Magdeburg l Zum letzten Mal hat am 23. Juni vergangenen Jahres der Magdeburger Fahrradaktionstag in der bekannten Form stattgefunden. Zum achten Mal war wie in den Jahren zuvor meist an einem Sonnabend im Juni die Veranstaltung mit Sternfahrt, Fahrrademo u. a. über den Magdeburger Ring und Familienfest rund ums Fahrrad vom Regionalverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) organisiert worden. ADFC-Vorstandsmitglied und Grünenstadtrat Jürgen Canehl sagt: „Wir sehen uns nicht mehr imstande, diese Veranstaltung ehrenamtlich auf die Beine zu stellen."

In der Pflicht sei die Stadt, sagt er, und verweist auf einen Beschluss des Magdeburger Stadtrats aus dem Jahr 2011. In diesem heißt es: „Zur Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit zur Radverkehrsförderung in Magdeburg wird der Oberbürgermeister beauftragt, beginnend mit dem Jahr 2011, jährlich einen öffentlichen Fahrrad-Aktionstag durchzuführen."

Stadt und ADFC hatten in Vorjahren gefremdelt

Zwar hatte die Stadt sich in den vergangenen Jahren zunehmend u. a. mit Ständen am Familienfest beteiligt. Doch noch im Jahr 2014 machte die Verwaltung per Stellungnahme deutlich, warum es knirscht im Getriebe: Als Stadt könne man sich nicht an politischen Demonstrationen beteiligen, wozu seinerzeit insbesondere die Demonstrationsfahrt über den Magdeburger Ring zählt. Zudem habe man sich am Elberadeltag zur Eröffnung der Saison beteiligt.

Eine ähnlich deutliche Ablehnung hat es in den vergangenen Jahren nicht mehr gegeben, und die Stadt war u. a. mit Ständen an dem Familienfest des Fahrradaktionstages beteiligt. Doch für neuerlichen Missmut dürfte beim ADFC zum Jahresende die Abstimmung zum Haushalt der Landeshauptstadt geführt haben. Dort war nämlich ein Antrag der Fraktionen der Bündnisgrünen, der Linken und der Gartenpartei zu einem Budget über 50 000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Radfahren abgelehnt worden. In diesem Rahmen hätte auch die Arbeit am Fahrradaktionstag professionalisiert werden können, so die Hoffnung des ADFC. Nicht erwärmen konnten sich seinerzeit die Antragsteller für einen Kompromissvorschlag der SPD, 15 000 Euro in die Öffentlichkeitsarbeit zu investieren.

Mit dem Aus für den Junitermin mit Demonstration und Familienfest möchte der ADFC sich dennoch nicht gänzlich von der Aktionsform verabschieden. Jürgen Canehl: „Die Menschen haben ja die Sternfahrt und die Fahrraddemonstration durch die Innenstadt und über ein Stück des Magdeburger Rings angenommen – vielleicht werden wir daran zu einem anderen Termin festhalten."

Land setzt auf eigenen Aktionstag

Einen konkreten Termin dazu gibt es allerdings noch nicht. Denkbar wäre beispielsweise, sich an den Aktionstag Radverkehr des Landes Sachsen-Anhalt anzudocken. Dieser findet wie in den vergangenen Jahren parallel zur Eröffnung der Fahrradsaison mit dem Elberadeltag statt. Ausrichter ist das sachsen-anhaltische Verkehrsministerium. Dessen Sprecher Peter Mennicke sagt: „Termin ist in diesem Jahr der 5. Mai. Es wird der sechste Aktionstag sein, der auf dem Freigelände des Ministeriums an der Turmschanzenstraße mit einer Vielzahl an Partnern ausgerichtet werden soll." Der Sprecher des Ministeriums spricht von der Notwendigkeit, die Kräfte zu bündeln. Und auch der ADFC sei in den vergangenen Jahren bereits Partner beim Aktionstag auf Landesebene gewesen.

In den vergangenen Jahren hat das Land seine Förderung für den Radverkehr intensiviert. So läuft noch bis 2023 ein Förderprogramm für den Ausbau der Radwegenetze in den Kommunen. Bis zu 90 Prozent der Kosten in den Städten und Gemeinden übernimmt in diesem Zusammenhang das Land.