Magdeburg l Thälmann passt nicht mehr ins Konzept – daher muss er weg. So lässt sich salopp und kurz die Position der Magdeburger Stadtverwaltung zusammenfassen, wenn es um die Sanierung der Magdeburger Stadthalle geht. Unterkommen soll das an den Kommunistenführer erinnernde Denkmal im Technik­museum.

Mit dieser kurzen Erklärung auf eine Anfrage der Fraktion Grüne/Future war Marcel Guderjahn nicht wirklich zufrieden. Der Stadtrat der Gartenpartei machte während der letzten Sitzung des Kulturausschusses im Jahr 2020 deutlich, dass das Denkmal inzwischen zur Stadthalle dazugehöre. Es handelt sich um eine 1983 vom Bildhauer Volker Beier geschaffene Plastik, die an eine Thälmann-Rede in der Stadthalle im Jahr 1932 erinnern soll.

Bewertung nötig

Kulturbeigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz befürwortete hingegen die Entscheidung: Das Denkmal werde eben nicht einfach nur verlagert, sondern dort in einen neuen Kontext eingebunden. „Das halte ich für eine sehr gute Idee.“ Im Rahmen der Weiterentwicklung des Technikumsueums werde ein „guter und prominenter Ort“ gefunden, der mit weiteren Objekten zu Ernst Thälmann arrangiert wird. „So wie in der Stadthalle ohne Bewertung können wir das Denkmal nicht wieder einbringen“, sagte die Kulturdezernentin.

Überzeugen konnte dies Mercel Guderjahn möglicherweise allein noch nicht, wohl aber die Argumente von Michael Stöneberg. Er ist im Kulturhistorischen Museum für den Bereich Zeitgeschichte zuständig. Unter anderem hatte er dort in den vergangenen Jahren Ausstellungen zum Neuen Bauen in Magdeburg und zum Wirken von Carl Krayl kuratiert. Er erläuterte: „Die architektonische Planung für die Sanierung der Magdeburger Stadthalle ist eine Rückführung auf die 1920er Jahre in Abstimmung mit Denkmalschutz. Ziel der Sanierung ist es, die Stadthalle nahe an der ursprünglichen Fassung zu zeigen.“ Dazu werden unter anderem die Bühne verlagert und ein größeres Foyer geschaffen. „Bei der Sanierung geht es also ausdrücklich nicht um ein Konzept, die verschiedenen Zeitschichten, die die Stadthalle erlebt hat, sichtbar zu machen und in Szene zu setzen“, so Michael Stöneberg.

Schwere Schäden im Krieg

Dabei hatte die 1927 eröffnete Stadthalle einige Umbrüche erlebt. Am schwersten waren aus baulicher Sicht dabei die schweren Schäden bei einem Bombenangriff. Wiederaufgebaut wurde die Halle samt baulicher Veränderungen in den Jahren 1959 bis 1966.

Zu ergänzen bliebe in diesem Zusammenhang aber auch: Natürlich wird die Stadthalle nicht komplett wieder so eingerichtet, wie dies in den 1920er Jahren der Fall war. So wird heute niemand auf eine moderne Heizungsanlage, auf zeitgemäße Be- und Entlüftung oder auf Barrierefreiheit verzichten wollen. Und auch die Veranstaltungstechnik muss in der sanierten Halle den Anforderungen des heutigen Showgeschäfts entsprechen.

Dabei geht es auch um Verzicht. Denn von einer Orgel ist in den aktuellen Plänen bislang nicht die Regel gewesen. Über ein solches Instrument hatte die Stadthalle bis zum Bombenangriff 1945, als sie schwer beschädigt worden war, verfügt. Als eines der modernsten Instrumente seiner Art war dieses von der Firma Wilhelm Sauer gebaut worden. Mit vier Manualen mit 131 Registern handelte es sich um eine sehr große Orgel.