Magdeburg l Ein Zeuge ruft am Montag gegen 18.05 Uhr bei der Polizei an und meldet, dass er im Strubepark drei Männer beobachtet, die mit Drogen handeln. Die Polizei rückt sofort an und kann zwei der Männer stellen, einen 19- und einen 20-jährigen Afrikaner. Bei ihnen können kleinere Mengen Cannabis sichergestellt werden, und die Beamten finden auch mehrere kleine Verstecke im Park, wo die Drogenhändler Ware deponiert haben. „Das ist durchaus ein Glücksfall, dass wir die Männer auf frischer Tat und im Besitz von Drogen gestellt haben“, sagt Kriminalhauptkommissar Jens Kubbutat. Sein Spezialgebiet in der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord ist die Drogenkriminalität.

Schwerpunkt Strubepark

Und er kennt den Strubepark sehr gut. „Leider ist das tatsächlich einer der Schwerpunkte des Drogenhandels in Magdeburg“, bestätigt Jens Kubbutat eine Vor-Ort-Recherche der Volksstimme von Mitte Januar. „2016 haben wir festgestellt, dass dort in größerem Umfang mit Drogen gehandelt wird.“ Hinweise aus der Bevölkerung und intensive Observationen durch die Polizei zeigen ein relativ klares Bild. „Wir kennen rund 160 Personen, die dort entweder mit Drogen handeln oder dort kaufen“, sagt Kubbutat. Die Händler seien zum größten Teil Schwarzafrikaner aus Guinea-Bissau, Gambia, Burundi, Eritrea und Mali. Auch einige Syrer seien darunter. Die Kunden kommen aus verschiedenen Ländern, auch Deutsche gehören dazu.

Gehandelt werde mit Cannabis-Produkten, Amphetaminen (meistens Crystal Meth), Heroin und Ecstasytabletten. Kokain sei nicht dabei, „das ist zu teuer“. Gehandelt würden meistens kleinere Mengen. Der Grund dafür sei, dass derjenige, der mit einer nur gering über dem sogenannten Eigenverbrauch liegenden Menge erwischt werde, in der Regel nicht in Haft genommen werden könne. Darum auch die vielen kleinen „Erdbunker“ im Park, in denen ebenfalls nur kleine Mengen deponiert würden. Darum liegt der Wert an Drogen, die im vergangenen halben Jahr von der Polizei im Strubepark sichergestellt werden konnten, bei vergleichsweise niedrigen 7500 Euro. Der Strubepark sei die unterste Ebene des Drogenhandels, dort finde der direkte Kontakt von Dealer und Konsument statt. „Dass wir an dieser Stelle für 7500 Euro Drogen vom Markt nehmen konnten, ist durchaus ein Erfolg“, meint Jens Kubbutat.

Und genau darum ist der Park auch bei der Magdeburger Polizei einer der Schwerpunkte im Kampf gegen die Drogenkriminalität. „Wir haben im vergangenen Jahr viele wichtige Erkenntnisse gewonnen“, sagt Polizeioberrat Daniel Herfen, Chef der Magdeburger Kripo. Im Laufe des Jahres wurde der Ermittlungsdruck auf die Szene im Strubepark immer weiter erhöht. Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei wurden immer wieder Razzien vorgenommen. Entscheidend dabei sei, die Händler zu ermitteln und vor allem sehr viel Unruhe in die Szene dort zu bringen, erläutert Jens Kubbutat die Strategie der Polizei.

Hinweis hilft

Insgesamt wurden dort 3000 Einsatzstunden von Polizeibeamten geleistet. Und die Strategie gehe auf. Die Szene sei verunsichert, die ersten Händler wichen bereits aus. „Wir werden darum in absehbarer Zeit den Verfolgungsdruck noch deutlich erhöhen“, sagt Daniel Herfen. Dabei arbeite man auch mit dem Ordnungsdienst der Stadt eng zusammen. Und wichtig seien immer Hinweise aus der Bevölkerung. Wie jener am vergangenen Montag, der zu einem schnellen Erfolg geführt hat.