Der Maßnahmeplan in Stichworten

Insgesamt 490.540 Euro wollte das federführende Wirtschaftsdezernat 2020 in Werbe- und Belebungsaktionen für den Handel in der Innenstadt und in Stadtteilzentren investieren. Beschlossen und gestrichen: 

▶ Kampagne #herzlich nah magdeburg 56.000 Euro; Anzeigenkampagne von IG Innenstadt, Stadt und Bahn bis zur Fertigstellung von Bahnbrücken und Tunnel am Damaschkeplatz

 ▶ Freiraumlabor Ein Herz für Magdeburg 150.000 Euro; Stadtmöblierung, Kultur, Mitmach-Werkstätten für eine belebte Innenstadt

 ▶ Local Shop Day 50.000 Euro; Aktionstag mit langer Shopping-Nacht, Kultur, mobilen Modenschauen, Walk Acts, Street-Food und einer Open-Air-Abschlussshow mit integrierter Modavision auf dem Domplatz

 ▶ Vitale Innenstadt/Befragung 4500 Euro; Befragung von Innenstadt-Besuchern, Institut für Handelsforschung Köln

 ▶ Leerstandsprojekt „Schauwerk“, Hochschule Magdeburg-Stendal 19. 600 Euro; ein leerstehendes Ladengeschäft im Breiten Weg soll Dreh- und Angelpunkt zur Stadtmöblierung und -gestaltung sowie zur Debatte über die Zukunft der Innenstädte werden

 ▶ Leerstandsprojekt „in:takt“, Otto-von-Guericke-Universität 8036 Euro; Studenten nutzen leerstehendes Ladenlokal im Breiten Weg selbstverantwortlich als Kultur- und Diskussionsraum

 ▶ Aufwertung Wochenmarkt 41.000 Euro; Ausstattung mit einheitlichen Standverkleidungen/Schirmen in den Ottostadt-Farben, Feste, Tag der Direktvermarkter, Woche der Städtepartnerschaft

 ▶ Mechanisches Puppentheater „Theatrum mundi“ 29.000 Euro; begleitend zur Aufwertung des Wochenmarktes wollen Wobau und Puppentheater in den ehemaligen Kiosk Alter Markt 9 ein mechanisches Puppentheater einbauen – funktioniert bei Geldeinwurf/Knopfdruck

 ▶ Hasselbachplatzmanagerin 55.000 Euro; Besetzung einer Stelle zur Vermittlung/Belebung am Platz; Vorstellung der bereits ausgewählten Hasselbachplatzmanagerin ist für den morgigen Dienstag angekündigt

 ▶ Shopping 4.0, Hochschule Magdeburg-Stendal 18.900 Euro; Cross-Media-Studenten begleiten Bemühungen zur Verbindung von stationärem und Onlinehandel wissenschaftlich

 ▶ Kundengewinnung Handel Innenstadt/Stadtteile 20.000 Euro; Unterstützung der Geschäftsstraßenmanager in Sudenburg, Neustadt und Stadtfeld sowie der IG Innenstadt mit je 5000 Euro

  

Gestrichen:

▶ Einkaufportal www.einkaufen-in-magdeburg.de 20 000 Euro; Onlineauftritt/Einkaufsbeilage

 ▶ Einkaufsführer www.geheimtipp-magdeburg.de 5500 Euro; Onlineportal/Broschüre

 ▶ Besonderer Zielgruppen 13.000 Euro; Händlerunterstützung bei Ansprache zum Beispiel junger Kunden/Kunden bis 60/Senioren; Aktion „Heimat Shoppen“

 ▶ Ausbau „Lichterwelt“ 35.000 Euro für Beleuchtung weiterer Geschäftsstraßen (zum Beispiel Sternstraße, Große Diesdorfer Straße)

Magdeburg l Einen Schlagabtausch lieferten sich die Magdeburger Stadträte auf ihrer Sitzung am 5. Dezember 2019 zur Fortschreibung des Maßnahmeplans Handel in der Innenstadt und in den Stadtteilzentren. Immerhin fast eine halbe Million Euro sollten 2020 in Projekte zur Förderung des Einzelhandels fließen. Jetzt werden es knapp 40.000 Euro weniger.

Der Magdeburger Wirtschafts-Beigeordnete Rainer Nitsche (CDU) verstand die Welt nicht mehr, als ein Gewitter über ihn hereinbrach. „Ich atme tief und schweige“, gipfelte die Tirade von SPD-Fraktionsvize Falko Grube über die aus Sicht seiner Fraktion mangelhafte Qualität des aus dem Wirtschafts-Dezernat vorgelegten Beschlusspapiers. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) trat später nach. Die Drucksache habe nicht die Qualität, die wünschenswert wäre. Sie sei nicht vernünftig vorbereitet worden.

Zur Sache. Auch wenn der Trubel zum Weihnachtsgeschäft es kaschiert, der Einzelhandel ächzt unter Einbußen – in Magdeburg wie überall im Land. Der wachsende Online-Markt ist ein Grund. In Magdeburg kommen dauerhafte Straßensperrungen rund um die Innenstadt und an Stadtteilzentren hinzu. 2017 fanden Händlervertreter, Hochschulen, Kommunalpolitiker und andere um die lebendige Stadt besorgte Menschen zusammen, um ein Maßnahmepaket zur Händlerhilfe zu schnüren. Im Stadtrat stand dessen Fortschreibung und die Ausstattung mit 490.500 Euro zur Debatte.

Entwicklungshilfe für den Wochenmarkt

Der Wirtschafts-beigeordnete warb für den Beschluss des Paketes, weil es ein gemeinsam mit dem Innenstadthandel, Pro M und weiteren Partnern erarbeitet und abgestimmt sei. SPD, Grüne/future! und Tierschutzpartei/BfM machten im Gegenteil per Änderungs-antrag für die Streichung von gleich sechs Punkten aus dem Maßnahmeplan mobil. „Beim Wochenmarkt geht es nicht nur um ein paar neue, bunte Sonnenschirme“, schimpfte SPD-Fraktionschef Jens Rösler.

Eine grundsätzliche Neuausrichtung müsse her. Während Märkte in anderen Städten Anziehungspunkte und echte Attraktionen im Stadtleben sind, dümpeln die Magdeburger tatsächlich vor sich hin – Konsens im Rat. Dass SPD und Grüne dem zentralen Wochenmarkt aber deshalb die ihm zur Qualifizierung fürs Erste zugedachten 41.000 Euro streitig machen wollten, erschloss sich einer Ratsmehrheit nicht; das Marktgeld überstand die Attacke ungekürzt.

Modavision auf der Kippe

Anders endete die Debatte um zwei Internet-Portale, die helfen sollen, das Einkaufen in Magdeburg zu stärken und eine entsprechende Beilage in der Volksstimme. Nitsche bleibe den Beweis der Sinnhaftigkeit schuldig, so Rösler. „Von Millionen Klicks ist jedenfalls keine Rede.“ Neben den Zuschüssen für Markt und Werbung stellten SPD und Grüne Subventionen für die Modavision, die Show der regionalen Modehändler, das Management für Geschäftsstraßen in den Stadtteilen und ein Sonderbudget für die Gewinnung spezieller Kundenkreise (zum Beispiel nach Altersgruppen) für den lokalen Einzelhandel zur Disposition.

Irritierte Christdemokraten

„Ich bin irre irritiert“, reagierte CDU/FDP-Fraktionschef Wigbert Schwenke. Er verstehe den Antrag beim besten Willen nicht. „Das sind Projekte, die schon länger laufen und bisher nicht infrage gestellt wurden.“ Zur Güte machte Schwenkes Fraktion den Vorschlag, zunächst nur den Gesamtetat von etwa einer halben Million Euro festzuschreiben und über jedes einzelne Projekt noch einmal zu diskutieren – Ablehnung. Für die AfD räumte auch deren Fraktionschef Frank Pasemann Unverständnis für die Attacke von rot-grün ein und forderte mehr Mut bei der Förderung der regionalen Wirtschaft ein. Gartenpartei-Mann Marcel Guderjahn beklagte, dass unter anderem der heftig unter Druck stehende Einzelhandel in Buckau keine Berücksichtigung im Hilfspaket findet. Der Wirtschaftsbeigeordnete gelobte Änderung. „Da wollen wir auch etwas machen.“

Der Abstimmung fielen am Ende die Zuschüsse für Online-Auftritte im Dienste des Handels vor Ort und jene für zielgruppengerechte Werbung zum Opfer. Im Gegenzug lehnte eine Ratsmehrheit den ergänzenden Antrag der rot-grünen Allianz ab, zusätzlich 35.000 Euro zum Ausbau der „Lichterwelt“ bereitzustellen. Unter anderem Anlieger an der Sternstraße und der Großen Diesdorfer Straße wünschen sich, dass ihre Straßenzüge ins festliche Lichtkonzept einbezogen werden, auf dass das Funkeln nicht nur die Innenstadt, sondern auch Stadtteilzentren belebt. Eine Ratsmehrheit wies den Ad-hoc-Ausbau ab, schloss ihn aber für die Folgejahre nicht aus. Das neue Vorweihnachtsglitzern hält für den versammelten Rat als Erfolgsrezept zur Belebung der Innenstadt her.

Das Fazit der Debatte fällt dürftig aus: 38.500 Euro weniger zur Händlerförderung in Magdeburg, aber statt der gestrichenen keine neuen Ideen.