Vorbereitungen zum gezielten Abschuss von "Schwarzkitteln" im Stadtpark nehmen Gestalt an

Die Landeshauptstadt als Jagdrevier: Zum Jahresende wird scharf geschossen

Auf 60 bis 80 Exemplare schätzt das Ordnungsdezernat, zugleich untere Jagdbehörde, aktuell die Wildschwein-Population im Stadtpark. Wegen immenser Flurschäden und aus Sorge vor einer Ausbreitung der Tiere über den Park hinaus sieht sich die Stadtverwaltung zum Handeln gezwungen - mit Waffengewalt.

Magdeburg l "Wildtiere im Stadtgebiet" lautet der simple Titel eines amtlichen Informationspapiers, das am Mittwoch die Magistratsrunde beim Oberbürgermeister passierte. Inhaltlich geht es in erster Linie um eben deren Abschuss.

Bereits Ende Juli berichtete die Volksstimme über Pläne der Stadt für eine Treibjagd auf Wildschweine im Stadtpark. Diese Pläne und darüber hinaus gehende Vorhaben zur Kontrolle und gegebenenfalls regelmäßigen Dezimierung des Wildtierbestandes im Stadtgebiet nehmen jetzt klare Gestalt an.

In einem ersten Schritt soll bis Mitte Oktober ein Stadtjäger bestellt werden. Aktuell ist die entsprechende Ausschreibung in Vorbereitung. Erste Aufgabe des Stadtjägers wird die Vorbereitung und Leitung der besagten Treibjagd im Stadtpark sein. Die Aktion selbst ist für Ende November/Anfang Dezember geplant. Gemeinsam mit der Kreisjägerschaft und dem Jagdbeirat soll der Stadtjäger ein Konzept zur Durchführung vorlegen. Dabei allerdings will es die Stadt nicht bewenden lassen.

"Der Erfolg einer einzigen Treibjagd auf Wildschweine im Stadtpark wäre nur von kurzer Dauer", heißt es dazu in der genannten Ratsinformation. Einer solchen Jagd müsse deshalb eine weitere "Ansitzjagd" (Abschuss von Tieren nach Beobachtung z. B. vom Hochstand) folgen. Von einer "Beseitigung des Bestandes" sei selbst bei mehrfacher Bejagung allerdings nicht auszugehen. Ziel ist nach Auskunft von Ordnungsamtschef Volkmar Emcke die merkliche Dezimierung.

Der Schwarzwildbestand im Stadtpark erweise sich bislang in erster Linie "als finanzielles Problem". Wildschweine zerwühlen und fressen regelmäßig die Bepflanzungen. Die Kosten für Nachpflanzungen und Begradigungsarbeiten hätten sich allein von Herbst 2011 bis Frühjahr 2012 auf rund 66000 Euro summiert. Gefährliche Begegnungen zwischen Mensch und Wild seien dagegen bisher die absolute Ausnahme gewesen. Der Stadtverwaltung ist lediglich ein Fall bekannt. Ein Radfahrer wurde im Stadtpark von einem Wildschwein verfolgt. Mit zunehmender Wilddichte könnten allerdings gefährliche Situationen immer weniger ausgeschlossen werden. Insbesondere durch vom Menschen mitgeführte Hunde könnten sich Wildschweine bedroht fühlen - und im Ernstfall angreifen. Zudem sei ohne Eingriff per Jagd eine Ausbreitung der Population auf den Klosterbergegarten und den Fürstenwall wahrscheinlich. "Dieser Entwicklung kann aus Sicht der Verwaltung nur noch mit einer effektiven Bejagung entgegengewirkt werden", bezieht Ordnungsbeigeordneter Holger Platz klar Position.

Grundsätzlich gilt das Stadtgebiet als "befriedeter Bereich" - jagen verboten. Allerdings erlaubten Ausnahmegenehmigungen bereits in der Vergangenheit eine Bejagung des Herrenkrugs und eines Areals am Salbker See. Für den Stadtpark wird es nun erstmals solche Ausnahmegenehmigungen geben. Sicherheitsbedenken von Parkbesuchern tritt Ordnungsamtschef Emcke entgegen. Die Jagdtermine würden rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben und am Tag der Treibjagd selbst Teile des Stadtparkes gesperrt und selbstredend würden Termine ausgewählt, zu denen im Park - wie aktuell zur Tageszeit - kein Hochbetrieb herrscht. "Wir werden alles tun, um Gefährdungen auszuschließen", sagt Emcke und wirbt daneben um Vertrauen in die Fachkunde von Jägern. "Ein Jäger schießt nicht auf irgendein Gebüsch, in dem sich was bewegt, sondern nur so, dass er das Wild unmittelbar ansprechen kann."

Für die Zukunft überdenkt die Stadt nicht nur im Stadtpark, sondern im gesamten Stadtgebiet ein verstärktes "jagdliches Handeln".