Magdeburg l Frauchen und Herrchen sind nicht da. Ein unvorhergesehener Krankenhausaufenthalt vielleicht oder eine Dienstfahrt. Schön, wenn Nachbarn oder Bekannte einspringen, den geliebten Stubentiger versorgen oder eine Zeitlang sogar mit zu sich nach Hause nehmen. Doch jeder Katzenliebhaber weiß: Fremdes Revier ist so gar nichts für das selbstbewusste Samtpfötchen. Das fühlt sich auf eigenem Terrain am wohlsten. Dazu kommt: Schnell löst sich der Plan in Luft auf, wenn die treuen Helfer aus der Nachbarschaft mal selbst nicht können. „Das hab ich auch schon erlebt“, berichtet die Magdeburger Katzenfreundin Tina Reckert. Dann ist guter Rat gefragt – oder versierte Hilfe anderer Katzenliebhaber. Genau dieser Gedanke steckt hinter der Arbeit des „Freundeskreises Katze und Mensch e. V.“, den es schon seit 1995 in Deutschland gibt. Hier helfen sich Katzenbesitzer in regionalen Gruppen vor Ort gemeinsam bei der Betreuung ihrer Tiere.

Fast 160 Gruppen mit 8500 Mitgliedern gibt es schon bundesweit. Sachsen-Anhalt war in dieser Hinsicht bisher noch ein (fast) weißer Fleck auf der Landkarte. Nur in Halle und – ganz neu – in Bernburg gibt es bisher solche Gruppen Gleichgesinnter. Das soll sich ändern. Tina Reckert plant für die Elbestadt die Gründung einer weiteren lokalen Gruppe und hofft auf viele Mitstreiter.

Kurze Wege sind das Ziel

Denn: Je mehr mitmachen, je leichter lässt sich Hilfe beim „Catsitting“ organisieren. Schön wäre es, Helfer an vielen Punkten in der Stadt mit an Bord zu haben, sagt Tina Reckert. „Wenn wir eine große Gruppe, verteilt über das Stadtgebiet, aufbauen könnten, wäre das super.“ Denn das bedeute möglichst kurze Wege für die Betreuer. Hilfe warte dann sozusagen „um die Ecke“.

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Das Motto des Vereins lautet: Katzenbetreuung auf Gegenseitigkeit der Mitglieder. Dabei gelte der Grundsatz, jeder kann mitmachen, der Katzen zu betreuen hat und bereit ist, welche zu betreuen. Die Besonderheit sei, so betont Tina Reckert: „Die Katzen bleiben zu Hause, in ihrem Revier.“ Die Betreuer gehen in die Wohnung oder das Haus, in dem die Katzen leben, um sie zu versorgen. Die ein oder andere Streicheleinheit inklusive.

Geförderter Austausch

„Wir planen auch regelmäßige Treffen, also Stammtische“, erklärt die Tierfreundin. So lerne man sich in der lokalen Gruppe besser kennen, könne Betreuungstermine koordinieren, klönen, Tipps austauschen und sich mit anderen Katzenfreunden vernetzen. „Das Schöne ist dabei auch – hier haben eben alle wirklich Katzen, keinen Hund oder Wellensittich. Sie wissen, wovon sie reden“, meint Tina Reckert.

So könne man deutlich entspannter auch mal länger aus dem Haus sein, ohne dass das schlechte Gewissen mit auf Reisen geht und man das Gefühl habe, „etwas wiedergutmachen zu müssen“. Die Katzen haben kaum Stress während der Abwesenheit ihrer Menschen, da sie in vertrauter Umgebung bleiben. Noch ein Vorteil des „Catsitting“: Die Gruppe garantiere, dass jemand da ist, auch wenn der Hauptbetreuer mal ausfallen sollte oder wenn man ganz plötzlich Unterstützung brauche. „Da wir uns in der Gruppe kennen, ist es auch kein Problem, einem Mitstreiter meinen Schlüssel und meine Katzen anzuvertrauen. Nebenbei werden auch noch meine Blumen gegossen und mein Briefkasten geleert, wenn ich das will“, erklärt Tina Reckert.

Die Kosten einer Mitgliedschaft im Verein „Freundeskreis Katze und Mensch e. V.“, unter dessen Dach die lokalen Gruppen tätig sind, sei zudem überschaubar, betont sie.

Stammtisch für Gründung

Laut Tina Reckert fallen keine weiteren Kosten an als der jährliche Mitgliedsbeitrag (37,50 Euro, ermäßigt 15 Euro). Die Beiträge würden so gut wie vollständig für Tierschutzmaßnahmen ausgegeben, da alle ehrenamtlich tätig seien. Nach der Coronazwangspause werde es einen Gründungsstammtisch geben, kündigt Tina Reckert an. „Ort und Zeit werden noch rechtzeitig mitgeteilt“, meint sie. Und: „Jeder Interessent ist herzlich willkommen!“ Man sei nicht gezwungen, gleich Mitglied im Verein zu werden, sondern könne sich auch erst mal nur informieren und reinschnuppern. „Dazu lade ich alle Katzenfreunde ein“, meint Tina Reckert, die sich selbst freut, vielleicht schon bald einen Betreuer für ihre beiden siebenjährigen Kater Rem und Tap zu haben. Wenn es also auch bei ihr mal wieder heißt: Katzen allein zu Haus.