Magdeburg l Im Rahmen der Magdeburger Nightline bieten Studenten Hilfe auf Augenhöhe für ihre Kommilitonen und alle anderen Anrufer, die nach einem anonymen Gesprächspartner suchen. Vorteil dabei: Die Zuhörer sind selber Studenten und kennen Probleme rund um Studium, Beziehung und Familie häufig aus ihrer eigenen Erfahrung, so dass sie gekonnt auf diese eingehen können.

Die Magdeburger Nightline wurde 2011 ins Leben gerufen. Erste Organisationsgespräche und Vorbereitungen standen in dieser Zeit im Vordergrund. Doch bis das Telefon für Anrufer freigeschaltet wurde, verging ein weiteres Jahr. Denn schließlich musste ein Raum mit Telefonanschluss her, der anonym ist. Mitte 2012 war dann ein passender Raum gefunden, so dass der Telefondienst an den Start ging.

Magdeburger Zuhörer werden geschult

Doch vor dem ersten Dienst stehen für jeden Zuhörer obligatorische Schulungen an. Im Rahmen eines Blockseminars erlernen sie vorab Grundlagen der Kommunikation. Auch Gesprächstechniken und insbesondere der Umstand, dass sich die Gesprächspartner nicht sehen, werden thematisiert. Bei praktischen Übungen wird das theoretisch Erlernte dann umgesetzt. „Das war sehr hilfreich und es war schön, voneinander zu lernen“, berichtet Anna G.* von ihren Schulungen, die auf gegenseitiger Hilfe basieren.

Geholfen wird nach einem psychologischen Prinzip: Es werden Fragen gestellt, die dem Anrufer neue Perspektiven eröffnen sollen und als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht sind. Dabei werden keine direkten Ratschläge erteilt. „Wir hören zu und geben keine konkreten Ratschläge, weil wir uns niemals anmaßen würden, in das Leben anderer Leute aktiv einzugreifen“, erklärt Anna G. diese Herangehensweise, „denn aus Erfahrung können wir sagen, dass es vielen Anrufern schon hilft, sich einfach mal auszusprechen.“

Engagement neben dem Studium

Die 24-Jährige sitzt seit zwei Jahren am Telefon der Magdeburger Nightline. Aufmerksam wurde sie auf den Service nach einer Mail, die in ihrem Unipostfach landete. „Ich fand das Projekt interessant und wollte mich neben dem Studium ohnehin engagieren“, erzählt sie.

Nach einem Infoabend wurde sie Teil der Magdeburger Truppe, die im Semester mittwochs und sonntags unter der Rufnummer 0391/6752075 zwischen 21 und 0 Uhr erreichbar ist. Zurzeit sind in Magdeburg zehn Nightliner aus ganz unterschiedlichen Studienrichtungen aktiv.

Projekt in ganz Europa vertreten

Doch gibt es nicht nur die Magdeburger Nightline. Denn das Projekt ist auch in zahlreichen anderen Studenten-Städten deutschland- und europaweit vertreten. So werden Anrufer, die versuchen die Magdeburger Nummer außerhalb ihrer Zeiten anzurufen, an eine andere Nightline weitergeleitet, die gerade aktiv ist. In welcher Stadt ein Anrufer landet, erfährt dieser direkt bei der Annahme des Gesprächs.

Die Mitglieder des Projekts sind zwar geschult und besetzen die Telefondienste zu zweit, um einander unterstützen zu können, doch sind die Zuhörer eben keine Profis, die bei allen Problemen ausreichend Hilfe leisten können. Anrufern, denen am Telefon nicht weitergeholfen werden kann, werden professionelle Beratungsangebote genannt.

Magdeburger lernen eigene Grenzen kennen

„Durch die Telefondienste lernt man auch sein eigenes Kommunikations- und Konfliktverhalten viel besser kennen und stellt teilweise auch eigene Grenzen fest“, berichtet Anna G. aus der Praxis.

Als unabhängiges Referat des Studierendenrats der Otto-von-Guericke-Universität wird die Magdeburger Nightline von diesem finanziell unterstützt. Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mail unter nightline@ovgu.de melden. Die Schulungen sind kostenlos.

* Name geändert