Magdeburg l Da es aufgrund der Corona-Beschränkungen aktuell keine Schwimmzeiten für die Öffentlichkeit gibt, ist es noch keinem Badegast aufgefallen. Doch an der Fensterfront des großen Beckens der Elbeschwimmhalle wurden kürzlich vier Videokameras angebracht. Wer genau hinschaut, entdeckt auch unter Wasser die gleiche Anzahl. Mit ihnen will der Schwimmmeister aber nicht kontrollieren, ob jemand vom Beckenrand springt. Vielmehr handelt es sich bei dem Kamerasystem um eine hochmoderne Ergänzung für das Training der Spitzensportler.

Wolfgang Witte ist Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt und wird das System künftig nutzen, um die Bewegungsabläufe der Schwimmer genauestens analysieren zu können. „Bislang sind wir mit einer tragbaren Kamera nebenher gelaufen“, sagt er. Die acht Kameras liefern nun – mit 50 Aufnahmen pro Sekunde in HD-Qualität – eine exakte Bildfolge vom Absprung über das Eintauchen bis zum Auftauchen. Die ersten gut 15 Meter der Bahn werden so abgedeckt. Ausgerichtet sind sie auf die Bahn 3. „Wir können den Eintauchwinkel oder den Beinschlag genau begutachten“, sagt Wolfgang Witte.

Aktuell läuft noch die Testphase, weshalb regelmäßig die Techniker des Unternehmens vor Ort sind, das das System im Auftrag der Stadt installiert hat. Feinabstimmungen gilt es zu treffen, um eine möglichst fließende Bewegung aus den acht Blickwinkeln zu erzeugen. Künftig werden gut 50 Sportler in allen Altersgruppen und vereinsübergreifend die Technik nutzen können.

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Kameras nur beim Training in Betrieb

Normale Badegäste müssen nun aber keine Angst haben, bei ihrem Besuch ungewollt von den Kameras aufgenommen werden. „Sie werden nur dann in Betrieb sein, wenn ausschließlich trainiert wird“, erklärt André Willms vom Fachbereich Schule und Sport. Alles andere, wie Einverständniserklärungen vor Betreten der Halle, wäre nicht händelbar gewesen, sagt er. 220 000 Euro wurden in den letzten Monaten insgesamt in die Technik der Elbeschwimmhalle investiert. So hat auch der Strömungskanal drei neue Kameras bekommen.

Und was sagen die Sportler, die von der neuen Technik profitieren sollen? Freiwasserschwimmer Rob Muffels erklärt: „Das Kamerasystem ermöglicht uns mit standardisierten Bedingungen unsere Schwimmtechniken zu analysieren. Das ist ein elementares Trainingsmittel und führt uns einen Schritt weiter in die Weltspitze.“ Auch SCM-Vereinskollegin Franziska Hentke ist angetan: „Es ist für uns eine tolle Möglichkeit, auch außerhalb der Diagnostiken weiter an der Technik vor allem bei Start und Wende zu arbeiten. Für den Stützpunkt ist es ein wichtiger Schritt, um in allen Altersbereichen noch professioneller zu arbeiten.“