Magdeburg l Der bloße Blick auf die Wahlergebnisse ließ eigentlich allen Grund zur Freude für die CDU zu. Ganz oben steht da bei der Erststimme im Wahlkreis Magdeburg/Schönebeck Tino Sorge.

Der Christdemokrat ist 2013 als Neuling ins Rennen um das Direktmandat gegangen, hatte es errungen und es nun sogar verteidigt. Das ist vor ihm noch keinem CDU-ler gelungen.

Starker Einzug der AfD

Rund neun Prozentpunkte verliert Sorge jedoch. Ein Grund für die verhaltene Stimmung. Der zweite ist der starke Einzug der AfD. Sorge feiert dennoch seinen zweiten Wahlsieg. In der „Texaskiste“ in Magdeburg-Nordwest hat er Weggefährten zur Party eingeladen. Nach den Hochrechnungen gegen 18 Uhr gibt es enttäuschte Gesichter.

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Trotzdem ist Tino Sorge schon zu diesem Zeitpunkt optimistisch, wieder das Direktmandat zu holen. Die Zahlen bestätigen später seine Vermutung. Im Laufe der Auszählung kann er seinen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern ausbauen. Und dann erklingen auch „Tino, Tino“-Rufe auf der CDU-Wahlparty.

Keine Zusammenarbeit mit AfD

„Dass ich mein Direktmandat verteidigen konnte, ist ein Riesenerfolg“, so der 42-Jährige. Den Einzug der AfD in den Bundestag betitelt Sorge als „nicht schön“. „Das Klima in der Politik wird rauer.“ Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er aus. Inhaltlich will sich der Magdeburger weiterhin für die Gesundheitspolitik stark machen und sich für eine wohnortnahe medizinische Versorgung einsetzen.

Denkbar schlechte Stimmung herrscht in der SPD-Zentrale, dem Ernst-Reuter-Haus in der Bürgelstraße, als punkt 18 Uhr die ersten bundesweiten Prognosen zum Wahlausgang über die Leinwand flimmern. Keine Spur von Partylaune. Das starke Abschneiden der AfD wird mit Kopfschütteln quittiert.

Burkhard Lischka mit Direktmandat

Spitzen- und Direktkandidat Burkhard Lischka (21,7 Prozent) hatte schon kurz zuvor auf Nachfrage gesagt: „Ich habe keine Illusionen.“ Aussichten aufs Direktmandat rechnete sich Lischka vor dem Hintergrund der allgemeinen Stimmungslage nicht aus, als SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt wird er dennoch erneut in den Bundestag einziehen.

Nach einem Moment der Fassungslosigkeit dreht Lischka den auf die Leinwand der Wahlparty übertragenen Fernsehkommentatoren den Saft ab und nimmt selbst das Mikrofon zur Hand: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen!“

Keine große Koalition

Dann schwört Lischka die eigenen Reihen auf Opposition ein. „Ein Grund für das Erstarken der AfD ist die große Koalition. Das darf nie eine Dauerregierung sein. Wir hatten zu wenig Streit in den letzten vier Jahren.“ Es müsse wieder lauter und kontroverser zugehen, „sonst überlassen wir denen die Bühne, die Hass und Hetze säen“. Die Magdeburger Genossen quittieren Lischkas Ansage mit Beifall.