Magdeburg l Der Spielbetrieb in Magdeburger Kultureinrichtungen ist durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Abstandsregeln bis heute stark ausgedünnt oder liegt komplett brach. Selbst unter freiem Himmel ist Kulturgenuss nur unter strengen Auflagen und mit Abstandsgebot erlaubt. Sommertheater mussten reihenweise absagen.

Der Stadtrat hat die andauernden Probleme im Blick und versucht sie mit einer weiteren Finanzspritze zu lindern. Nach einem ersten Hilfspaket – insgesamt 150.000 Euro für freie Künstler in Not – soll die Stadt nachlegen und „weitere Finanzmittel in Höhe von 100.000 Euro zur unbürokratischen Auszahlung an freie Kulturschaffende für die unmittelbare Zeit nach der Corona-Pandemie zur Verfügung stellen“. Das Geld ist zur Unterstützung von Projekten der Wiederaufnahme des Kulturbetriebes vorgesehen. Der Stadtrat stimmte dem Antrag des Kulturausschusses mit großer Mehrheit zu; Gegenstimmen kamen von der AfD, Enthaltungen aus Teilen der CDU.

Der Kulturausschussvorsitzende Oliver Müller (Linke) verweist darauf, dass die Frage der Perspektive nach der Krise für viele Magdeburger Kulturschaffende unbeantwortet ist. Einrichtungen und Künstler sind nach wie vor in existenziellen Nöten und blicken in eine ungewisse Zukunft.

Als „ernst und brenzlig“ bezeichnet Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) die Lage. „Unter den aktuellen Bedingungen können Kultureinrichtungen nicht kostendeckend arbeiten. Die Kunst macht Minus.“ Er selber, so Trümper, kenne zwei Künstler, die inzwischen als Busfahrer arbeiten. „Sie können nicht anders existieren.“

Wegen des andauernden Abstandsgebotes dürfen kleine Kultureinrichtungen Gäste nur zahlenmäßig stark dezimiert begrüßen. Der neue 100.000-Euro-Schutzschirm zum Erhalt der Häuser muss von der Verwaltung mit rechtssicheren Auszahlungsrichtlinien untersetzt werden. Wann und unter welchen Bedingungen das Geld fließen kann, ist noch unklar.