Magdeburg l Aus Sicherheitsgründen dringt die Schulleitung darauf, dass Erstklässler nicht mehr mit dem Fahrrad zur Grundschule "Am Grenzweg" kommen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung seien Hinweise des ADAC und der Polizei gewesen, hatte Schulleiterin Gabriele Krappatsch der Volksstimme erklärt. Zwar liegt die Schule an einer ruhigen Anliegerstraße. Doch wegen vieler "Elterntaxis", bei denen Eltern ihre Kinder mit dem eigenen Auto möglichst nahe zum Schultor bringen, herrsche im Umfeld der Grundschule insbesondere kurz vor Unterrichtsbeginn dichter Verkehr.

"Wir dürfen nicht riskieren, dass Kinder, die noch nicht ausreichend sicher auf dem Fahrrad sind und die auch in den ersten Monaten den Weg zur Schule erst einmal richtig kennenlernen müssen, hier gefährdet werden", so Krappatsch.

Elterntaxis werden zu einem Problem

Die Regelung, über die die Volksstimme am 11. Januar 2020 und später unter anderen auch der Spiegel berichtete, eine Debatte aus und sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Etliche Nutzer schrieben beispielsweise im Kurznachrichtendienst Twitter von einer "Verkehrswende andersherum" oder einer "verkehrten Welt" und mahnten an, die "Elterntaxis" zu verbieten, statt darauf zu dringen, dass die Erstklässler nicht mit dem Fahrrad zur Schule kommen sollen. Andere berichteten davon, dass sie ähnliche Regelungen von anderen Grundschulen im Bundesgebiet kennen würden.

Jürgen Engel, Vorstandsvorsitzender der Verkehrswacht Magdeburg, erklärte: "Elterntaxis werden an manchen Schulstandorten mittlerweile zu einem echten Problem. Denn mittlerweile wird außerhalb des unmittelbaren Schulbereichs den Sprösslingen das Aussteigen ermöglicht. Dabei wird in zweiter Reihe und im Haltestellenbereich des ÖPNV gestanden. Ich finde es verwerflich, dass die Kinder gerade im Umfeld der Schule so stark gefährdet sind. Wie wäre es denn, wenn den Eltern mit ihren Autos das Befahren des nahen Umfeldes einer Schule verboten würde?".

Die Magdeburger Grünen schrieben von einem "total absurden Fahrradverbot", der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Magdeburg schrieb auf Twitter, man sei "schockiert". Vorsitzender Norman Dreimann äußerte am Montag, 13. Januar 2020, Verständnis für die Sorgen um die Sicherheit der Kinder, hält die getroffene Entscheidung aber für das falsche Signal. "Das Problem sind die vielen Autos, die direkt vor der Schule nichts zu suchen haben, und nicht die mit dem Fahrrad fahrenden Kinder. Statt der Ursache des Problems entgegenzuwirken, werden die Betroffenen weiter benachteiligt." Er rief die zuständigen Ordnungsbehörden auf, für eine Verkehrsberuhigung vor den Schulen zu sorgen, indem man zum Beispiel die Straßen vor den Schulen zu Beginn der Schulzeit ganz für den Autoverkehr sperrt. Mit der aktuellen Regelung sei niemandem geholfen.

Regelung rechtlich nicht haltbar

"So werden nur noch mehr Kinder mit dem Auto gebracht. Und für Kinder ab der zweiten Klasse sowie solche, die zu Fuß kommen, besteht die Gefahr noch immer." Nach Auffassung des ADFC widerspreche die getroffene Regelung nicht nur allen verkehrs- und klimapolitischen Zielen der Stadt, sondern sei auch rechtlich nicht haltbar.

Vom Stadtelternrat hieß es, dass man grundsätzlich begrüße, wenn sich die Schulleitung Gedanken um die Sicherheit der Kinder macht. Auf der anderen Seite gebe es aber weder ein Gesetz noch eine Vorschrift, ab welchem Alter Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren dürfen. Dies liege im Ermessen der Eltern, so Annette Kirstein, Vorsitzende des Stadtelternrates. Dass auch an anderen Schulen der Stadt derartige Regelungen wie im Grenzweg gelten würden, davon habe der Stadtelternrat bisher noch nichts gehört. Zum Thema Elterntaxis sagte Annette Kirstein, dass es im Ermessen der Eltern liege, wie ihre Kinder zur Schule kommen. Ob mit dem Rad, zu Fuß oder eben dem Elterntaxi. Dass im Fall der Grenzweg-Grundschule jedoch das Elterntaxi gegenüber fahrradfahrenden Kindern favorisiert werde, sei erstaunlich. "Das erschließt sich uns nicht", so Annette Kirstein.

Die Schulleitung möchte sich zu dem Thema nicht mehr äußern und verweist auf das Landesschulamt. Von dort gab es jedoch auf schriftliche Nachfrage noch keine Stellungnahme.