Bad Salzelmen l Eine Anzeige des Landesverwaltungsamtes in der Volksstimme rief die Bürgerinitiative, die auch gegen den Standort der Schirm GmbH kämpft, auf den Plan. Ein Recyclingunternehmen aus dem niedersächsischen Ritterhude hat demnach Genehmigungen erhalten, um sich in einem Gewerbegebiet in Bad Salzelmen anzusiedeln. Eine Ansiedlung mit Zündstoff.

Zündstoff im wahrsten Sinne des Worte. Denn die Firma Organo Fluid von Inhaber Wolfgang Koczott blickt auf eine bewegte Firmengeschichte zurück. Das Recyclingunternehmen produzierte ursprünglich in der niedersächsischen Kleinstadt Ritterhude bei Bremen. Bis zu einem folgenschweren Unglück im September 2014. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass am 9. September 2014 ein schweres Unglück die heile Welt in der Kleinstadt zum einstürzen brachte.

Mehrere Explosionen in dem Unternehmen zogen einen riesigen Feuerwehreinsatz nach sich. Ein Mitarbeiter von Organo Fluid kam ums Leben. Da das Werksgelände unmittelbar an ein Wohngebiet grenzte, wurden Häuser und zahlreiche Existenzen zerstört. Die Geschichte des Recycling-Unternehmens endete an diesem Tag in Ritterhude.

Doch Firmeninhaber Wolfgang Koczott und sein Mitarbeiter Markus Buch gaben nicht auf. Wie Recherchen des Weserkuriers ergaben, suchten sie einen Standort für einen Neuanfang. Wie die Zeitung berichtete, streckte das Unternehmen im Sommer 2015 seine Fühler ins thüringische Niederorschel im Landreis Eichsfeld aus. Der Ort liegt etwa 60 Kilometer von einem Göttinger Standort der Koczottfirma EPA entfernt, wo allerdings lediglich Stoffe destilliert und nicht – wie in Ritterhude – verbrannt werden.

Die Pläne, in Thüringen neu Fuß zu fassen, scheiterten aber an einem Votum einer Bürgerversammlung und des Gemeinderates des 3000-Seelen-Ortes. Die Suche ging für Organo Fluid also weiter. 2016 kam dann der Kontakt nach Schönebeck zustande. Die Volksstimme berichtete erstmals im November über die Pläne des Unternehmens. Ursprünglich sollte das Chemie-Recycling-Unternehmen eine Fläche in der Wilhelm-Dümling-Straße beziehen. Diese erwies sich aber ebenfalls als problematisch. Als geeignete Alternative bot die Stadtverwaltung um Baudezernent Guido Schmidt und den damaligen Wirtschaftsförderer Detlef Lorbeer ein städtisches Grundstück im Industriepark West (Bad Salzelmen) an.

Und für eben jenes Grundstück liegt nun eine Genehmigung des Landesverwaltungsamtes vor. Gemäß einer öffentlichen Bekanntmachung, die die Volksstimme veröffentlichte, wurde eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für eine Recycling-Anlage zur Aufbereitung von Kunststoffen mit einer Durchsatzkapazität von 150 Tonnen pro Tag, zur Destillation von Lösemitteln und zur zeitweiligen Lagerung von 450 Tonnen gefährlicher Abfälle und 450 nicht gefährlicher Abfälle erteilt. Gegen diese Genehmigung kann Widerspruch eingereicht werden.

Und für eben jenes Grundstück liegt nun eine Genehmigung des Landesverwaltungsamtes vor. Gemäß einer öffentlichen Bekanntmachung, die die Volksstimme veröffentlichte, wurde eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für eine Recycling-Anlage zur Aufbereitung von Kunststoffen mit einer Durchsatzkapazität von 150 Tonnen pro Tag, zur Destillation von Lösemitteln und zur zeitweiligen Lagerung von 450 Tonnen gefährlicher Abfälle und 450 nicht gefährlicher Abfälle erteilt. Gegen diese Genehmigung kann Widerspruch eingereicht werden.

Das hat die Bürgerinitiative „Schönebeck ohne Gift- und Geruchsbelästigung“ um Renate Fiedler nach eigenen Angaben getan. Sie wandten sich in einem Schreiben an alle Stadtratsfraktionen. Die Gruppierung, die sich auch gegen den Standort der Schirm GmbH einsetzt, wirft dem Unternehmer Dr. Wolfgang Koczott dabei unlautere Geschäftspraktiken vor. Koczott betreibe laut Fiedler mehrere Unternehmen. Eines davon firmiert noch immer auf dem Sitz in Ritterhude, der nach Volksstimme-Recherchen allerdings schon lange nicht mehr in Betrieb ist. Dort steht kein Gebäude mehr „Er scheint sehr überzeugend und mutmaßlich skrupellos zu sein, wenn es um seine unternehmerischen Interessen geht“, so Fiedler. „Wer bereits mit solch einer Vergangenheit lebt, und schon bei der Antragstellung mutmaßlich so trickst, darf keine Genehmigung erhalten, einen sensiblen Betrieb bauen und führen zu dürfen.“

Nach eigenem Bekunden wolle der Unternehmer andere Prozesse in seinem neuen Betrieb in Schönebeck anstoßen, als in dem Betrieb in der niedersächsischen Kleinstadt. Das sagte er bei einem Besuch in der Elbestadt in 2016 (Volksstimme berichtete). „Niemand beabsichtigt einen Wieder-Aufbau nach altem Stand, unter ähnlichen Bedingungen und bei identischem Tätigkeitsumfang, schon gar nicht in Schönebeck“, erklärte der Unternehmer bei einem Besuch im Schönebecker Bauausschuss in 2016. Der Betrieb in Ritterhude sei zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr existent gewesen und „mustergültig geräumt“.

Zu den aktuellen Entwicklungen äußerte sich das Unternehmen jedoch nicht. Die Volksstimme fragte dazu mehrfach telefonisch sowie schriftlich auf dem elektronischen Postweg nach. Eine Sekretärin bestätigte lediglich, dass eine Ansiedlung in Schönebeck bevorstünde.