stadt Magdeburg sei nicht ungewöhnlich, sagt Sibylle Eßner auf Nachfrage. Die Sprecherin der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft mit Sitz in Bonn gibt den Magdeburgern zwei Hinweise an die Hand. „Bis 2031 sind wir schon mit anderen Kommunen im Gespräch.“ Magdeburg müsste sich also hinten anstellen. Für eine erfolgreiche Neubewerbung müsse die Stadt außerdem deutlich mehr wollen, als nur ihren alten Park aufzuwerten. „Die Erweiterung eines bestehenden Geländes im Sinne von Stadt- und Quartiersentwicklung wäre aber ein denkbarer Ansatz“, so Eßner.

Wissenschaftshafen einbinden

Die Linke schlägt die Parkentwicklung „unter Einbindung des Wissenschaftshafens“ vor; der liegt gleich gegenüber am anderen Elbufer. Erst im Vorjahr traten CDU/FDP mit der Idee einer Verbindung von Hafen und Park mittels Seilbahn an.

Carola Schumann (FDP) und Christian Hausmann (SPD) schlossen sich der neuen Buga-Initiative sogleich mit detailreichen Ergänzungsvorschlägen bis hin zum Wickelraum im Kassenhaus an. Eine Ratsmehrheit überwies die Debatte zur neuen Buga-Bewerbung zunächst in ihre Fachausschüsse.

Steffen Schüller, Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft und zugleich Elbauenpark-Chef, kann sich eine zweite Buga gut vorstellen. „Man darf groß denken, zum Beispiel auch an die Internationale Gartenbauausstellung. Sie findet alle zehn Jahre statt; das nächste Mal 2037.“

Elbauenpark wird umgestaltet

Er begrüße den Gedanken einer Neubewerbung, so Schüller, und könne sich parallel zur Aufwertung des Parks die Gestaltung angrenzender Räume an der Elbe vorstellen. Bereits 2019 hatte der Rat dem Park eine Kur verordnet – für 11,6 Millionen Euro aus Fördertöpfen. Das Geld steht aus. Schüller hofft auf Baustart 2021, denn selbst im Falle einer Buga-Neuauflage nach 2030 könne der Park bis dahin nicht einfach bleiben, wie er ist.