Magdeburg l Andy Lotz lebt in einer Welt aus Superhelden. Spiderman, Batman, Superman – er kennt sie alle. Und er weiß, manch einer mag denken, „der hat doch einen Befund“. Da lächelt Andy Lotz drüber. Dem ist natürlich nicht so. Der 48-Jährige ist lediglich Comic-Fan.

Mosaik-Hefte nach wie vor beliebt

Seit nunmehr 23 Jahren betreibt er einen Comic-Laden, seit mehr als einem Jahrzehnt ist er Mitveranstalter der Manga- und Anime-Convention „Contaku“. Magdeburg habe durchaus eine große Fangemeinde, weiß er. Und das seien mit Nichten nur Jugendliche. Auch viele Erwachsene gehören zu seinen Kunden. „Zu DDR-Zeiten kam man eben nur schwer an Comics ran oder konnte sie nicht bezahlen. Das holen einige jetzt nach.“ Daher seien die Mosaik-Heftchen auch heute noch so beliebt.

Buchläden hatten an Comics kein Interesse

Er selbst lese zur Zeit eher die Perry-Rhoadan-Hefte und einige Utopi-Romane. Begonnen habe aber alles ebenfalls mit Mosaik und Co. Im November 1995 eröffnete er seinen ersten Laden, damals hinter der Ambrosius-Kirche in Sudenburg. „Nach der Wende wollten sich alle selbstständig machen. Ich auch“, erzähl er. Gelernt habe er Elektriker, arbeitete lange bei der Bahn. Doch eigentlich wollte er Imker werden. Damit habe man zu DDR-Zeiten gutes Geld verdienen können, nach der Wende allerdings nicht mehr. Und auch seine Eltern waren davon wenig begeistert. Dann kam die Idee einer Videothek auf, doch die schossen zu der Zeit wie Pilze aus dem Boden.

In Mannheim, wo er einige Zeit berufsbedingt lebte, sei er dann auf einen Comic-Laden gestoßen und nahm die Idee mit nach Magdeburg. „Nicola der phantastische Spiele- und Leseladen“ war der Name seines ersten Geschäftes, in dem es zu Beginn eher um Rollenspiele ging. Die Nachfrage stieg, als 1997 Superman und Batman rauskamen. Damals fuhr er mit einem Golf-Kombi nach Mannheim und holte 6000 Comic-Hefte.

Auch Mädchen kamen ins Geschäft

Auch Mädchen gingen in dem Laden ein und aus – „weil wir Sailor Moon hatten“, erinnert er sich. Buchläden hatten sich den Comics damals noch verweigert. Was mittlerweile anders ist. Insgesamt sechsmal sei Andy Lotz mit seinem Laden umgezogen, war am Dom zu finden, in der Maxim-Gorki-Straße, im Nordabschnitt, am alten Fruchthof und seit 2012 ist er als „Comic-Kombinat“ in der Otto-von-Guericke-Straße.

Neben dem Angebot an Comics gibt es bei ihm auch die Möglichkeit in einem Nebenraum zu spielen. Bis zu 20 Leute treffen sich dort regelmäßig. Andy Lotz macht eher seltener mit. Derzeit ist er auf Messen unterwegs.

Als Fantasyfigur in Magdeburg

Und er organisiert quasi gerade selbst eine – die „Contaku“, eine Convention (Versammlung) insbesondere für japanische Popkultur, die am 10. und 11. August im Amo stattfinden wird. In den vergangenen Jahren war sie auf dem Moritzplatz verortet. Leider habe es dort immer wieder Probleme mit den Zuwanderern gegeben, trotz Sicherheitsdienst habe es Ärger gegeben, Mädchen seinen fotografiert und viele respektlos behandelt worden, erzählt er. Deswegen sei die Community nun ins Amo gezogen. „Die Cosplayer wollen zwar gesehen werden, aber von Leuten, die Respekt haben oder das verstehen.“ Denn die Fans der Cosplay-Szene verkleiden sich als Fantasiefiguren.

Auch Andy Lost macht mit. Allerdings ist er weniger ein Anhänger japanischer Mangas und Anime. In den vergangenen Jahren verkleidete er sich bereits als Darth Vader (Star Wars), war Captain Picard (Raumschiff Enterprise), Bob der Baumeister, Fred Feuerstein und ein Plüscheinhorn. Einmal verkleidete er sich auch als seine Lieblingscomicfigur Homer Simson. Allerdings sagt er auch: „Nie wieder etwas, wofür ich mir Farbe ins Gesicht schmieren muss.“ In wen er sich dieses Jahr verwandelt, weiß er noch nicht. Sehr extravagant wird es jedoch nicht. Denn: „Ich kann an der Kasse nicht als Cosplay sitzen. Da erkennt mich doch keiner.“

3,4 Millionen Euro für ein Detective-Heft

Um den Verkauf von Comics und Mangas geht es bei der Contaku übrigens nicht wirklich. Wohl aber wie sie gezeichnet werden. Im Laden hat Andy Lotz sogar ein paar Originale und Zeichnungen beispielsweise vom Comiczeichner Chad Hardin. Stolz ist er auch auf Cover, die eigens für seinen Laden gezeichnet wurden. Extrem wertvolle, die Tausende von Euro kosten, habe er nicht im Sortiment. Könnte er sich eines Wünschen, wäre es das Detective Comic Nr. 27 aus dem Jahr 1939. Es gehört zu den teuersten Comics der Welt und wurde für einen 3,4 Millionen US-Dollar verkauft. Das teuerste Comic, das Andy Lotz hat, ist etwa 300 Euro wert.