Magdeburg l Vor kurzem noch stand das Steinzeitdorf in Randau vor dem Aus. Doch nach einem Volksstimme-Bericht über die Nachwuchssorgen des Vereins hat sich eine Gruppe von Randauern gefunden, die jetzt mit anpackt. „Im Wesentlichen handelt es sich um zehn junge Leute aus unserem Dorf“, sagt Vereinsvorsitzender Christian Rausch.

Sturm Xavier wütet im Steinzeitdorf

Und dass diese im wahrsten Sinne des Wortes mit anpacken, zeigt das Beispiel von Marcus Reuter. Kurz vor dem Saisonabschluss nämlich hatte der Sturm Xavier auch auf dem Gelände gewütet. Marcus Reuter sagt: „Ich habe Stämme beiseitegeräumt und einen der umgestürzten Bäume zerlegt.“

Rund acht Stunden hat er dazu benötigt und sagt: „Wenn ein anderer von uns aus dem Verein Zeit gehabt hätte, hätte er das ja auch gemacht.“ Ansonsten ist er oft mit Trinkhorn und Speer ausgestattet und in ein Fell gehüllt auf dem Gelände unterwegs und führt die Besucher zu den einzelnen Stationen, die einen Zeitraum von vor 7500 bis vor 650 Jahren abdecken.

Bilder

Backen im Steinzeitdorf

Eine Premiere bot der Saisonabschluss für Johannes Borghardt. Gemeinsam mit Sabine Schwarz kümmerte er sich um den steinzeitlichen Backofen auf dem Gelände. Er sagt: „Emmer und Einkorn waren die in jener Zeit genutzten Getreide. Wir greifen hier kurzerhand auf eine Backmischung mit Einkorn zurück.“

Steinzeitdorf Randau bei Magdeburg

Magdeburg (ri) l Saisonabschluss im Steinzeitdorf Randau: Die Besucher konnten sich an einer Reihe von Stationen in alten handwerklichen Techniken ausprobieren. Daneben konnten sie einen Blick in jenes Gebäude werfen, das gerade erst saniert wurde.

  • Marcus Reuter gehört zu den neuen Mitgliedern des Vereins. U.a. führt er Besucher über das Gelände. Foto: Martin Rieß

    Marcus Reuter gehört zu den neuen Mitgliedern des Vereins. U.a. führt er Besucher ü...

  • Pfähle dieses Gebäudes wurden in den vergangenen Monaten saniert. Foto: Martin Rieß

    Pfähle dieses Gebäudes wurden in den vergangenen Monaten saniert. Foto: Martin Rieß

  • Brot aus dem Steinzeitofen  dazu gibt es Schmalz und saure Gurke. Foto: Martin Rieß

    Brot aus dem Steinzeitofen dazu gibt es Schmalz und saure Gurke. Foto: Martin Rieß

  • Johannes Borghardt und Sabine Schwarz betreuen den Steinzeitofen. Foto: Martin Rieß

    Johannes Borghardt und Sabine Schwarz betreuen den Steinzeitofen. Foto: Martin Rieß

  • Wilko Florstedt und Benjamin Robert häuten ein Wildschwein mit Steinmessern. Foto: Martin Rieß

    Wilko Florstedt und Benjamin Robert häuten ein Wildschwein mit Steinmessern. Foto: Martin Ri...

  • Nebenan wurde im Steinzeitdorf getöpfert. Foto: Martin Rieß

    Nebenan wurde im Steinzeitdorf getöpfert. Foto: Martin Rieß

  • Zum Steinzeitdorf Randau gehört auch ein Palisadenzaun. Foto: Martin Rieß

    Zum Steinzeitdorf Randau gehört auch ein Palisadenzaun. Foto: Martin Rieß

  • Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

  • Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

  • Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf. Foto: Martin Rieß

  • Köcher mit Pfeilen: Die Jagd spielte für die Menschen in der Steinzeit eine entscheidende Rolle. Foto: Martin Rieß

    Köcher mit Pfeilen: Die Jagd spielte für die Menschen in der Steinzeit eine entscheiden...

  • Mit einfachen Lampen mit offener Flamme wurdeen die Behausungen der Menschen erleuchtet. Foto: Martin Rieß

    Mit einfachen Lampen mit offener Flamme wurdeen die Behausungen der Menschen erleuchtet. Foto: Ma...

  • Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf:Vereinsvorsitzender Christian Rausch und Karl Friedrich im Gespräch. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Tag der offenen Tür im Steinzeitdorf:Vereinsvorsitzender Christian Rausch und ...

Die Brotlaibe gehen an diesem Tag wie geplant auf und kommen goldbraun duftend aus dem Ofen. „Wenn sie ein wenig abgekühlt sind, gibt es dazu Schmalz und saure Gurke“, sagt Sabine Schwarz.

Voller Einsatz am Backofen

Karl Friedrich, der das Steinzeithaus-Projekt von Beginn im Jahr 2001 an begleitet hat, sagt: „Wenn wir Kindergruppen haben, dann versuchen die sich hier immer einmal an den Mahlsteinen. Und schnell erkennen sie, dass die Herstellung von einer Schüssel Mehl für ein Brot eine wirklich schweißtreibende Arbeit war, die mehrere Stunden in Anspruch genommen hat.“

Volles Verständnis also für die Akteure am Backofen, dass sie bei all den Broten für die hungrigen Mäuler beim Saisonabschluss auf die fertige Backmischung zurückgreifen. Christian Rausch ist jedenfalls vom Backerfolg des Backofenteams begeistert und sagt: „Solch ein Ofen verhält sich nämlich schon ein wenig anders als der in der heimischen Küchenzeile. Dass das bei der Premiere also so gut klappt, ist durchaus nicht selbstverständlich.“

Messer aus Holz und Flintsteinen

Erstmals an Werkzeugen, wie sie vor Tausenden Jahren genutzt wurden, haben sich ein paar Meter weiter auch Benjamin Robert und Wilko Florstedt ausprobiert: Mit Messern, die aus Holzstäben und Flintsteinen bestehen, häuteten sie ein Wildschwein zu Schauzwecken. Benjamin Robert: „Das geht richtig gut. Für dieses etwa 79 Kilogramm schwere Schwein benötigen wir etwa anderthalb Stunden.“

Das Praktische an dem archaischen Werkzeug: Wenn ein Stück aus der Klinge herausplatzt, ergibt sich gleich die nächste scharfe Kante. Wilko Florstedt: „Daran kann man erkennen, wie gut sich die Menschen jener Zeit an ihre Umwelt angepasst haben. Mit einem modernen Messer sollte man beim Häuten eines Wildschweins auch eine Stunde einplanen.“ Will heißen: Rund 10.000 Jahre Entwicklung haben hier gerade einmal eine halbe Stunde Zeitersparnis gebracht.

Das Fell von dem Wildschwein wird übrigens nicht gegerbt und zu Pelz oder Leder verarbeitet. Das ist zu aufwendig. Es wird getrocknet und findet dann einen Platz in den Ausstellungsräumen.

Schießen auf Holz-Wildschwein

Auch wenn nebenan mit Pfeil und Bogen auf ein hölzernes Wildschwein geschossen wird – das Tier, das hier verarbeitet wird, wurde nicht auf diese Weise erlegt. „So ein Wildschwein lässt sich nicht auf Bestellung auf den Tag genau erlegen“, sagt Wilko Florstedt.

Es ist derweil nicht allein die fehlende Technik, die Christian Rausch dazu bewegt, zu sagen: „Bestenfalls zu Besuch würde ich in die Steinzeit reisen.“ Karl Friedrich erläutert: „Man sollte sich dabei nämlich immer auch vor Augen führen, dass dies raue und keineswegs friedliche Zeiten waren.“

Wer sich für das Projekt interessiert, findet weitere Informationen unter www.steinzeithaus.de im Internet.