Kandidatin im Kurzporträt

Alter/Familienstand/Kinder:

40 Jahre, verheiratet, drei Kinder (18, 12, 10)

Beruf/Tätigkeit:

Dipl. Kynologin

Das mag ich an Magdeburg;

Ich mag das viele Grün, den Charme der Stadt und die Menschen, die diesen jeden Tag versprühen.

Hier kann Magdeburg noch

besser werden:

Mehr Empathie für Menschen die schlechter gestellt sind, Fördermöglichkeiten für die, die durchs Raster fallen.

Magdeburg ist in zehn Jahren...

kulturell noch reicher und weltoffener.

Das sagen andere über Stephanie Brehm:

„Ich bewundere die Ausdauer und Kraft, die sie an den Tag legt. Sie widmet sich mit dem Verein oft schwerstkranken Kindern und vermittelt immer wieder Therapiehunde, die nicht nur Trost und Zuversicht, sondern vor allem Hilfe im Alltäglichen geben. Leider wird diese Arbeit, im Gegensatz zu anderen Hilfsvereinen, noch viel zu selten in den öffentlichen Fokus gerückt und ist doch so unwahrscheinlich wichtig: Sie bringt so vielen Menschen, insbesondere Kindern Freude und gibt diesen Mut. Eine Stadt mit so engagierten Menschen in ihrer Mitte kann stolz sein.“

Michael Kempchen, Intendant des Puppentheaters, Hundeliebhaber und Botschafter des Vereins

Über die Platzierung bei

der Wahl zum Magdeburger

des Jahres entscheiden

ausschließlich die Volksstimme-

Leser.

So machen Sie mit:

Stimmzettel ausfüllen und einsenden oder im Internet unter www.volksstimme.de/mdj abstimmen. Die Abstimmung endet am 31. Dezember. Als Dankeschön verlosen wir unter anderem Eintrittskarten für die Ehrungsgala am 7. Januar 2020 im Opernhaus .

Magdeburg l Für einen Australian Shepherd ist Sam tatsächlich ein wenig klein geraten. Um mit der achtjährigen Emily zu kuscheln, hat er jedoch genau die richtige Größe. Dass sie aufgrund eines Gendefektes im Rollstuhl sitzt, ist Sam herzlich egal. Ebenso, dass sie kaum sprechen kann. Sam will Streicheleinheiten. Und er will mit ihr spielen. Dazu muss Emily aber erst einmal kleine Säckchen, in denen Übungen stecken, im Raum verteilen. Wenn Sam die Säcke dann für sie holt, gilt es, sie zu öffnen. Für Emily eine große Herausforderung, da sie motorisch große Schwierigkeiten hat. „Manchmal verzweifelt sie, weil sie die Bänder nicht geöffnet bekommt. Dann kommt Sam und küsst sie – leckt ihr die Hand.“ Etwas, das die Achtjährige liebevoll motiviert.

Sam ist ein ausgebildeter Therapiebegleithund. Er gehört zu Stephanie Brehm und ist mit ihr in Seniorenheimen, Kitas und Hospizen zu Gast. Er spendet Trost, hilft Aufgaben zu bewältigen, unterstützt und beruhigt, wenn es nötig ist. Seit 15 Jahren engagiert sich Stephanie Brehm ehrenamtlich mit Tierbesuchsdiensten.

Kinder und Erzieher waren begeistert

2002 zog sie mit ihrer damals einjährigen Tochter und Labrador-Hündin Jerry Lee der Liebe wegen aus dem thüringischen Neuhaus nach Magdeburg. Jedes Mal, wenn sie ihre Tochter in den Kindergarten brachte, stand die Hündin im Mittelpunkt. Die Kleinen hatten so viel Freude an dem Vierbeiner, dass eine Erzieherin sie bat, doch mal ganz offiziell für eine Stunde vorbeizukommen.

Kinder und Erzieher waren von Jerry Lee gleichermaßen begeistert. So sehr, dass aus einem Besuch drei pro Woche wurden. Die Wirkung, die der Labrador auf die Kleinen hatte, war verblüffend. Kinder, die zuvor ängstlich waren, wurden plötzlich ganz mutig. Andere, die eher übergriffig waren, nahmen sich zurück.

Eine Volksstimme-Redakteurin wurde auf den vierbeinigen Kita-Besuch aufmerksam und stellte das Duo in einem Beitrag vor. Stephanie Brehm erinnert sich: „Daraufhin kamen zig Anfragen aus Senioreneinrichtungen, Hospiz und Kindergärten. Das hat mir gezeigt, dass der Bedarf enorm ist. Ich hatte Freude daran und wollte das weiter machen.“ Der Anruf eines befreundeten Hundeprofis holte sie jedoch auf den Boden zurück. „Er sagte, ich könne doch nicht einfach, ohne dass der Hund dafür ausgebildet ist, diese Besuche machen.“ Er hatte Recht. Und so ließ sie Jerry Lee 2004 zum ersten Begleithund Sachsen-Anhalts ausbilden. Um das Ganze noch auf ein rechtlich stabiles Fundament zu stellen, gründete sie den „tierisch geborgen e. V.“ – damals noch mit fünf Mitgliedern, heute sind es beinah 100.

Magdeburgerin arbeitet mit drei Hunden

Sie besuchen mit ihren Hunden schwerstkranke Kinder, statten Senioren einen Besuch ab, begleiten traumatisierte Flüchtlinge, unterstützen Kinder beim Lernen und gehen sogar mit in den Unterricht. Sie leisten Krebskranken Beistand, motivieren zu Bewegung und helfen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Vertrauen aufzubauen und Empathie zu entwickeln. Die Hunde können apportieren, würfeln, spielen oder geben beim Kuscheln Sicherheit und Geborgenheit. Einige Hunde sind zur Therapiebegleitung, andere zur Assistenz oder für Besuche. Unter Leitung von Stephanie Brehm werden sie in Magdeburg dafür ausgebildet. Denn mit der Gründung des „tierisch geborgen e. V.“ orientierte sich Stephanie Brehm beruflich um.

War die 40-Jährige zuvor in der Marketingbranche tätig, wollte sie nun nur noch mit Hunden arbeiten. In der Schweiz studierte sie Kynologie - die Wissenschaft vom Hund. Und ihr Wissen gibt sie seit 15 Jahren an ihre Vereinsmitglieder weiter. Derzeit hat die 40-Jährige drei Hunde - Australien Shepherd Sam (5) sowie die Labradore Kyra (10) und Nero (11). Letzterer „arbeitet“ vor allem im Wachkoma-Bereich. Die Zuneigung und der körperliche Kontakt wirken auf die Patienten stimulierend. Viele kleine Wunder hat sie mit ihren Hunden schon erlebt. „Wir waren regelmäßig bei einem Wachkomapatienten, der ganz regungslos dalag. Der Hund hat sich immer an sein linkes Bein gelegt. Irgendwann versuchte der Mann, sein rechtes auch zum Hund zu drehen“, erzählt sie. Das seien Momente, die ihr die Gänsehaut über den ganzen Körper treiben. „Solche Erfolge sind meine Motivation.“

Die Besuche mit den Hunden bringen zweifelsohne viele schöne Erfolgsgeschichten. Sie öffnen Türen zu traumatisierten Kindern oder jenen, die durchs therapeutische Raster fallen. Doch gerade die Arbeit mit Schwerstkranken hinterlasse auch schmerzhafte Spuren. „Wir haben schon viele Kinder gehen lassen müssen“, erzählt sie und erinnert sich an die kleine Josie. Das junge Mädchen hat den Kampf gegen Krebs verloren. Eines Abends rief ihre Mutter bei Stephanie Brehm an und bat sie, vorbeizukommen. „Josie hatte sich gewünscht, mit Hündin Kyra an der Seite zu sterben.“ Und so ließ Stephanie Brehm alles stehen und liegen und fuhr mit Kyra zu Josie. „Wir waren dann viele, viele Stunden da, ehe sie von uns gegangen ist – mit Kyra an der Seite.“

Alles rund um die Wahl zum „Magdeburger des Jahres 2019“ finden Sie unter www.volksstimme.de/mdj. Hier können Sie auch für Ihren Kandidaten abstimmen.