Magdeburg l Von einem Normalbetrieb an den Schulen in Magdeburg kann längst noch keine Rede sein. Doch nach und nach gehen immer mehr Kinder und Jugendliche wieder zum Unterricht. Doch vieles ist anders als zuvor: Es gelten Sicherheitsabstände und verschärfte Hygienebestimmungen, damit sich das Coronavirus nicht wieder in Magdeburg ausbreiten kann. Vor Herausforderungen stellt das die Familien, die Lehrer – aber auch die Stadt.

Grund: Die Stadt Magdeburg ist zuständig für die Ausstattung der Schulen, während das Land für die Inhalte und die Lehrkräfte zuständig ist. In Ausschuss für Bildung, Schule und Sport berichtete Kerstin Richter, Fachbereichsleiterin Schule und Sport in der Magdeburger Stadtverwaltung, jetzt: „Die Schulleiter sind dabei, den Betrieb anlaufen zu lassen.“ Zwar herrsche an den Schulen im Moment wegen der Pfingstferien und trotz einer Reihe freiwilliger Angebote an einigen Häusern Ruhe – doch damit dürfte es in den kommenden Tagen vorbei sein.

Zusätzliche Desinfektionen

Das Kommunale Gebäudemanagement, das für den Betrieb der öffentlichen Schulen zuständig ist, unterstützt die Hygienemaßnahmen unter anderem mit zusätzlichen Reinigungen. Handläufe, Türklinken und Schalter sollen so zwei Mal am Tag, Tische einmal am Tag gereinigt werden. Außerdem gibt es eine Anweisung, die Räume mehrmals am Tag zu lüften, und die Sekretariate seien mit Schutzscheiben ausgestattet worden. Notwendig sei es aber auf jeden Fall, die Vorgaben immer wieder an die Situation anzupassen und sich untereinander abzustimmen, wenn etwas nicht klappt, so Kerstin Richter.

Dass an den Waschbecken in die Klassenräumen nur mobile Seifenspender und lose Papierhandtücher verteilt sind, hat derweil einen Grund: Bevor hier in fest installierte Spender investiert wird, sollen Erfahrungen gesammelt werden. Denn eigentlich sind die Waschbecken in Klassenräumen nicht für die Handhygiene vorgesehen sondern dafür, den Kreideschwamm nach der Reinigung der Tafel auswaschen zu können. „Bei geteilten Klassen kann ich mir vorstellen, dass das Händewaschen im Klassenraum funktioniert. Wenn die Klassen dann mit 28 Schülern wieder komplett sind, muss das nicht unbedingt der Fall sein“, so Kerstin Richter. Will heißen: Bevor das Händewaschen im Klassenraum für die Zukunft zur Regel wird, müssen Erfahrungen gesammelt werden, ob gar zu viele Kinder und Jugendliche die treffliche Möglichkeit einer Nassstrecke im Klassenraum als Motivation für Schabernack begreifen und damit Sachbeschädigungen und Unfälle provozieren.

Fest installierte Handtuch- und Seifenspender sind hingegen in den Sanitärräumen der Schulen in Magdeburg die Norm.

Herausforderung Abstand

Mit immer mehr Schülern, die wieder gleichzeitig an den Schulen sind, wird die Wahrung der Abstandsregeln zu einer immer größeren Herausforderung. Zum einen geht es dabei um die räumlichen Gegebenheiten unter anderem in Fluren und Treppenhäusern, die bei einem voll besetzten Schulhaus nie für Abstände von 1,5 Metern berechnet worden sind. Dies, so gesteht die Stadtverwaltung den Schulleitungen zu, stelle eine echte Schwierigkeit dar.

Zum anderen geht es aber auch um das Verständnis der Schüler. Selbst bei den verständigsten Mädchen und Jungen sei beispielsweise im Grundschulalter kaum zu vermitteln, dass sie einander auch nicht in den Pausen nahe kommen können, erläuterte FDP-Stadträtin Carola Schumann bereits im April. Als Grundschullehrerin lautet ihr Vorschlag: Kinder sollten zumindest einer definierten Gruppe von Freunden nahe kommen dürfen. Dann müsse nur darauf geachtet werden, dass die Gruppen Abstand halten. Durchaus überlegenswert, hatte es dazu von Kerstin Richter geheißen. Doch die entsprechenden Regeln würden vom Land vorgegeben – hier habe die Stadt schlicht und ergreifend keine Entscheidungskompetenzen.