Finanzierung

Die Schließung des Magdeburger Saftladens für Menschen mit Alkoholsucht soll verhindert werden

Der Salbker Saftladen, in dem alkoholkranken Menschen dabei geholfen wird, ihre Abstinenz zu entwickeln und zu bestreiten, ist in finanzielle Schieflage geraten. Dass es zu einer Schließung kommt, will Magdeburgs Sozialbeigeordnete Simone Borris verhindern.

Von Karolin Aertel
Dieses Schild haben die Besucher des Saftladens am Eingang ihrer Werkstatt angebracht. Es verdeutlicht, welche Bedeutung die Einrichtung für die Menschen mit einer Alkoholkrankheit hat.  aft
Dieses Schild haben die Besucher des Saftladens am Eingang ihrer Werkstatt angebracht. Es verdeutlicht, welche Bedeutung die Einrichtung für die Menschen mit einer Alkoholkrankheit hat. aft Foto: Karolin Aertel

Magdeburg - Panik breitet sich unter den Besuchern und Ehrenamtlichen des Salbker Saftladens aus. Finanzierungsschwierigkeiten führen angeblich zur Schließung der in Magdeburg einzigartigen Einrichtung für Menschen mit einer Alkoholerkrankung. Um den Saftladen zu retten, soll er für andere Zielgruppen geöffnet werden, heißt es. Es brodelt in der Gerüchteküche.

Magdeburgs Sozialbeigeordnete Simone Borris nimmt die heiße Diskussion vom Herd und gibt Entwarnung: „Der Saftladen bleibt Saftladen und wird nicht geschlossen.“ Richtig ist: Es gibt Finanzierungsprobleme. Mit der von der Stadt vorgehaltenen Förderung in Höhe von 43.000 Euro könne der Träger, der Internationale Bund (IB), die Kosten des Saftladens nicht decken. Grund seien, so Borris, unter anderem die Personalkosten für eine Sozialarbeiterin. „Das Problem ist, dass dort nie eine Sozialpädagogin arbeiten sollte, da es sich um keine Suchtberatungsstelle, sondern ein niedrigschwelliges Angebot handelt.“ Dass der Träger dennoch eine Sozialpädagogin beschäftigt und daher die Kosten zu hoch sind, darüber müsse man jetzt reden.

Niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit Alkoholsucht

Gemeinsam mit der Regionalleiterin des IB, Nicole Schulze, dem Standortleiter Gerald Bache, Mitarbeitern aus Sozial- und Gesundheitsamt und auch den Ehrenamtlichen des „Saftladens“ will Simone Borris eine Lösung finden. „Ziel ist es, den Saftladen mit seinem entsprechend niedrigschwelligen Angebot an dem Standort auf alle Fälle aufrechtzuerhalten. Wie und mit wem wir das machen, das werden wir jetzt klären“, so Magdeburgs Sozialbeigeordnete. Es habe zwar tatsächlich Überlegungen gegeben, den Saftladen auch für andere Zielgruppen zu öffnen, doch davon sei fachlich unter anderem von der psychosozialen Arbeitsgruppe abgeraten worden. Fakt ist: „Ich habe mich mit meinen Ämtern zusammengesetzt und festgelegt: Der Saftladen bleibt Saftladen – ein niedrigschwelliges Angebot am Standort nur für diese Zielgruppe.“

Einst hatte der 2015 eröffnete Saftladen gar zwei Standorte – im Kannenstieg und in Salbke. Dieses Projekt stand zunächst in der finanziellen und inhaltlichen Leitung des Internationalen Bundes (IB) und wurde einige Jahre auch mit europäischen Mitteln gefördert. Nach drei Jahren wurde bereits der Saftladen des Standortes im Neustädter Feld aus finanziellen Gründen geschlossen. Das Projekt in Salbke etablierte sich derweil als ein wichtiges und geschätztes Projekt der Suchthilfe der Stadt. In Magdeburg gibt es kein vergleichbares Begegnungsprojekt für Betroffene und Angehörige mit Alkoholsucht.